18.11.2018 - 14:26 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Schulfriede durch Kombiklassen "massiv gestört"

Der gemeinsame Unterricht von Erst- und Zweitklässlern an der Doktor-Eisenbarth-Grundschule Oberviechtach erhitzt nicht nur die Gemüter der Eltern. Deshalb gibt es jetzt eine neue Resolution, die auch der Stadtrat unterstützt.

Für kommendes Jahr plant die Stadt den Einstieg in die Grundschulsanierung. Derzeit gibt es eine ganz andere "Baustelle": Die Einführung von Kombiklassen erhitzt die Gemüter.
von Georg Köppl Kontakt Profil

Das Schreiben des Elternbeirats an Ministerium, Mandatsträger und Schulverwaltung (siehe Info-Kasten) war auch Thema in der jüngsten Stadtratssitzung. Stadtrat Alexander Ried hatte in seiner Eigenschaft als neuer Elternbeiratsvorsitzender der Grundschule um Unterstützung durch den Stadtrat gebeten, die er dann auch einstimmig bekam.

Neue Aspekte

Ried ging kurz auf die Resolution ein, mit der man sich direkt auch an den neuen Kultusminister Professor Dr. Michael Piazolo wendet und zeigte nochmal die Situation und die Forderungen des Elternbeirats auf. "Aus unserer Sicht haben sich in der Zwischenzeit neue Aspekte ergeben, welche so nicht absehbar waren oder welche bisher nicht ausreichend gewürdigt wurden", begründet den Ried den neuerlichen Vorstoß.

"Ein entsprechender Stadtratsbeschluss soll die Forderung der Eltern verstärken", argumentierte der PWG/SPD/JB-Fraktionssprecher Josef Lohrer und bedauerte, dass die "früheren Synergieeffekte mit der Mittelschule offenbar nicht mehr gewollt sind".

Stadträtin Lydia Eckert erklärte in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Fördervereins der Grundschule, dass sich der Verein aufgrund der Satzung nicht in den Ablauf einmischen dürfe, stimmte als Stadträtin aber ebenfalls für die Unterstützung des Antrags. Sie plädierte dafür, möglichst schnell Räume zu finden, damit sich die Situation entzerrt und sprach sich in diesem Zusammenhang dafür aus, die Räumlichkeiten vorrangig mit Schülern und nicht mit Vereinen zu belegen. "Wir wollen nicht, dass aus Regelklassen Kombiklassen gemacht werden", war auch die Forderung von Bürgermeister Heinz Weigl.

Das Thema Kombiklassen beschäftigt die Oberviechtacher schon länger:

Oberviechtach
Oberviechtach

Alexander Ried ("Der Schulfriede ist massiv gestört") hatte unter anderem berichtet, dass in den Kombiklassen 25/26 Kinder unterrichtet werden und es in zwei der drei Kombiklassen an Differenzierungsräumen fehle. Das führe dazu, dass die Kinder teilweise auf dem Gang ihre Übungen und ihren Unterricht vollziehen. Zudem sei es den Lehrkräften nicht möglich, gleichzeitig im Klassenzimmer und am Gang adäquat Aufsicht zu führen. Ried bedauert auch, "dass der Elternbeirat erst im Juni 2018 informiert wurde, ohne darüber zu beraten und eine Stellungnahme abzugeben und auch der Sachaufwandsträger erfuhr erst durch die Eltern von den Plänen der Schule".

Zur Sicht der Eltern stellte Ried klar: "!Wir verweisen auf die 130 Unterschriften, die von den damaligen Klassenelternsprechern im Juni 2018 von betroffenen Eltern gesammelt wurden. Rund 90 Prozent der Eltern lehnten diese Form des Unterrichts nachweislich ab". Die Lehrer würden zwar ihr Bestes geben, aber die Kinder würden unter der Situation und der Umstellung leiden, stellt der Antragsteller weiter fest. Es bestehe eine ausgeprägte und bisher nicht gekannte Unlust, die Schule zu besuchen und es zeigten sich zunehmende Somatisierungsstörungen.

Auch in Eslarn haben sich Eltern gegen die Einführung von Kombiklassen gewehrt:

Eslarn

"Nicht plausibel"

Ried kommt zum Schluss, "dass es aus Sicht der Eltern keinen objektiven Grund für die Einführung von Kombiklassen gibt". Den Eltern sei seitens der Schulleitung mitgeteilt worden, dass durch die Einführung einer neuen gebundenen Ganztagsklasse 3/4 eine zusätzliche Klasse entstünde. Dies müsse durch die Kombiklassen 1/2 ausgeglichen werden, da eine Klassenmehrung grundsätzlich nicht möglich sei.

Diese Aussage erscheine jedoch nicht plausibel, da die Lehrer-Zuteilung nach Schülern und nicht nach Klassenzahlen erfolge.

Dokumentation:

In der Zusammenfassung der elfseitigen Resolution des Elternbeirats, unterzeichnet vom Vorsitzenden Dr. Alexander Ried, heißt es:

„Kombiklassen können unter gewissen Umständen eine gleichwertige Unterrichts- und Betreuungsform sein, bei uns sind diese Umstände weder räumlich noch organisatorisch gegeben. Es gibt keinen zwingenden und objektiven Sachgrund für die Einführung von Kombiklassen in Oberviechtach. Und ohne guten Grund ist es reine Ideologie. Unseren Kindern geht es schlecht! Sie leiden und die Bildungsleistungen sinken. Und es sind unsere Kinder! Nicht die Kinder der Schulleitung, eines Amtes oder eines Ministeriums, sondern unsere! Wir sind die Eltern! (kö)

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