06.01.2020 - 11:50 Uhr
ParksteinOberpfalz

Abschied von Traditionslokal "Bergstüberl" in Parkstein

Ab 8. Januar bleibt am Basaltkegel die Küche kalt. Die Familie Bodenmeier gibt das Lokal auf.

Anton und Elisabeth Bodenmeier (rechts) verabschieden sich als Wirte vom "Bergstüberl". Kellner Josef Silpoch hat die beiden 28 Jahre lang unterstützt. .
von Walter BeyerleinProfil

Anton und Elisabeth Bodenmeier hatten 1969 das „Bergstüberl“ übernommen, das sich im Familienbesitz befand, aber in den Vorjahren mehrfach verpachtet worden war. 50 Jahre hatten die Bodenmeiers am Basaltkegel Gastlichkeit geboten, was Einheimische und Ausflügler zu schätzen wussten.

Offiziell hat Sohn Stefan 2004 das Lokal als Pächter übernommen. Doch unabhängig davon war Anton Bodenmeier als Koch in der Küche neben Stefan tätig, Mutter Elisabeth stand hinter der Theke oder suchte das Gespräch mit den Gästen.

Für den 76-jährigen Anton geht mit der Schließung ein 60 Jahre dauernder Lebensabschnitt in der Gastronomie zu Ende. Die Gaststätte hat er von seinem Vater geerbt. 1969 hatte ihm der Senior die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder Heimkommen nach Parkstein oder Schluss mit der Wirtschaft, eine weitere Verpachtung nach vielen Enttäuschungen kam für den Vater nicht infrage. 1982 erweiterten Anton und Elisabeth Bodenmeier, die 1971 geheiratet hatten, das Wirtshaus.

Anton Bodenmeier hat den großen Wandel in seinem Metier miterlebt: Da trafen sich die Gäste einst zum Schafkopf, die Vereine hatten in der Wirtschaft ihr Domizil. "Jetzt haben die Vereine ihre eigenen Heime." Elisabeth Bodenmeier erinnert sich, dass früher von März bis Oktober jeden Samstag eine Hochzeitsfeier stattfand. „Jetzt haben die Hochzeitspaare 150 bis 200 Gäste, für die haben wir hier keinen Platz.“

Auch Familienfeiern wie runde Geburtstage, Taufen, Kommunion oder Konfirmation würden weniger. Auch gemeindliche Einrichtungen mit der Möglichkeit der Bewirtung seien schlecht fürs Geschäft. Anton Bodenmeier vermisst auch Unterstützung von politischer Seite, wenn der Biergarten des „Bergstüberls“ wegen Veranstaltungen am Basaltkegel nicht benutzbar ist.

Ingesamt aber sei allerorten ein Wirtshaussterben erkennbar.

Die jetzige Schließung des „Bergstüberls“ nennen Anton und Elisabeth Bodenmeier „vorübergehend“, auch wenn daraus kein genauer Zeitraum bekannt sei. „Wir müssen jetzt mal auf unsere Gesundheit schauen“, sagen die Wirtsleute übereinstimmend. Übernachtungen seien jedoch im "Bergstüberl" noch jederzeit möglich, selbstverständlich macht Elisabeth Bodenmeier das Frühstück für die Hausgäste.

Unzertrennbar mit dem „Bergstüberl“ ist eine weitere Person verbunden: Kellner Josef Silpoch aus Rogicany in Tschechien. Er hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt und arbeitet seit 28 Jahren im „Bergstüberl“. „Er hat am Anfang kaum zehn Worte Deutsch gesprochen“, erinnert sich Anton Bodenmeier, der aber auch die damalige Bürokratie nicht vergessen hat. Nur einige Monate durfte der Josef arbeiten, dann musste er zurück in die Heimat. Anschließend mussten immer wieder neue Anträge auf Arbeitserlaubnis gestellt werden, bis es endlich soweit war, über die Grenze hinweg arbeiten zu können. „Er ist unser Juwel“, schwärmen die Bodenmeiers von ihrem Mitarbeiter. Mit seiner höflichen und zuvorkommenden Art war Kellner Josef bei allen Gästen sehr beliebt. Er ist inzwischen 66 und geht nun ebenfalls in Rente.

Anton und Elisabeth Bodenmeier beschreiben die Personalsituation in der Gastronomie als „fast dramatisch“, weil niemand mehr am Wochenende arbeiten möchte. Die 70-Jährige stand vor vielen Jahrzehnten auch vor einer schweren Entscheidung: Sie gab Ehemann Anton und dem „Bergstüberl“ zuliebe ihren Beruf als Krankenschwester auf. Die personellen Schwierigkeiten sind mithin auch der Grund, warum eine Wiedereröffnung des „Bergstüberls“ noch nicht vorhergesagt werden kann. Sohn Josef als Pächter kennt diese Problematik auch, dazu kommt, dass das bisherige Personal gerne altersbedingt aufhören möchte.

Im Gasthof "Bergstüberl" bleibt ab 8. Januar die Küche kalt. Anton und Elisabeth Bodenmeier ziehen sich als jahrzehntelange Gastgeber im Gasthof neben der Basaltwand und der grandiosen Aussicht in den Landkreis Neustadt und in Richtung Weiden zurück.
Im Gasthof "Bergstüberl" bleibt ab 8. Januar die Küche kalt. Anton und Elisabeth Bodenmeier ziehen sich als jahrzehntelange Gastgeber im Gasthof neben der Basaltwand und der grandiosen Aussicht in den Landkreis Neustadt und in Richtung Weiden zurück.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.