06.04.2020 - 14:30 Uhr
PfreimdOberpfalz

Coronavirus: Unterricht im Kinderzimmer

Jetzt sind Osterferien. Doch zu Hause sind die Schüler im Kreis Schwandorf wegen der Corona-Epidemie schon lange. Statt der Schulbank drückten sie den Küchen- oder den Schreibtisch im Kinderzimmer. Und doch steckt in der Krise eine Chance.

Eine Schülerin der achten Klasse an der Landgraf-Ulrich-Mittelschule in Pfreimd musste wie alle Schüler in Bayern den Unterricht von zu Hause aus bestreiten. Ein PC ist dabei unabdingbar.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Die Coronakrise als Chance sehen: Für ein paar Bereiche trifft das neben allen negativen Aspekten sicherlich zu. Auch Silke Schmid, Schulleiterin der Landgraf-Ulrich-Grund- und Mittelschule in Pfreimd, versucht, positiv zu bleiben. Ihre Schüler wurden seit mehreren Wochen aus der Ferne unterrichtet. Über die Online-Plattform Mebis, per Mail oder - ganz analog - per Post. "Nicht alle Eltern haben einen Drucker daheim. Oft brauchen sie auch die vorhandenen Computer selbst für Homeoffice-Arbeit", erklärt Schmid. Deswegen waren viele Absprachen nötig.

Austausch stärker geworden

Bei der Unterrichtszeit versuchen die Lehrer, einen guten Mittelweg zu gehen. Sechs volle Schulstunden Heim-Unterricht sind für die Eltern gar nicht zu stemmen - schon gar nicht, wenn mehrere Kinder daheim sind. "Wir bitten um viel Rückmeldung, wie viel wir der Familie zumuten können", erklärt die Rektorin. Das würde auch sehr gut angenommen.

Überhaupt seien der Austausch, die Anpassungen und die Kommunikation viel stärker und individueller geworden. Schon seit längerem soll der digitale Unterricht ausgebaut werden. Wegen der Schulschließungen in Bayern ist dies nun von heute auf morgen passiert. Einen Online-Meeting-Raum, wo man per Video-Schaltung kommunizieren kann, gibt es noch nicht, er soll aber eingerichtet werden. Für die Zeit nach Corona ist das Ziel zweigleisig zu fahren: Digital und natürlich persönlich, denn ein Unterricht von Angesicht zu Angesicht sei durch Nichts zu ersetzen. Dieser Meinung ist auch Sebastian Kollacks, Lehrer an der Landgraf-Ulrich-Schule. Er ist Leiter einer achten Klasse mit 24 Schülern, unterrichtet die Fächer Englisch, Deutsch und Mathe und vereinzelt Abschlussschüler im Fach PCB (Physik, Chemie, Biologie). Zudem betreut er zwei Lehramtsanwärter, die ihn in Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde (GSE) unterstützen. Was sich für ihn seit Corona geändert hat?

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Sozialer Kontakt fehlt

"Einfach alles", antwortet er. Ihm fehle besonders der soziale Kontakt, dass er zur Not mal etwas mit Händen und Füßen erklären kann, gerade bei den Schülern mit weniger Deutschkenntnissen. Niemanden mit dem Lernstoff abzuhängen und andere gleichzeitig nicht zu unterfordern, verlange ihm am meisten ab. Auch "einfach mal bei einer Aufgabe über die Schulter schauen" fehlt ihm. Bei der Korrektur der Aufgaben muss er nun viel mehr Zeit aufwenden, da alles digital reinkommt, teilweise werden die Blätter abfotografiert. Um Mathe-Aufgaben zu erklären, nimmt Kollacks Youtube-Videos auf. Auch, wenn die Situation für die Schüler nicht ohne ist, hätten alle "außergewöhnlich zuverlässig" mitgemacht.

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Whatsapp als Unterrichtsmittel

Hauptsächlich gehe der Kontakt mit den Achtklässlern über Whats-App. Das ist unkompliziert, schnell und die Schüler sind den Umgang mit dem Messenger-Dienst gewöhnt. Erst seit einer Lockerung der Datenschutzrichtlinien ist dies möglich. Zuvor war es Lehrern nicht gestattet, über Whatsapp mit den Schülern zu kommunizieren. Auch der Weg über E-Mail wird genutzt. "Die Schüler machen enorme Fortschritte im technischen Bereich. Das ist absolut wichtig für später", sagt Kollacks. Die Telefonsprechstunde werde ebenfalls immer mehr genutzt.

Ganz anders gestaltet sich der Unterricht für die Grundschüler. Hier kann nicht mal eben eine Whatsapp-Nachricht verschickt werden. Wenn es gewünscht ist, können die Kinder auch bei ihrer Lehrerin anrufen, doch das passiert eher selten. Alles läuft daher über die Eltern. "Die kümmern sich sehr gut und sind verständnisvoll", sagt Carolin Folsom, Lehrerin einer vierten Klasse an der Landgraf-Ulrich-Grundschule.

Im Gegensatz zu den Achtklässlern, die von Kollacks jeden Tag Aufgaben für alle Fächer erhalten, gibt es für ihre 21 Grundschüler einen Wochenplan. Zum Lernen wird auch die Plattform Mebis genutzt. Dort können Aufgaben virtuell erledigt werden. Aber auch andere digitale Hilfsmittel empfiehlt die Pädagogin. Damit können die Schüler spielerisch den Stoff wiederholen und sogar neuen lernen.

Einige Eltern hätten schon zurückgemeldet, dass es den Kindern sogar Spaß mache, am Computer Zusatzaufgaben zu erledigen. Trotz allem ist es eine Notlösung. Wenn nicht alle an einem Strang ziehen, klappt es nicht, ist auch Rektorin Silke Schmid überzeugt. Sie spricht voll des Lobes von ihren Lehrern und dankt auch allen Eltern und Kindern für die Rückmeldungen und die Unterstützung. "Es ist eine große Herausforderung für alle. Aber wir müssen zusammenhalten. Dann können wir diese Krise auch als Chance sehen."

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