02.06.2020 - 09:00 Uhr
PfreimdOberpfalz

Große Enttäuschung im Pfreimder Stadtrat

Gleich in der ersten Arbeitssitzung durchwanderten die Stadträte viele Höhen und Tiefen der Kommunalpolitik. Dabei reichte das Spektrum von berechtigter Freude bis maßloser Enttäuschung.

Der Windpark Pamsendorf leistet einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Statistisch gerechnet wurden 2019 rund 6700 Haushalte mit Öko-Strom versorgt.
von Richard BraunProfil

Traditionell begann die Stadtratssitzung mit den Informationen des Bürgermeisters. Dabei brachte Richard Tischler die Ladestation für E-Autos am Marktplatz zur Sprache. Nach einem sehr zögerlichen Start im vergangenen Jahr hat sich die Frequentierung im ersten Quartal 2020 deutlich gesteigert. Insgesamt wurde in diesem Zeitraum die Ladesäule knapp 34 Stunden genutzt.

Interessantes gab es auch zum Windpark Pamsendorf zu berichten. Im Jahr 2019 hat der Windpark 30 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Wenn man davon ausgeht, dass ein Drei-Personen-Haushalt pro Jahr rund 4500 Kilowattstunden verbraucht, wurde mit der Anlage Strom für rund 6700 Haushalte erzeugt. "Die Windkraftanlage versorgt die Stadt Pfreimd und viele Haushalte darüber hinaus zu hundert Prozent mit regenerativer Energie", freute sich der Bürgermeister über das gute Ergebnis.

Die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecke Hof-Regensburg bedarf eine eigene Stromtrasse. Davon ist auch das Stadtgebiet von Pfreimd betroffen. Bisher wurde ein 200 Meter breiter Korridor festgelegt, der nordwestlich an Pfreimd vorbeiführt. Weitere Planungen sind derzeit noch nicht bekannt. Von dieser Stromtrasse leitete Bürgermeister zur nächsten Stromtrasse, dem "Süd-Ost-Link", über. Mit diesem Themenwechsel änderte sich auch die Stimmlage des Bürgermeisters. Die Mitteilung der Bundesnetzagentur an der bestehenden Trassenplanung bei Pfreimd festzuhalten, stieß bei Bürgermeister und Stadtrat auf Fassungslosigkeit und Unverständnis. Trotz sachlich fundierter Argumente und "lebenswichtiger" Gründe, wurden die Einwendungen der Stadt Pfreimd ohne Begründung abgelehnt.

Weitere Themen aus der Stadtratssitzung

Pfreimd

Bürgermeister Tischler und Geschäftsleiter Bernhard Baumer gaben dazu den neu in den Stadtrat gewählten Mitgliedern die entsprechenden Hintergrundinformationen. Das geplante Erdkabel führt über Söllitz nach Weihern und weiter nach Pfreimd. Im Bereich des "Wenzel" durchschneidet es das Wassereinzugsgebiet "Brunnstube" der Stadt Pfreimd und tangiert die anschließenden ökologischen Ausgleichsflächen der Stadt. Aus dem Gebiet "Brunnstube" bezieht die Stadt ein Drittel seines Wasserverbrauches, was der Bürgermeister durch die Baumaßnahme gefährdet sieht. "Ein Ausfall dieser Wassermenge kann nicht einfach an anderer Stelle kompensiert werden. Da helfen auch keine Ausgleichszahlungen", machte der Bürgermeister die Situation deutlich.

Bernhard Baumer äußerte zudem Bedenken an der Rechtmäßigkeit des Planfeststellungsverfahrens, da wegen der Pandemie die öffentliche Beteiligung nicht gegeben ist. Bereits jetzt hat die Kommune eine Anwaltskanzlei eingeschaltet, welche die Interessen der Stadt gerichtlich wahrnimmt.

"Wir werden mit allen gebotenen Mitteln gegen den Beschluss der Bundesnetzagentur vorgehen und uns gegen einen Eingriff in die Brunnstube wehren", ließ Bürgermeister Tischler keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Aussagen. Einige Stadträte sahen sich dabei in ihren bisherigen Befürchtungen bestätigt, dass alle bisherigen Anhörungen und Informationsveranstaltungen von Tennet nur dazu dienten, die Bevölkerung zu beruhigen und den Anschein von Demokratie zu wahren. In Wirklichkeit liegen die Pläne bereits fertig in den Schubladen.

Die Ladestation für E-Autos am Marktplatz wird immer öfter angefahren. Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 34 Ladestunden verzeichnet.
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