11.04.2021 - 10:54 Uhr
OberviechtachOberpfalz

Untragbar: Statt Altkleider Christbaumschmuck und Schattenmorellen im Container

Wenigstens ist es rund um die Altkleidercontainer sauber. Deren Inhalt ist es nicht immer. Die Ehrenamtlichen der BRK-Bereitschaft Oberviechtach schreckt so schnell nichts mehr. Sie wissen um die Rücksichtslosigkeit mancher Zeitgenossen.

Das Leeren der Altkleidercontainer geht den Ehrenamtlichen routiniert von der Hand. Ins Stocken gerät die Arbeit immer dann, wenn rücksichtslose Zeitgenossen Sonnenbrillen, Tabletten und Klopapier entsorgen.
von Irma Held Kontakt Profil

Die Container vor der Rettungswache am Schießanger sind am Sonntag um 8 Uhr bereits geleert. Bereichsleiter Christian Ostermeier steht vor einem Haufen Müll. Dieser lag in den Containern. Damit kann das Rote Kreuz in Oberviechtach nichts anfangen. Jede Menge Spielzeug ist dabei. Das hat in einem Altkleidercontainer wahrlich nichts verloren. Doch die vier Helfer, Christian Ostermeier, Martin Hauser, Kerstin Kugler und Melanie Roth, kennen weitaus Schlimmeres. Richtig übel wird es, wenn klassischer Hausmüll neben den Kleiderspenden vor sich hingammelt. Das ist, solange Oberpfalz-Medien die Leer-Tour begleitet, nicht der Fall.

Am "Zinser-Parkplatz" ist so gut wie nichts zum Aussortieren greifbar. Allerdings wissen die vier Ehrenamtlichen nicht, was in den Säcken zwischen T-Shirts oder Handtüchern versteckt ist. Die verpackten Spenden werden ungeöffnet in einen großen Container geladen, den ein Textilrecycling-Unternehmen mit Sitz im oberfränkischen Creußen regelmäßig holt. Dort werden die Spenden genau sortiert.

Flusen sind Müll

Tragbare Kleidung kommt als Gebrauchtware zum Beispiel in Kleiderkammern oder Second-Hand-Läden. "Gebrauchte Frotteehandtücher", nennt Christian Ostermeier ein Beispiel, "sind von der Konsistenz her noch als Putzlappen geeignet. Manche Leute meinen es gut und geben uns ihre alten Hodern". Diese Lappen oder Stoffstücke gehören ebenso wie verschmutzte Blusen und Hemden oder Flusen aus Wäschetrocknern in die Mülltonne. Flusenknäuel haben die Helfer schon entdeckt. "Mit geflickten Arbeitshosen mit Silikon- oder Teerflecken kann auch keiner mehr was anfangen."

Die Container sind zum Teil gut gefüllt, aber nicht übervoll. "Nach Weihnachten war es mehr", weiß der Bereichsleiter. Er meint sowohl die Altkleider als auch den Abfall. Da nahm so mancher ausgediente Christbaumschmuck den Entsorgungsweg über den Altkleidercontainer. "Wir müssen jedes Wochenende alle Container leeren." Die unmittelbare Umgebung als auch das Innere der Container wird so sauber gehalten. "Das ist unser Anspruch, damit keine Spende neben den Containern steht." Aus Erfahrung heraus wissen die Ehrenamtlichen: Liegen Säcke neben den Behältern, fällt es leichter weitere, aber auch Müll dazu zu stellen.

Jeden Sonntag kommt eine ordentliche Tour zusammen, die manchmal einer alleine bewältigen muss. Neben mehreren Standorten in Oberviechtach und Neunburg werden auch Pertolzhofen, Niedermurach, Teunz, Winklarn, Wildeppenried, Pullenried und Kulz angefahren. Je nach Spendenaufkommen muss der Anhänger mehrmals am Großcontainer entladen werden. Das geschieht, bevor sich die Vier nach Neunburg aufmachen.

Feuchtigkeit schadet

Beim dortigen Freibad hat sich jemand mehrerer Klopapierrollen, die vor einem Jahr noch en masse gehortet wurden, entledigt. Aber auch Tabletten, Sonnenbrillen und sonstiger Krimskrams "bereichern das Sammelgut". Müllbeutel haben die Ehrenamtlichen immer zur Hand. Die Entsorgung geht auf ihre Kosten und schmälert den Erlös aus der Kleidersammlung. Dieser ist zweckgebunden ausschließlich für den Katastrophenschutz bestimmt. Ostermeier und Hauser grummeln beim Ausladen. Dünne Säcke, vollgestopft mit alten Jacken, Hosen oder T-Shirts, platzen auf. Die Altkleider purzeln vor dem Container auf die Straße. Die Helfer bücken sich und sammeln sie wieder auf. Bei trockenem Wetter geht das gerade noch, aber im Winter bei Matsch oder bei Regen ist das ein Problem. "Sonst kann die bestgemeinte Kleiderspende als Abfall enden", sagt Ostermeier. Sein Rat: "Stabile Säcke verwenden."

Sie schützen auch die Kleidung, die eine Woche im Container ausharren muss. Wie zum Beweis fährt am Freibad - kaum sind die Container leer - eine Frau vor und bringt neue Nahrung. Die Metallbehälter sind zwar vor Spritzwasser geschützt, aber nicht vor Feuchtigkeit. Liegen die Kleider lose da, können sie Feuchtigkeit ziehen, stocken und werden untragbar beziehungsweise unbrauchbar. Ostermeier weist bei der BayWa in Neunburg auf einen illegalen, nicht allzu stabilen Container hin. Darauf findet sich weder Prüfsiegel noch Aufsteller. Derzeit ist er wegen Corona gesperrt. Christian Ostermeier hat eine andere Vermutung. Das Sammeln und Sperren hänge mit dem Preis für Altkleider zusammen und wie gesättigt der Markt sei.

Kühlschrank ausgewaschen?

Am Friedhof in Neunburg wirft die nahende Freiluftsaison ihre Schatten voraus. Neue Gartenmöbel sind angesagt, denn alte Sitzauflagen kommen zum Vorschein. Sie sind für die Wiederverwertung wertlos. Also ab in den Müll. Ein anderer hat "wohl seinen Kühlschrank ausgewaschen", mutmaßt Ostermeier. Neben einem Ölkanister stecken in einem gut verschnürten Plastikbeutel Lebensmittelreste in Gläsern, darunter Nutella und Schattenmorellen. Also ab in den Müll. Das Leeren der Container geht schnell und routiniert von der Hand. Jeder Handgriff sitzt. Gesprochen wird wenig. Melanie Roth und Kerstin Kugler sind manche zu Säcke zu schwer, um sie im Anhänger sicher zu verstauen. Melanie Roth zeigt ein Wunschexemplar. "Das ist schön kompakt und leicht, genau das Richtige für mich." Schwupps ist der Sack im Anhänger verschwunden, der nächste bitte.

Weitere Dienste des BRK Oberviechtach

Oberviechtach

Das ging schief

Wernberg-Köblitz

Video zum Container leeren

"Sonst kann die bestgemeinte Kleiderspende als Abfall enden."

Christian Ostermeier zum sicheren Verpacken von Altkleidern

Christian Ostermeier zum sicheren Verpacken von Altkleidern

Hintergrund:

Altkleiderspende

  • Das gehört in einen Altkleidercontainer: Saubere Kleidung
    Tisch- und Bettwäsche, Federbetten und Gardinen, Socken und Unterwäsche, Hüte und Pelze sowie Schuhe, paarweise gebündelt.
  • Das gehört nicht in den Altkleidercontainer: Kleidung, die mit Farbe oder Öl verschmutzt ist, kaputte Schuhe, kaputte synthetische Kleidung, Auflagen für Gartenmöbel, Putzlappen.
  • Eine Verwertungsgesellschaft sortiert für das Rote Kreuz die gespendete Kleidung. Die wertvollen Rohstoffe werden weiterverarbeitet. So entstehen zum Beispiel Fußmatten, Autositzbezüge oder Putzlappen.
  • Anbieter im Landkreis Schwandorf: BRK, Malteser, Kolping. Nicht jeder aufgestellte Container gehört einem seriösen Sammler.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.