22.11.2020 - 09:46 Uhr
PfreimdOberpfalz

21-jähriger Pfreimder startet durch im Westernreiten

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Ein schneller Galopp, dann ein abrupter Stopp: Im Westernreiten hat Max Manner aus Pfreimd mit solchen Manövern den perfekten Sport gefunden – und in seiner ersten Saison gleich kräftig abgesahnt.

Gleich in seiner ersten Turniersaison schafft es Max Manner mit "Angel" bei der Prüfung für Einsteiger in der Disziplin "Reigning" auf den ersten Platz.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Coronavirus hat selbst einsamen Reitern die Saison vermiest, zumindest wenn sie bei Turnieren antreten wollten. Doch die Indian Summer Show in Kreuth (Landkreis Amberg-Sulzbach) konnte stattfinden. Nur die eingeschworenen Pferdeliebhaber waren Zeuge, als hier ein Pfreimder Nachwuchstalent im Westernreiten seinen ersten großen Erfolg verbuchte. In einer Einsteiger-Prüfung in der Westernreiten-Disziplin "Reining" schaffte der 21-jährige Max Manner unter etwa 40 Teilnehmern den ersten Platz.

"Im Sattel saß ich schon, bevor ich laufen konnte", sagt der junge Mann, der in Weiden Handels- und Dienstleistungsmanagement studiert. Diese "Reitstunden" mit dem Papa sind schon lange vorbei. Inzwischen verbringt der Sohn so gut wie jede freie Minute mit Pferden und hat sich dabei einen Reitstil auserwählt, der so gar nichts mit einem gemütlichen Ausritt in der Freizeit zu tun hat. Max Manner trainiert Westernreiten, genauer gesagt "Reining", eine spezielle Disziplin, bei der Pferd und Reiter ganz schön ins Schwitzen kommen.

Manöver im Sand

Reining: Das bedeutet Galopp, aber auch plötzliche Stopps, Sich-im Kreis-Drehen und Richtungswechsel. Wer als Laie so ein Programm verfolgt, sieht vor allem, wie viel Sand da aufgewirbelt wird, wenn der 21-Jährige auf Quarter Horse "JCD Okies Angel" abbremst. Das würde Manners bejahrtes Pferd "Bobby" nicht mehr schaffen, und es hätte auch nicht die richtige Figur für solche Manöver. "Angel" ist nur ausgeliehen, Besitzer Wolfgang Hümmer hat genug Vertrauen in den jungen Reiter – und der jüngste Erfolg, der Sieg bei einem Einsteigerturnier in Kreuth, gibt ihm Recht.

Max Manner hat dafür auch eisern trainiert, meistens in Parkstein, wo "Angel" wohnt, der Boden passt und Trainerin Jana Tecza ihm beibringt, wie man für das ungeübte Auge fast unsichtbar mit den Beinen vorgibt, was das Pferd machen soll. Wie bei einem guter Tänzer reichen minimale Impulse, um die Partnerin zu Pirouetten zu verführen. "Mich fasziniert dieses Zusammenspiel von Mensch und Pferd", schwärmt der junge Reiter. Doch nie hätte er sich erträumt, in seiner ersten Turnier-Saison nach nur einem Jahr mit "Angel" gleich einen Sieg einzufahren beim Einsteiger-Reining des VWB (Vereinigung der Westernreiter in Bayern).

Leistungssportler auf vier Beinen

Wo ein Tänzer Anzug trägt, stimmt der Westernreiter Hemd, Pferdedecke und Beinschutz farblich aufeinander ab, und natürlich darf auch ein breitkrempiger Cowboy-Hut nicht fehlen. Der wird für den großen Auftritt mit Haarspray und Klebeband auf der Stirn fixiert, damit er bei hohem Tempo nicht davonfliegt. Doch der 21-jährige Newcomer weiß auch, dass der Erfolg von ganz anderen Faktoren abhängt. Er merkt, wann der tierische Hochleistungssportler ermattet, sieht zu, dass er Auszeiten bekommt und Spaß hat, wenn es zur Abwechslung ins Gelände geht, und er fühlt sich auch verantwortlich dafür, dass "Angel" bei all dem Training psychisch fit bleibt.

"Das ist wirklich Sport, mit Reiten in der Freizeit nicht zu vergleichen", schildert der 21-Jährige aus Pfreimd die Anforderungen. Wer da wohl mehr schwitzt, Reiter oder Pferd? "Das ist ziemlich ausgeglichen", meint er. So durchschnittlich auf zehn Stunden im Sattel kommt er pro Woche, da ist die Zeit für Pflege und Stallarbeit noch nicht mitgezählt. "Da machst du nichts Anderes mehr bei diesem Hobby", räumt der junge Mann ein. Klar gehören auch Ehrgeiz und Geduld dazu, noch viel mehr aber die Freude. "Ich sehe ein Pferd nicht als Sportgerät, sondern als einen Freizeit-Partner, mit dem ich Spaß habe", so der Pferdefan. Wenn es ernst wird im Wettkampf, dann spüre die Stute das aber auch. "Angel lässt dich nicht nicht hängen", davon ist Max Manner überzeugt, nachdem sie ihm die Blaue Schleife plus Pokal und Preisgeld eingebracht hat. Letzteres hat er gleich in ein Essen mit seiner Trainerin investiert – und in Pferdefutter.

Etwas größer ist die Investition, mit der der junge Mann in seine Zukunft im Westernreiten starten will: sein eigenes Quarter Horse namens "Buck". Momentan noch zu jung, wartet es in einem Stall in Rohrbach auf eine glänzende Karriere mit dem vielversprechenden Talent aus Pfreimd. Vor dem großen Auftritt liegen aber noch viele Wochen Ausbildung, erst für 2022 rechnet Max Manner mit der ersten Turniersaison auf dem eigenen Pferd: "Ich bin auf jeden Fall voll motiviert."

"Ich sehe ein Pferd nicht als Sportgerät, sondern als einen Freizeit-Partner, mit dem ich Spaß habe."

Max Manner

Max Manner

Hintergrund:

Eine Sportart, viele Varianten

  • Geschichte: Das Westernreiten hat seinen Ursprung in Amerika, wo Cowboys oft den ganzen Tag im Sattel sitzen. Das erfordert ausdauernde Pferde, die möglichst zuverlässig auf die Hinweise des Reiters reagieren sollen. Die Zügel spielen dabei keine so große Rolle: Im Westernreiten ist man einhändig unterwegs, denn Cowboys brauchen schließlich eine Hand für ihr Lasso.
  • Rassen: Westernpferde sind speziell für die Anforderungen gezüchtet und nicht besonders groß (maximal 1,60 Meter). Quarter Horses, Paint Horses oder Appaloosas sind bekannte Rassen, aber auch andere Pferde oder Ponys können entsprechend ausgebildet werden. So gelten beispielsweise Haflinger als „Alpenquarter“.
  • Disziplinen: Reining (von reins; Zügel) gilt aktuell als populärste Disziplin in Europa. Sie ist geprägt durch Galopp, Tempowechsel, Drehungen (Spins), Stopps (Sliding Stop) und Rückwärtsrichten (Back up). Die Pferde benötigen dazu spezielle Hufeisen (Sliding-Eisen), auch ein entsprechender Boden ist erforderlich. Reining ist seit dem Jahr 2000 offiziell als Disziplin der Dachorganisation Fédération Équestre Internationale (FEI) anerkannt und Bestandteil der Weltreiterspiele. Es gibt aber zahlreiche weitere Disziplinen wie Trail, Western Horsemanship oder Cutting.

Aus Mitterteich nach Oklahoma City

Mitterteich
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