19.02.2021 - 17:05 Uhr
PechbrunnOberpfalz

Rathaus Pechbrunn: Einbrecher klopft Bürgermedaillen platt

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Ein Ermittler schildert vor dem Landgericht Hof, wie die Einbruchsserie in Rathäuser und Landratsämter schnell aufgeklärt wurde. Eine wichtige Rolle spielte ein Funkgerät.

Diese Goldmedaillen hatte das Einbrecherduo aus dem Rathaus Pechbrunn gestohlen. Einer der Einbrecher hatte sie platt geklopft.
von Externer BeitragProfil

Von Joachim Dankbar

Wenn die Gemeinde Pechbrunn im Landkreis Tirschenreuth einem der ihrigen die goldene Bürgermedaille verleiht, dann ist das weit mehr eine Geste. Allein der Materialwert der Medaille beträgt rund 2000 Euro. Zu erfahren war dies nun ausgerechnet im Schwurgerichtssaal des Hofer Landgerichts.

Dort wird gegen zwei aus Rumänien stammende Männer ermittelt, denen zahlreiche Einbrüche in Landratsämter und Rathäuser in Nordbayern und Sachsen vorgeworfen wurden. Die drei Goldmedaillen stammten aus einem Einbruch, der sich in der Nacht zum 7. Juni vorigen Jahres im Pechbrunner Rathaus ereignete. Der 43-jährige Daniel T. hatte sie bei sich, als er am 30. Juni auf dem Coburger Bahnhof festgenommen wurde.

Unterwegs zum Hehler

Was der Pflegehelfer nicht wusste: Schon seit Wochen war er im Blickfeld der oberfränkischen Kriminalpolizei gewesen. Beim Überwachen seines Telefons hatten die Fahnder mitgehört, wie T. zunächst in seinem Heimatland Rumänien nach einem Hehler suchte, der im ihm die Goldstücke abnahm. Als er festgenommen wurde, war er gerade auf dem Weg nach Polen, um die Beute zu versetzen. Zuvor hatte er die Münzen mit Hunderten von Hammerschlägen platt geschlagen, doch die Widmungen aus Pechbrunn waren immer noch zu lesen. Am Tag darauf nahm die Kripo seinen Komplizen Mihai T. auf dem Parkplatz eines Supermarkt am gemeinsamen Wohnort der Männer, dem thüringischen Steinach fest. Von dort waren sie monatelang am Feierabend aufgebrochen, um die Rathäuser und Landratsämter, aber auch Tankstellen und Firmengebäude aufzubrechen.

Ihre Spur hatte die Hofer Kripo schon im März 2020 aufgenommen, nachdem sie in dichter Folge in die Landratsämter Wunsiedel und Hof eingestiegen waren. Sie plünderten nicht nur die Kassenautomaten der Kfz-Zulassungsstellen und erbeuteten fast 25.000 Euro, sondern hinterließen auch Sachschaden in sechsstelliger Höhe.

Mobilfunkdaten ein Beweis

Bei einer Auswertung der Mobilfunkstellen an den Tatorten stellte sich heraus, dass zur Tatzeit immer ein bestimmtes Handy vor Ort war. Es war auf Daniel T. angemeldet. Der nächste grobe Fehler unterlief den beiden Tätern, als sie am 10. Mai in das Landratsamt Roth einstiegen. Dort scheiterten sie zwar am Kassenautomaten, nahmen aber ein digitales Funkgerät des Katastrophenschutzes mit. Sie hätten es besser ausschalten sollen. So aber gab das Funkgerät erst am Wohnort der Einbrecher in Steinach sein letztes ortbares Lebenszeichen von sich.

Als deutlich wurde, dass umfangreiche Überwachungsmaßnahmen und Auswertungen erforderlich wurden, übernahm die dafür besonders ausgerüstete Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben (KPI/Z) den Fall. Ausführlich schilderte einer der dortigen Ermittler dem Gericht nun, wie sich in dem Einbruchsserie Steinchen auf Steinchen fügte. So bot ein Bekannter der Täter in Rumänien etliche nagelneue Stihl-Kettensägen an, die aus einem Einbruch in Bad Königshofen stammten. Eine weitere Handynummer führte zu zwei Einbrüchen in das Landratsamt im sächsischen Freital.

An nahezu allen Einbruchsorten hatten die beiden Männer Spuren ihrer DNA hinterlassen. Und in der Wohnung von Mihai T. fand sich neben anderem Diebessgut auch ein Stethoskop. Es stammte aus der Arztpraxis im Pechbrunner Rathaus. Die silbernen Bürgermedaillen hatten die Täter liegen lassen. Der Prozess wird im März fortgesetzt.

Der erste Prozesstag: Goldmünzen-Diebe vor Gericht

Hof an der Saale
Hintergrund:

Einbruch im Rathaus Pechbrunn

  • Ein Einbrecherduo steigt am ersten Juni-Wochenende 2020 über ein Fenster in eine Arztpraxis (Erdgeschoss) und das Pechbrunner Rathaus (Obergeschoss) ein.
  • Beute: Im Amtszimmer des Bürgermeisters stehlen die Einbrecher drei Goldmünzen (eine Bürger- und zwei Ehrenbürgermedaillen). Die Münzen sind in einem abgeschlossenen schweren Stahlschrank und darin in einem Schließfach gelagert. Zudem nehmen die Täter die Spendenbox für die Grünabfall-Annahme und das Wechselgeld für den Müllsackverkauf mit.
  • Die Kripo Oberfranken gibt im September 2020 bekannt, dass sie das Einbrecherduo dingfest gemacht hat. Einer der Täter hat auch die drei Goldmünzen bei sich.

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