03.08.2020 - 17:28 Uhr
PfreimdOberpfalz

Pfreimder Soldaten übernehmen Schutz der Nato-Ostflanke in Litauen

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Nur ein Jahr nachdem die Pfreimder Panzersoldaten aus Litauen zurückgekehrt sind, übernehmen sie wieder den Schutz der Nato-Ostflanke. Rückendeckung erhalten sie von US-Soldaten aus Vilseck - aber diese sollen gehen.

In Vorbereitung auf den Einsatz in Litauen trainierte das Panzerbataillon 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) Ende April das taktische Verhalten im Gefechtsübungszentrum Heer in der Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg. Nun sind die Pfreimder für sechs Monate im Baltikum.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Nachdem die Corona-Pandemie auch die Vorbereitung für den Litauen-Einsatz des Panzerbataillons 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) durcheinandergewirbelt hat, lösen die Pfreimder im litauischen Rukla ihre Kameraden vom Panzergrenadierbataillon 371 aus Marienberg in Sachsen ab. Bei einem Appell an diesem Dienstagnachmittag in der Kaserne in Rukla überträgt Oberst Mindaugas Petkevicius von der litauischen "Iron Wolf"-Brigade das Kommando über den Nato-Einsatzverband von Oberstleutnant Axel Niemann auf Oberstleutnant Peer Papenbroock, den Kommandeur der Pfreimder.

Für die Männer und Frauen des Panzerbataillons 104 ist es der zweite Einsatz im Baltikum. Erst vor einem Jahr waren sie aus Litauen zurückgekehrt, wo sie ein halbes Jahr waren. Diesmal bleiben die Panzersoldaten unterstützt von Soldatinnen und Soldaten aller Verbände der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" bis über Weihnachten in Litauen. Sie werden vom Panzerlehrbataillon 93 aus Munster abgelöst werden.

Unterstützung durch US-Kavallerie

Es ist der letzte Einsatz eines Oberpfälzer Bundeswehrverbandes im Baltikum für die nächsten drei Jahre. Ab dem Jahr 2021 übernimmt die 1. Panzerdivision in Oldenburg die Aufgabe, Truppen für den Nato-Einsatz zu stellen, von der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim, zu der die Panzerbrigade 12 gehört. Noch ein Oberpfälzer Einsatz an der Nato-Ostflanke neigt sich dem Ende zu, der des 2. US-Kavallerieregiments aus Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) in Polen. Bislang hat der Partnerverband der "Zwölfern" den Oberpfälzern den Rücken frei gehalten. Dabei half, dass sich die Soldaten von zu Hause schon kannten.

Die Aufgabe des US-Verbandes ist es, die etwa 60 Kilometer lange Grenze zwischen Polen und Litauen zu schützen, damit die Landverbindung nicht abgeschnitten wird. Denn im Nordwesten dieser "Suwalki Gap (Suwalki-Lücke)" genannten Enge liegt die russische Enklave Kaliningrad und im Osten Belarus. Erst vor wenigen Tagen hat die 3. Schwadron des US-Kavallerieregiments eFP-Polen an die 2. Schwadron übergeben. Wie lange die US-Soldaten aus Vilseck noch die eFP-Truppen stellen ist offen. US-Verteidigungsminister Mark T. Esper hat die Rückverlegung des 2. US-Kavallerieregiments in die USA angekündigt. Ein Datum nannte er nicht. Zumindest aus polnischer Sicht gibt es eine gute Nachricht. Nach jahrelangen Verhandlungen steht seit Freitag das Truppenstationierungsabkommen mit den USA.

Den Einsatz in Polen und im Baltikum hat die Nato im Jahr 2016 in Warschau als Antwort auf die Annexion der ukrainischen Krim durch Russland beschlossen. Die Rolle der Führungsnation haben in Polen die USA, in Lettland hat diese Kanada, in Estland Großbritannien und in Litauen Deutschland. Ihr Auftrag: Abschreckung. Ein möglicher Gegner soll wissen, dass ein Angriff ein Angriff auf alle in der Nato ist. Den ersten einsatzbereiten Nato-Verband stellte Anfang 2017 das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach (Kreis Schwandorf).

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Auch Frankreich beteiligt

Die rund 200 Pfreimder sind nicht allein in Litauen. Insgesamt sind es rund 500 Soldatinnen und Soldaten aus der Panzerbrigade 12. Der zweitgrößte Truppensteller für die Nato Kampfgruppe (Battlegroup) ist Frankreich, gefolgt von den Niederlanden, Norwegen und der Tschechischen Republik. Belgien, Island und Luxemburg haben kleinere Kontingente entsandt, teilte eine Sprecherin des Einsatzführungskommandos auf Anfrage mit.

14 Tage Quarantäne

Mitte Juli sind die ersten Bundeswehrsoldaten in Litauen angekommen - nachdem sie 14 Tage in Quarantäne verbracht haben. Unter anderem in Hotels im Raum Hannover. So soll verhindert werden, dass sie das Coronavirus mit in den Einsatz bringen. Nicht die erste Quarantäne für die Pfreimder. Anfang Mai waren die Frauen und Männer in Hotels in der Region, unter anderem in Weiden, in Quarantäne. Damals waren sie von der abschließenden Übung für den Litauen-Einsatz im Gefechtsübungszentrum in der Letzlinger Heide zurückgekehrt. Schon dort hatte Corona alles durcheinander gewirbelt.

Nachdem das Heer mitgeteilt hatte, die Übung beginnt, nahm es die Meldung am Nachmittag desselben Tages wieder zurück. Schließlich begann diese eine Woche später. Erfolgreich, wie Oberstleutnant Papenbroock danach sagte. Eine Erkundungsreise nach Litauen fiel wegen der Pandemie aus. Umso mehr ist der Oberstleutnant anfangs auf jene Soldaten angewiesen, die wie er bereits vor einem Jahr in Litauen dabei waren.

Abschluss des ersten Litauen-Einsatzes 2019

Pfreimd
Hintergrund:

Pfreimder bei Enhanced Forward Presenc

Wie alles bei der Nato hat auch der Einsatz im Baltikum und in Polen einen englische Bezeichnung: Enhanced Forward Presence (verstärkte vorgeschobene Präsenz), abgekürzt: eFP.

Für das Panzerbataillon 104 aus Pfreimd (Kreis Schwandorf) ist es der zweite Einsatz in Litauen. Die Panzersoldaten waren bereits im ersten Halbjahr 2018 dort. Diesmal bleiben die Pfreimder über Weihnachten .

Als Reaktion auf die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 durch Russland beschloss die Nato 2016 in beim Gipfel Warschau, Truppen nach Polen, Litauen, Lettland und Estland zu senden. Diese werden aber nicht dauerhaft stationiert, sondern alle sechs Monate ausgetauscht, um nicht gegen den Nato-Russland-Vertrag zu verstoßen.

Der erste Verband der Nato, der im Februar 2017 einsatzbereit war, war das Panzergrenadierbataillon 122 aus Oberviechtach (Kreis Schwandorf).

In Litauen hat Deutschland die Rolle der Führungsnation für die Nato-Kampfgruppe übernommen, in Lettland hat diese Kanada, in Estland Großbritannien und in Polen die Vereinigten Staaten

Die Nato-Kampfgruppen (Nato Battlegroups) umfassen jeweils rund 1000 bis 1200 Soldaten.

Weitere Berichte zu eFP-Litauen

Der Inspekteur der Heeres, Generalleutnant Alfons Mais (links), und Oberstleutnant Peer Papenbroock unterhalten sich in der Zeltstadt auf dem Truppenübungsplatz Letzlinger Heide nördlich von Magdeburg.

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