20.09.2021 - 14:09 Uhr
ParksteinOberpfalz

Echte Bäume und künstlicher Rasen vertragen sich nach Meinung des SV Parkstein nicht

Der SV Parkstein möchte die Eichen zwischen Kunstrasenplatz und Kleinfeld weg haben. Der Marktgemeinderat nimmt sich zur Überlegung eine Auszeit.

Die von Eichen herabfallenden Eicheln und Äste sorgen angeblich für Unfallgefahren auf dem Kleinspielfeld links der Baumreihe und dem Kunstrasenplatz rechts der asphaltierten Straße. Der Sportverein hätte die Bäume gerne weg.
von Walter BeyerleinProfil

Der SV Parkstein wünscht sich die Fällung der Baumreihe entlang der asphaltierten Straße Am Sportplatz zwischen dem Kunstrasenspielfeld und dem oberhalb liegenden Kleinfeld. Begründet hat der Verein dies mit dem Laubwurf, den auf den Kunstrasenplatz herabfallenden Eicheln und der daraus entstehenden Unfallgefahr wegen Glätte sowie dem Astabwurf.

Sonja Reichold (Bündnis90/Die Grünen) wies im Marktgemeinderat darauf hin, dass die Bäume im Eigentum des Marktes sind. „Der Sportverein hat keinen Grund die Bäume anzufassen.“ Ihre Aussage „für den Sportverein tu ich normalerweise alles“, schränkte Reichold umgehend mit der strikten Ablehnung der Fällung der Bäume ab. „Blätter werfen ist kein Argument in der heutigen Zeit.“

Dafür hatte die Markträtin einen anderen Vergleich parat: Sie berichtete dem Gremium, wie viel Sauerstoff ein Baum von rund 20 Metern Höhe erzeugt. Reichold erinnerte an ein ähnliches Vorgehen des Sportvereins, als mächtige Birken wegen der Errichtung eines Ballfangzaunes gefällt wurden.

Heinz Rast (CSU), zugleich zweiter Vorsitzender des SV, nannte die Bäume „sehr hoch“. Seinem Argument, dass die Eichen aus Zeitgründen vom Markt nicht gepflegt werden könnten, stimmte Bürgermeister Reinhard Sollfrank zu. Johannes Kick (SPD) empfahl dafür den Einsatz des Maschinenringes. Er bat, bis zum Herbst abzuwarten und dann das Laub zusammenzukehren. Für das Umsägen gesunder Bäume zeigte Kick kein Verständnis.

Bürgermeister Sollfrank erkannte, dass derzeit die Kronen der Bäume nicht mehr zu sehen seien. Er erteilte aber einem Einsatz der Bauhofmitarbeiter eine Absage, weil diese „am Limit“ arbeiteten. Natürlich kommt auch der Eichelprozessionsspinner ins Spiel, dessen Nester beseitigt worden seien, wie der Bürgermeister erklärte. Er meinte sogar, dass das Kleinspielfeld nicht mehr bespielbar sei, weil die Wurzeln der Bäume aus dem Erdreich herausdrücken würden.

Josef Scheidler (CSU) beurteilte Bäume als „grundsätzlich schön“. Es sei unverständlich, wenn in einem Baugebiet die Anpflanzung von Bäumen gefordert werde, andererseits Parkstein aber seine eigenen Bäume beseitige. Bei vier Gegenstimmen einigte sich der Marktgemeinderat auf eine Vertagung der Entscheidung und wird sich bis zur nächsten Sitzung auch um einen Platz für eine Ersatzpflanzung bemühen.

Kommentar:

Natur fällt auf den Kunstrasen

Fußball spielt man in der Regel auf dem Rasen. Wenn ein Verein um sein Spielfeld weniger bemüht ist oder es besonders viel beansprucht wird, sprechen Spötter vom Acker, auf dem die Tore stehen. In Parkstein kommt das nicht mehr vor. Da hat der Platzwart zwar immer noch einiges zu tun, aber der Plastikrasen wächst nicht, braucht keinen Mäher, keinen Schutz gegen Maulwürfe und sieht auch sonst sehr adrett und gleichmäßig künstlich aus. Kunstrasen eben.

Dass jetzt die Natur ihrem künstlichen Gegenüber selbst auf die Pelle rückt, ist schon arg böse von Busch, Tier und Baum. Ja, gegen den wirklich gefährlichen Eichenprozessionsspinner muss man etwas tun. Aber gegen eine ganze, an dieser Stelle auch noch sehr markante Baumreihe, mit Axt und Motorsäge oder gar Harvester vorzugehen, erscheint wie ein aus der Zeit gefallener Gedanke. Was haben sie denn schlimmes getan, die Bäume? Sie wurzeln, lassen Blätter und Eicheln zu Boden fallen. Das ist ihr gutes Recht angesichts dessen, was sie zur Verbesserung von Luft und Klima beitragen. Das sollte sich mittlerweile bis an den von Industriebauten immer mehr umgürteten Vulkankegel herumgesprochen haben. Wenn nicht, könnte es sein, dass ein paar Friday-for-Future-Kids sich buchstäblich vor die Eichen stellen.

Uwe Ibl

Witron wächst unentwegt weiter

Parkstein

 

 

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