04.09.2021 - 18:49 Uhr
ParksteinOberpfalz

Finanzminister: Witron ein Vorbild für ganz Bayern

Witron erntet riesiges Lob für das neue „Kraftzentrum“ in Parkstein. Die Investition von fast 200 Millionen Euro in das Werk II bedeutet aber noch lange nicht den Schlusspunkt.

Aus Gründen des Lärmschutzes werden die Anlagen in den kommenden Wochen noch "eingehaust".
von Clemens FüttererProfil

Firmengründer Walter Winkler bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung die Planungen für ein neues Witron Fertigteilelager. Derzeit muss der internationale Marktführer in der Lebensmittellogistik diverse Flächen – verstreut über Deutschland – dafür anmieten.

Der wichtigste Schritt für die Bündelung der gesamten Fertigungstiefe erfolgte mit der Verdoppelung des Firmenareals auf 22 Hektar in Parkstein. Bei der Einweihung von Werk II Nord am Freitagvormittag strahlte die Begeisterung der Ehrengäste mit dem traumhaften Spätsommertag um die Wette. Staatsminister Albert Füracker schwärmte von einem „leuchtenden Vorbild für ganz Bayern“ und einem „Mehrwert für die Oberpfalz“: „Walter Winkler und seine Ehefrau Hildegard können stolz auf ihr Lebenswerk sein.“ Witron sei kein „Hidden Champion“ mehr, sondern ein realer. Kein Wunder, dass Parkstein als eine der steuerstärksten Kommunen in ganz Bayern gilt. Das erfreute den Finanzminister sichtlich.

Die augenzwinkernde „Eingemeindung“ von Marktredwitz (wo Witron aktuell für Edeka baut) in die Oberpfalz sorgte für Schmunzeln: Von Eric Frenzel, dem „Dominator“ in der nordischen Kombination, bis hin zu Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger, von Regierungspräsident Axel Bartelt bis hin zu Landrat Andreas Meier, der in dem auf Granit gebauten neuen Werk nicht weniger als ein „Symbol für die Standhaftigkeit“ erkannte. „Der Landkreis Neustadt ist wieder ein attraktiver Wirtschaftsstandort.“ Da hörte Weidens Zweiter Bürgermeister Lothar Höher aufmerksam hin.

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"Natürliche Intelligenz"

Herzliche Empathie sprach aus den Worten des verantwortlichen Geschäftsführers von Witron, Helmut Prieschenk (CEO), für das Ehepaar Winkler. Vor genau 50 Jahren starteten Hildegard und Walter Winkler mit einem Lehrling, heute zählt Witron annähernd 5000 Beschäftigte aus 50 Nationen. Witron sorgt über riesige Verteilzentren wie Spar, Edeka oder Walmart täglich für die Lieferung von Lebensmitteln für mehr als 100 Millionen Menschen, rechnete Prieschenk vor. Dabei sei das Ehepaar Winkler immer am Boden geblieben und nicht jedem Trend hinterher gelaufen. So gelte bei Witron der Faktor „NI“ – Natürliche Intelligenz – statt der KI. Der CEO sprach von „gelebter Kultur, auf der Basis von Tradition den Fortschritt zu gestalten“. Prieschenk erinnerte daran, dass Walter Winkler mit der von ihm entwickelten OPM-Technologie (wir berichteten) die gesamte Food-Logistik revolutionierte.

Unterlegt mit einem Film, führte Walter Winkler die phänomenale Innovationskraft von Witron vor Augen. Ehefrau Hildegard designte und gestaltete die Bauten wie den Logistikhof. Der 83-jährige Firmengründer stuft sich selber als „ungeduldigen Antriebsmotor“ ein. Seine philosophisch anmutenden Einsichten bewirkten Nachdenken und Heiterkeit: Immer im Leben glaubwürdig sein; alles in der Balance halten; nie ja sagen, wenn nein gemeint ist. „Eine Firma darf nicht austauschbar sein, nur dann ist sie dauerhaft erfolgreich.“ Winkler ließ keinen Zweifel daran, dass bei aller Inspiration auch harte Arbeit vonnöten sei. Für das fest im Glauben verwurzelte Ehepaar Winkler stellte die kirchliche Segnung ein persönliches Anliegen dar. Die rechten Worte fanden dafür der ehemalige Regionaldekan, Gerhard Pausch, und der Parksteiner Pfarrer Pennoraj Tharmakkan.

Gewaltige Dimensionen

Angesichts von über drei Jahren Auftragsvorlauf bezeichnete Walter Winkler die Erweiterung als unabdingbar. Die Erhöhung der Fertigungskapazitäten um den Faktor 2 bis 2,5 erlaubt Witron ein ebenso schnelles wie flexibles Reagieren auf die Marktsituation. Winkler geht von mindestens 1800 neuen Arbeitsplätzen aus: in der gesamten industriellen Bandbreite. Allein die Fläche für die Fertigung von Fördertechnik sowie die Galvanik umfasst 87 000 Quadratmeter. Für die Produktion von Schaltschränken sind weitere 12 000 Quadratmeter vorgesehen. Das neue Werk weist eine Lagerkapazität für 10 500 Paletten auf. Das automatische Kleinteilelager ist für 23 750 Behälter ausgelegt. Die maximale Höhe der Bebauung beträgt elf Meter; aus Gründen der Flächenoptimierung erfolgt die Lagerung weitgehend unter Bodenniveau. Bestimmte Schneidegeräte und Roboteranlagen sind aus Schallschutzgründen zudem gekapselt.

„Heute schaute Oberbayern neidvoll auf die Oberpfalz. Dies war der interessanteste Firmenbesuch in meinen acht Jahren Amtszeit als Regierungspräsident“, fasste Axel Bartelt, ein gebürtiger Oberbayer, seine Eindrücke bei Witron zusammen.

Aufträge aus aller Welt lassen Witron wachsen

Parkstein
Info:

Witron in Zahlen

  • Gegründet: 1971
  • Inhaber: Stiftungsmodell
  • Beschäftigte: 4800
  • Umsatz: fast 1 Milliarde Euro
  • Investitionen: knapp 200 Millionen Euro

 

 

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