30.05.2021 - 11:34 Uhr
Pfaben bei ErbendorfOberpfalz

Nach Verkauf an Ziegler-Group: Steinwaldhaus vor neuer Ära

Das Steinwaldhaus hat mit der Ziegler-Group einen neuen Besitzer. Damit beginnt für das Hotel eine neue Ära. Ein Blick zurück auf berühmte Gäste, den Bau des Drehlokals und auf eine Zeit, als sich die Bundeswehr einquartierte.

Das Gelände des Steinwaldhauses in Pfaben bei Erbendorf hat eine Gesamtfläche von 22.769 Quadratmetern. Es bietet 64 Hotelzimmer und 31 Ferienwohnungen.
von Roland WellenhöferProfil

Das Hotel Steinwaldhaus in Pfaben bei Erbendorf war seit 1973 im Besitz der Familie Götzl. Nun hat sie es an die Ziegler-Group verkauft. Das Unternehmen aus Plößberg verkündete dies am Freitag auf seiner Facebook-Seite. Dort betonte Geschäftsführer Andreas Sandner, dass alle Arbeitskräfte weiterhin beschäftigt bleiben.

Konkrete Pläne für die Neugestaltung würden derzeit erarbeitet. "Es soll ein modernes Konzept entstehen, das Einheimische und Touristen gleichermaßen anspricht", schreibt das Unternehmen. Im Fokus stehe der Ausbau des Wellness- und Freizeitbereiches sowie ein Gastronomieangebot, das sich auf regionale Spezialitäten konzentriert. "Damit soll das Steinwaldhaus in neuem Glanz erstrahlen und zu einem Anziehungspunkt in der Region werden." Das Hotel hat schon eine bewegte Geschichte hinter sich.

Militärischer Sicherheitsbereich

Eingeweiht wurde das Steinwaldhaus 1959. Es galt schon für die damalige Zeit als das modernste Hotel der Region. Doch die Besitzer, ein Kuratorium aus dem damaligen Landkreis Neustadt/WN, der Stadt Erbendorf und dem Heimatpflegeverein Erbendorf konnten sich nicht allzu lange daran erfreuen. Es gab unvorhersehbare Probleme, die schließlich dazu zwangen, die gastronomische Nutzung zu beenden. Das Haus wurde an die Bundeswehr verpachtet.

Die Truppe nutzte das Haus von da an für Spezialausbildungen. Das gesamte Gelände wurde sogar zum militärischen Sicherheitsbereich. 1973 kaufte der Erbendorfer Maschinenbaumeister Gustl Götzl das Haus und renovierte es zunächst von Grund auf. Der gastronomische Betrieb wurde verpachtet.

Touristisches Leuchtturmprojekt

Bei der ersten großen Erweiterung 1977 wurde die Bettenkapazität auf 54 erhöht und ein neuer großer Gastraum entstand. Im Untergeschoß kam ein Hallenschwimmbad hinzu. Doch noch vor der Wiedereröffnung schmiss der Pächter völlig überraschend das Handtuch. Die Götzls standen von heute auf morgen ohne Betreiber da. Kurzerhand übernahm die Familie selbst den Betrieb der Gaststätte und des Hotels.

„Wir mussten ins kalte Wasser springen und in einer für uns völlig neuen Branche Fuß fassen“, erinnert sich Werner Götzl. Doch die ursprüngliche Notlösung entpuppte sich bald schon als ein Glücksgriff. Mit viel Herzblut und hohem persönlichen Engagement entwickelten die Götzls das Steinwaldhaus zu dem touristischen Leuchtturmprojekt der Region. Um der steigenden Nachfrage Rechnung zu tragen, wurde mit einem Erweiterungsbau 1982 die Bettenzahl auf 100 erhöht. Auch die Gasträume sowie die Küche wurden vergrößert und unterirdisch entstand eine moderne Kegelbahn.

„Wir mussten ins kalte Wasser springen und in einer für uns völlig neuen Branche Fuß fassen.“

Werner Götzl, Geschäftsführer des Steinwaldhauses, mit Blick auf die Anfangszeiten

Damit waren die Expansionspläne noch lange nicht beendet. In den Jahren 1986/87 wurde das Appartementhaus mit 31 Ferienwohnungen gebaut. Im darauffolgenden Jahr wurde, nach einer Rekordbauzeit von nur vier Monaten, ein weiteres Highlight, das Drehlokal eingeweiht. Diese Attraktion ist bis heute einmalig in der weiten Umgebung und eine „Runde auf der Drehscheibe“ war seitdem für unzählige Gäste ein besonderes Erlebnis.

Der vorläufige Schlusspunkt der Erweiterungen war schließlich der Bau der markanten Eingangshalle mit dem großem Wandbrunnen und dem im Fußboden verlaufenden Bauchlauf. Einen großen Wunsch erfüllten sich die Götzls mit dem neuen großzügigen Frühstücksraum. Bei allen Baumaßnahmen war in Stil und handwerklicher Ausführung immer die persönliche Handschrift der Besitzerfamilie erkennbar. Regionaltypische Baustoffe wie Holz und Granit kamen zur Ausführung.

Beliebt bei Hochzeitspaaren

Das Steinwaldhaus galt über Jahre als gastronomischer Vorzeigebetrieb. Unermüdlicher Motor war Geschäftsführer Werner Götzl, der mit neuen unkonventionellen Marketingideen die Urlaubsregion Steinwald weit über die Region hinaus bekannt machte. Busgruppen aus ganz Deutschland reisten oft und gerne an. Dazu gesellten sich viele Stammgäste und Geschäftsreisende. Als 1997 der Fernsehfilm Krambambuli im Naturpark Steinwald gedreht wurde, war das Produktionsbüro und ein Teil der Filmcrew im Steinwaldhaus untergebracht. Auch die Schauspieler Tobias Moretti, Gabriel Barylli und Christine Neubauer logierten dort. Beliebt war das Steinwaldhaus auch bei zahllosen Paaren als Hochzeitslocation. Viele Einheimische erinnern sich an die stimmungsvollen Veranstaltungen und wiederkehrenden Themenabende.

Aus den zahlreichen Krisen der Gastronomie ist das Steinwaldhaus stets gestärkt hervorgegangen. Mit der Öffnung der Grenze zur DDR war das vereinte Deutschland im Freudentaumel. Auf einen Schlag blieb damit aber für die gesamte Nordbayerische Region das Hauptklientel weg. Die Berliner, die bis dato zu den Stammgästen gehörten, hatten plötzlich andere attraktive Urlaubsdestinationen direkt vor der Haustüre. Doch Werner Götzl verstand es schnell, andere Gästegruppen für die Region zu gewinnen.

Kein normaler Abschied

Nicht ohne Einbußen verlief für die regionale Gastronomie auch das bayernweite Vorpreschen bei der Einführung des Rauchverbots. Ein Tiefschlag für die Hotelbetreiber sei auch das Engagement der Stadt Erbendorf im Gastrobereich gewesen. Doch letztendlich sei auch diese Konkurrenz ohne Probleme weggesteckt worden. Und schließlich habe man auch die Corona-Krise gesund überstanden.

Werner Götzl ist sich sicher, dass das Steinwaldhaus auch weiterhin ein gastronomischer Mittelpunkt der Region bleiben und sich im touristischen Wettbewerb behaupten wird. Mit dem Verkauf an die Ziegler-Group ist ihm einerseits ein großer Stein vom Herzen gefallen. „Auf der anderen Seite sind wir alle sehr traurig, weil wir uns von unseren treuen Stammgästen, Lieferanten und Geschäftspartnern nicht verabschieden konnten.“ Die Corona-Pandemie verhinderte dies. Durch den Kauf des Steinwaldhauses hat die Ziegler-Group seine Gastronomie- und Hotelsparte neben dem "Holzfellas" in Wiesau und dem "Devils Diner" im Weidener Eisstadion, das bald öffnen soll, um ein drittes Objekt erweitert.

Für Aufsehen sorgte vor einigen Tagen das Aus für ein anderes Projekt der Ziegler-Group in Bärnau

Bärnau
Hintergrund:

Daten zum Hotel und Restaurant Steinwaldhaus

  • Seit 1973 im Besitz der Familie Götzl
  • Gesamtfläche: 22.769 Quadratmeter
  • 64 Hotelzimmer, 31 Ferienwohnungen
  • Restaurantbereich mit einem Drehlokal

 

 

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