Schmied aus Ottengrün ist Feuer und Flamme für den perfekten Stahl

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Inspiriert durch Fernsehserien wie "Forged in Fire" und durch Beiträge in sozialen Medien ist Daniel Möller Schmied geworden. Vor einem Jahr hob er sein Hobby auf die professionelle Ebene. Schwert- und Messerklingen sind sein Ding.

Handmade Knives heißt die Firma von Daniel Moller. Er ist Schmied mit Leib und Seele.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Daniel Moller ist 30 Jahre alt und stammt aus Weiden. Seit drei Jahren lebt er mit Ehefrau Alexandra in Ottengrün, wo die Familie ein Haus gemietet hat. Im Keller hat sich Moller seine Schmiede eingerichtet. „Ich bin schon immer outdoorbegeistert, bin leidenschaftlicher Angler und Mittelalterfan. Und dafür braucht es einfach das eine oder andere hochwertige Messer.“

Von der Stange ungenügend

Alles, was es von der Stange zu kaufen gebe, habe ihn, was Funktionalität und Formgebung betreffe, nicht wirklich zufriedenstellen können. Einzige Alternative – „selber machen!“ So ziemlich alles, was es an Literatur zum Thema gibt, habe er aufgesaugt wie ein Schwamm. Zudem habe er Schmiedekurse belegt. „Anfangs habe ich einfach losgelegt, nach dem Motto ,Learning by doing‘“, erklärt Daniel Moller. Aber schnell habe er gemerkt, dass er damit sein Ziel nicht erreichen, er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden könne. Moller ist gelernter Heizungsbauer und verdient sein täglich Brot bei der Gruber Haustechnik in Pilmersreuth an der Straße. „Zudem bin ich einer der wenigen professionellen Schneidewerkzeugmechaniker“, sagt er nicht ganz ohne Stolz.

In Ottengrün gibt es auch einen jungen Hobby-Schmied:

Ottengrün bei Bad Neualbenreuth

Vor acht Jahren habe ihn die Leidenschaft gepackt, aus Stahl hochwertige und vielfältige Klingen zu schmieden. Größtenteils durch Mund-zu-Mund-Propaganda aus dem eigenen Freundeskreis und der Präsenz im Internet auf der eigenen Homepage und den sozialen Medien erreicht er heute seine Kundschaft. Es habe schon viele Anfragen gegeben, als er noch als Hobbyist unterwegs war. Vor einem Jahr meldete er ein Gewerbe an und investierte rund 2500 Euro in seine Werkstatt. Die Esse aus feuerfestem Beton hat er selbst gebaut. Gespeist wird sie mit Gas. Gegenüber Holzkohle sei diese Methode viel sauberer. Das spiele eine große Rolle, wenn Moller, wie er es bevorzugt tut, Damaststahl schmiedet. Die Methode gewährleiste auch, dass die Temperatur auf der vollen Länge der Esse identisch sei und sich perfekt steuern lasse. „Mittlerweile kann ich die Temperatur nach der Farbe des glühenden Stahls einschätzen“, sagt der leidenschaftliche Schmied.

Neue Geräte

Zwischen 750 und 1350 Grad Celsius sind die Stähle heiß, wenn er sie bearbeitet. Alle Gerätschaften, mit denen er arbeitet, sind neu. Dazu gehören der Amboss in der Mitte des Raums, eine Schmiedepresse, die Fräse, Bandschleifer und Bandsäge. Letztere findet Verwendung, wenn Moller die Griffe für seine Klingen aus Holz, Kunststoff oder aus Bein fertigt. Seine Spezialität sind „wilder“ Damast und Mosaikdamast.

Meine Erfolgsquote liegt bei 100 Prozent.

Daniel Moller

Die Damastklinge, die nach dem Schmieden aussieht wie ziseliert, entsteht durch das zusammenschmieden verschiedener Stähle. Das Grundpaket sei Nickel-Manganstahl. Unterschiedlich übereinandergelegt, entstehe immer ein anderes Muster, quasi ein neuer Stahl. Jede Klinge sei deshalb ein Einzelstück. Anders beim Mosaikdamast, wo das Stahlpaket aus verschiedenen Stählen als Mosaik geschmiedet werde. Dabei lägen die Stähle nicht direkt aufeinander, sondern würden immer um 90 Grad versetzt. Egal wie man die Klinge anschließend anschleife, erhalte man immer das gleiche Muster.

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es noch einen Spezialisten für Messer:

Da lasse sich durchaus auch mal eine kleine Serie fertigen. Mosaikdamast sei viel aufwendiger in der Fertigung als der „wilde Damast. Bei der Herstellung, man spreche da auch vom Schweißverbund-Stahl, gehe es auch darum Stähle so zu kombinieren, dass nachher die Klingen bestimmte Eigenschaften aufweisen.

Butterweich bis superscharf

Je nachdem was gewünscht ist, gehe das vom butterweichen Filetiermesser über eine superscharfe Klinge bis hin zu einer, die praktisch unzerbrechlich ist. Da sei immer ein wenig Experiment dabei. Letztendlich sei der jeweilige prozentuale Anteil der Stähle dafür ausschlaggebend.

Standardmäßig kämen zwei Stähle zum Einsatz. Man könne aber grundsätzlich so viele verwenden, wie man wolle. Bei zwei bis fünf Sorten seien optimale Ergebnisse zu erwarten. Etwa 25 Stähle halte der Großhändler vor, bei dem Moller sein Rohmaterial ordert. Darunter Manganstahl, Nickelstahl oder Wolframstahl.

Für ein Schwert aus Damaststahl benötigt er 80 bis 100 Stunden, ein Messer entsteht etwa in der Hälfte der Zeit. „Meine Erfolgsquote liegt bei 100 Prozent“, sagt der Schmied, der täglich in seiner Werkstatt anzutreffen ist, selbstbewusst.

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