05.11.2021 - 16:02 Uhr
ParksteinOberpfalz

Das Sparschwein hat ausgedient: Vieles spricht derzeit für die Aktie

Energie und Lebensmittel werden teuerer, die Inflation nagt am Ersparten. Auf welche Werte man jetzt setzen sollte und was die Bewältigung der Klimakrise damit zu tun hat, weiß der Parksteiner Börsenexperte Robert Beer.

Wer traditionell spart, hat derzeit keine Chance auf Gewinne. Anleger sollten auf Aktien und Sachwerte setzen, rät Börsenexperte Robert Beer.
von Autor BEEProfil

Seit 2011 bekleidet Jens Weidmann das Amt des Präsidenten der Deutschen Bundesbank. Seit dieser Zeit gilt er als Mahner, der den Staatsanleihekäufen der Notenbanken und den Defiziten der Staatshaushalte kritisch gegenüberstand und eine klare Trennung von Geld- und Fiskalpolitik forderte. Die Entwicklung in seiner Amtszeit bleiben dagegen ernüchternd: Extrem niedrige Zinsen und massiv aufgekaufte Staatsanleihen. Ein Ausstieg aus dieser Politik ist zudem nicht in Sicht. Eher im Gegenteil: Geld- und Fiskalpolitik gehen immer mehr Hand in Hand. Für Weidmann Grund genug, sein Amt zum Jahresende niederzulegen.

Im EZB-Rat hatte er mit seiner stabilitätsorientierten Haltung ohnehin zuletzt eine deutliche Mehrheit gegen sich. Auch viele unabhängige Ökonomen haben diese kritische Haltung in den vergangenen Jahren abgelegt. Die genannten Maßnahmen haben eben nicht zu der befürchteten Inflationsspirale geführt.

Inzwischen gehen die Überlegungen weiter: So steht eine Anhebung des Maastricht-Werts für die Staatsverschuldung von 60 Prozent auf 100 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung im Raum. Schließlich sei die Schuldentragfähigkeit aufgrund der niedrigeren Zinsen aktuell deutlich besser als in den 90er Jahren.

Umbau der Wirtschaft

Neben der Geldwertstabilität wurde in den vergangenen Jahren die Stützung der Wirtschaft immer mehr zum zentralen Baustein der Notenbankpolitik. Ein weiterer Aspekt wird sich anschließen: Die Bewältigung der Klimakrise und der damit verbundene Umbau der Wirtschaft. So fordert der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V (DIW), Marcel Fratzscher, auch unkonventionelle Maßnahmen: Die neue Regierung solle 2022 eine halbe Billion neue Schulden aufnehmen, um die Klimawende der nächsten Jahre zu finanzieren und ab 2023 dennoch die Schuldenbremse einzuhalten. Finanziert durch die Notenbanken.

Für die Wirtschaft und die Unternehmen wäre dies ein willkommener und positiver Ausblick für die kommenden Jahre. Durch die planbaren Ausgaben würden sich schließlich viele Geschäftschancen ergeben, der Umbau weg von einer CO2-intensiven zu einer emissionsfreien Wirtschaft würde durch Anreize und Zuschüsse großteils vom Staat finanziert und lässt sich von einem starken Heimatmarkt aus auch weltweit zu Geld machen. Ein kreditfinanzierter Impuls also, der die Wirtschaft auf das nächste Level hieven und die kommenden Jahre positiv beeinflussen kann, so die Überlegung.

Für den Staat wäre die Rechnung ebenfalls positiv: Schließlich kann er sich die Mittel für diesen proaktiven Impuls aufgrund des aktuellen Zinsniveaus zu "Null" leihen. Dies würde definitiv billiger kommen als in 10 oder 20 Jahren auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren. Und auch das Argument der Generationengerechtigkeit, also der nachfolgenden Generation die Schuldenlast zu vererben, würde so relativiert. Also durchwegs positive Aspekte, die für kreditfinanzierte Klima-Impulse sprechen.

Soziale Spannungen drohen

Dennoch gilt es, die Risiken im Blick zu behalten, die mit einer solchen Politik verbunden sind. So ist die einerseits gefürchtete, anderseits herbeigesehnte Inflation zuletzt kräftig angestiegen. Lieferketten-Probleme, gestiegene Rohstoff- und Energiepreise sowie verteuerte Lebensmittel bereiten Sorgen. Die Schwächsten der Gesellschaft, also Geringverdiener und Rentner, leiden am stärksten unter der Entwicklung. Soziale Spannungen drohen zuzunehmen. Auch Sparer sind betroffen. Denn die Inflation nagt am Ersparten. Der Kaufkraftverlust zehrt schleichend aber beständig, man merkt es kaum.

Sachwerte bleiben vor diesem Hintergrund als Renditequelle und zum Inflationsausgleich erste Wahl. Während jedoch die Immobilienpreise bereits stark gestiegen sind, bleiben die Aussichten für Aktien vor den genannten Wirtschaftsprojekten sehr positiv. Viele Unternehmen verdienen prächtig.

Daher spricht für die kommenden Jahre vieles für die Aktie als Geldanlage. Da andererseits etliche Themen - wie Inflation, Immobilienkrise China, Rohstoff- und Energiekrise - immer wieder zu teils heftigen Korrekturen führen können, sollten Investoren über einen längeren Anlagehorizont verfügen und Investments mit aktivem Risikomanagement in ihre Überlegungen aufnehmen.

Börsenexperte Robert Beer über den Fall Evergrande

Parkstein
Hintergrund:

Zur Person: Robert Beer

  • Robert Beer ist Fondsmanager und Inhaber der Robert Beer Investment GmbH in Parkstein.
  • Als Buchautor befasst er sich zudem seit den 1980er-Jahren mit der Wirtschaft und den Kapitalmärkten.

 

 

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