13.12.2020 - 14:34 Uhr
PfreimdOberpfalz

40 infizierte Altenheim-Bewohner in Pfreimd: Personal an der Grenze der Belastbarkeit

Schlagartig hat sich das Coronavirus im Pfreimder St.-Johannis-Stift ausgebreitet: 40 infizierte Bewohner, 16 betroffene Mitarbeiter. "Wir hatten keine Chance", sagt Stiftungsverwalter Norbert Auer.

Lange hatte das Coronavirus das Pfreimder Seniorenheim verschont, jetzt haben sich in nur wenigen Tagen 40 Bewohner und 16 Mitarbeiter infiziert.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Es hat uns wirklich heftig erwischt", sagt Bürgermeister Richard Tischer mit Blick auf die aktuellen Meldungen aus dem Pfreimder Altenheim St.-Johannis-Stift mit seinen insgesamt 55 Plätzen. Am Samstag wurde bekannt, dass dort 40 Bewohner und 16 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurden. "Wir haben uns eine lange Zeit mit höchsten Sicherheitsmaßnahmen gewehrt, aber uns war auch klar, dass wir hier nicht auf der Insel der Seligen sind", so der Bürgermeister.

Für Stiftungsverwalter Norbert Auer kam der Corona-Ausbruch dennoch überraschend, gerade weil man sehr vorsichtig agiert habe. "Wir haben alles gemacht, was möglich war", stellt er klar. Jeden Tag habe das Personal Fieber gemessen, schon bei 37,5 Grad habe man einen Schnelltest gemacht. "Trotzdem hatten wir keine Chance", bedauert Auer, der selbst die Test vornehmen konnte, da er über eine ärztliche Zusatzausbildung verfügt. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht".

Daran zweifelt man auch beim Landratsamt nicht. Der Fall sei nicht vergleichbar mit den Zuständen im der Burglengenfelder Seniorenresidenz, hieß es am Samstag in einer Pressemitteilung des Landratsamts. Dort musste kurzfristig ein Regensburger Pflegedienst einspringen, nachdem der Träger wegen erkrankter Mitarbeiter die Pflege in einem Bereich nicht mehr stemmen konnte. Schlagartig, "von heute auf morgen" habe sich die Infektion in Pfreimd ausgebreitet, schildert Auer seine Erfahrungen mit dem Virus. Jeden Tag seien neue Meldungen von positiv getesteten Bewohnern eingetroffen. "Wer am Dienstag noch negativ war, war dann am Freitag positiv." Inzwischen liegen zwar noch nicht alle ausstehenden Befunde der Reihentestung vor, beim Landratsamt geht man aber davon aus, dass weitere Ergebnisse negativ sind, da positive auch am Wochenende bevorzugt übermittelt werden.

Aktuell werden nun in Kooperation mit dem Gesundheitsamt Notfallpläne geschmiedet. "An eine Evakuierung denken wir nicht", stellt der Stiftungsverwalter klar. Man werde sich nun auf die Grundpflege konzentrieren und in Zwölf-Stunden-Schichten arbeiten. Was das bedeutet, weiß auch Bürgermeister Tischler: "Das Personal arbeitet an der Grenze der Belastbarkeit." Und auch für die Bewohner, die überwiegend nicht sehr schwer erkrankt sind, sei der Einschnitt hart. "Das ist fürchterlich, im Prinzip wie Einzelhaft", bedauert der Bürgermeister. "Alle Pflegekräfte sind mit Vollschutz unterwegs, Essen gibt es auf dem Zimmer." Die Verwaltung im Rathaus könne da kaum helfen, weil es hauptsächlich um Pflege geht.

Das ist fürchterlich, im Prinzip wie Einzelhaft. Alle Pflegekräfte sind mit Vollschutz unterwegs, Essen gibt es auf dem Zimmer.

Bürgermeister Richard Tischler

Bürgermeister Richard Tischler

Was die anderen Bereiche betrifft, kann das Altenheim aber auf Hilfe zählen: Stiftungsverwalter Norbert Auer ist seit Tagen vor Ort und half auch am Sonntag ebenso wie der Hausmeister bei der Essensausgabe. Ab Montag stehen zwei Soldaten der Bundeswehr zur Unterstützung der Heimkräfte zur Verfügung. "10 bis 14 Tage müssen wir durchhalten, dann haben wir es geschafft", meint er und fügt hinzu: "Wir bringen das Ding schon durch."

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