17.10.2018 - 19:16 Uhr
PfreimdOberpfalz

Ein Grab mit vielen Perlen

Seit dem Jahr 2011 widmen sich Archäologen dem Gräberfeld bei Iffelsdorf. In acht Kampagnen legen die Wissenschaftler etwa 80 slawische Gräber aus der Zeit Karl des Großen um das Jahr 800 frei.

Behutsam hält Bürgermeister Richard Tischler eine Tonschale in Händen. Das Gefäß ist slawischer Herkunft. und wurde neben dem Grabhügel deponiert, erklärte Hans Losert (links).
von Herbert RohrwildProfil

Zum Abschluss der vierwöchigen diesjährigen Aktion waren Repräsentanten von Behörden und Kultureinrichtungen gespannt, was es Neues an der Grabungsstätte bei Pfreimd gibt. Der Privatdozent der Uni Bamberg für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit, Dr. Hans Losert, hieß Bürgermeister Richard Tischler, Anton Rauen, den ehrenamtlichen Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege, den Kreisheimatpfleger für Archöologie, Kurt Engelhardt, Franz Pfeffer, den Kulturreferenten des Landkreises, und Dr. Christoph Steinmann vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege willkommen. Die Grabungsstätte stammt aus dem 8./9. Jahrhundert. Seit Beginn der Arbeiten 2011 ‒ zusammen mit Professor Dr. Erik Szameit, der zwischenzeitlich in den Ruhestand ging ‒ sind etwa 80 Gräber gefunden worden. Darunter wenig Erwachsenen-, aber unverhältnismäßig viele Kinder- und auch Säuglingsgräber. Alles wird dokumentiert und die Knochen anthropologisch untersucht.

Mädchen erhielten Perlen, Männer und Frauen Taschenmesser und Feuerzeug als Grabbeigaben. Pfeilspitzen, eine Axt, ein einschneidiges Schwert und auch Tongefäße kamen ans Tageslicht. Ein Grab mit einem 42-teiligen Militärgürtel awarischer Herkunft aus dem Jahre um 780 gibt Rätsel auf. Ein Grab mit vielen so genannten Gold-Silber-Überfangperlen und eine große bronzene Hohlperle sind 2018 wichtige Funde.

Hans Losert ging auch auf Praktiken der Vorfahren ein. Hügel überdeckten einen Teil der Gräber und obenauf waren häufig Feuerstellen errichtet worden, auf denen für die Toten Speisen zubereitet wurden. Anschließend wurde gemeinsam gegessen und auch reichlich getrunken. Die benutzten Gefäße und das verwendete Geschirr deponierten die Hinterbliebenen neben dem Grab.

Die slawische Bevölkerung bestattete ihre Toten unmittelbar im Anschluss an die Besiedelung. Sie dürfte auch die Vorläuferin des heutigen Iffelsdorf sein. Die Region liegt sehr verkehrsgünstig: Die neuen Verbindungen Ost/West und Nord/Süd mit dem „Autobahnkreuz Oberpfälzer Wald“ folgen den damaligen Handelswegen zwischen Böhmen und Nordbayern sowie Ostfranken und Donaugebiet mit der Naab als Wasserstraße.

Ohne finanzielle und administrative Unterstützung der Stadt Pfreimd wäre die archäologische Erschließung der Grabungsstätte nicht möglich, betonte Losert. Der Stadtrat bewilligte seit Beginn 2011 rund 50000 Euro. Der Lions Club Oberpfälzer Wald und der Lions Club Schwandorf spendeten über die Jahre hinweg etwa 15000 Euro. Auch die Raiffeisenbank im Naabtal und die Sparkasse im Landkreis Schwandorf stellten Geldmittel zur Verfügung. Vor Ort wird die Maßnahme von Kreisheimatpfleger Kurt Engelhardt engagiert begleitet.

Kampagne 2018: Im Bild ein frei gelegter Schädel eines Reihengrabes der slawischen Siedlung Iffelsdorf bei Pfreimd. Die Steine deuten die Lage des Skeletts an
Technischer Leiter Sebastian Schumann, Archäologe an der Uni Bamberg, dokumentiert die einzelnen Ergebnisse.
Vier Wochen dauerte die Kampagne 2018 an der Grabungsstätte Iffelsdorf. Im Hintergrund Archäologe Hans Losert (Zweiter von links) im Gespräch mit Repräsentanten von Behörden und Kultureinrichtungen.
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