08.06.2018 - 19:46 Uhr
PfreimdOberpfalz

Hilfe braucht einen langen Atem

Es tut sich was im Land und in den Krankenhäusern. Dr. Josef Ziegler und seine Frau Angelika waren noch nie so optimistisch, wie nach der letzten Reise. In den von der "Aktion Tschernobyl" unterstützten Krankenhäusern in der Ukraine geht es voran.

von Claudia Völkl Kontakt Profil

Tschernobyl liegt 32 Jahre zurück, Der Helferkreis des Vereins, der seit 25 Jahren aktiv ist und Hilfsgüter in die Ukraine bringt, hat sich verändert, ist mit rund 80 Mitgliedern kleiner geworden. Ein Grund ist wohl, dass die jährlichen Hilfskonvois – auch ein Stück Abenteuer und Zusammenhalt – bedingt durch die unsichere politische Lage 2014 eingestellt wurden. Seitdem bringt eine Spedition Hilfsgüter in die Ukraine. Die Zieglers haben sich vier konkrete Ziele gesetzt: Aufbau der Kinderstation in Naroditschi, die Erneuerung der Sterilisationsanlage in Kiew, das Polytrauma-Zentrum in Uljanovka und die Unterstützung des Krankenhauses in Jagodin.

Die Projekte laufen oder sind teils abgeschlossen. Josef und Angelika Ziegler haben bezogen auf ihre Partnerkrankenhäuser neue Pläne: Vier Sattelschlepper einer Spedition wurden und werden heuer auf die Reise geschickt. Das Volumen wird sich reduzieren. Mit Krankenbetten sind die Kliniken gut versorgt. Und der Wert der gebrauchten Ware steht in keinem Verhältnis zu den Lieferkosten. Der Verein konzentriert sich auf medizinische Geräte, Sterilisatoren für mehr Hygiene – und findet nun engagierte Partner vor, die auch eine Basis dafür schaffen. „Im Land hat sich etwas verändert“, so Josef Zieglers Eindruck nach seinem letzten Aufenthalt. Es ist mehr Gemeinschaft zu spüren – wohl gerade wegen des Ost-Ukraine-Krieges – und ebenso eine deutliche Westorientierung.

Seit Oktober 2017 gibt es ein neues Gesetz für das Gesundheitswesen. Es wird dezentralisiert, ein gewisser Betrag fließt in die Kommunen, die dafür autonom das Gesundheitswesen in ihren Kreisen aufbauen können, erläutert Ziegler. Die Verwaltungsvertreter haben mehr Entscheidungsgewalt „und damit mehr Selbstwertgefühl“. In dieser Phase greift die Forderung der „Aktion Tschernobyl“: Die Partner vor Ort müssen auch selbst in Vorleistung zu gehen. „Es wird gemacht, es wird gebaut“, freuen sich Angelika und Josef Ziegler.

In der neuen, vom Verein finanzierten Kinderstation in Naroditschi ist der Zulauf groß. Bei den baulichen Verbesserungen hat jetzt auch die Verwaltung vor Ort mitgezogen, ebenso in Jagodin und Uljanovka. „Es braucht Jahre und Beispiele, um zu zeigen, wie es gehen kann“, meint Josef Ziegler zur veränderten Einstellung seiner Partner. Deshalb liegt bei den vier Lieferungen heuer der Schwerpunkt auf medizinischen Geräten. Es ist eine einfache Rechnung: Der Sattelschlepper kostet 2250 Euro. Den kann man nicht mit gebrauchten Krankenbetten voll schlichten, die einen Realwert von einigen Hundert Euro haben.

Man hat andere Pläne: Nach der neurochirurgischen Klinik in Kiew soll in Jagodin eine neue Sterilisationsanlage entstehen. Hier werden von den Ukrainern die baulichen Bedingungen geschaffen, „dass man nicht mehr mit den Instrumenten über den Hof laufen muss“. Die Anlage wird ins Hauptgebäude integriert. Geliefert werden zwei generalüberholte gebrauchte Sterilisatoren und eine Wasseraufbereitung im Wert von 30 000 beziehungsweise 6000 Euro. Josef Ziegler ist froh, dass ihn Unternehmen, Stiftungen, Vereine und Schulen nach wie vor bei der Finanzierung unterstützen. Eine bereits gesponserte Instrumenten-Waschmaschine steht schon vor Ort.

Die Kinderstation in Jagodin bekommt ein Infektionszimmer. 15 000 Euro müssen dafür aufgebracht werden. „Wir fliegen wohl noch drei Mal in die Ukraine, um zu sehen, ob vor Ort alles läuft“, betont Ziegler. Er muss auch den Spendern Rechenschaft darüber ablegen, wie ihre finanzielle Unterstützung umgesetzt wird. Ziegler hat Fachleute einbezogen. Beim Aufbau der Sterilisationsanlage kann er beispielsweise zuverlässig auf Mitglieder wie Heinz Fink und Erwin Koppmann setzen. Hilfe braucht einen langen Atem.

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