27.08.2019 - 17:07 Uhr
Oberpfalz

Pilze sammeln - was ist erlaubt?

Ein Junge sammelt sage und schreibe 105 Steinpilze im Wald bei Freudenberg. Da stellen sich viele die Frage: Ist diese Menge an Schwammerln überhaupt erlaubt? Herbert Baumanis weiß darauf die Antwort.

Zwar schön für denjenigen, der so ein Glückspilz ist, wenn er so viele Steinpilze im Wald findet, aber definitiv mehr als der „Eigenbedarf in geringen Mengen“, der laut Bundesnaturschutzverordnung für das Sammeln von Schwammerln erlaubt ist.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Momentan zieht's die Pilzesammler in die Wälder hinaus. Steinpilze schießen massenhaft aus den Böden, der Regen hat ihnen nach der langen Trockenzeit gut getan. Die Körbe sind mitunter prall gefüllt. Doch wie viel ist denn nun erlaubt? Ein Kilo pro Person? Oder gar zwei? Und: Gibt es überhaupt eine Mengenbegrenzung?

Herbert Baumanis, Pilzsachverständiger der deutschen Gesellschaft für Mykologie, verweist auf die Bundesartenschutzverordnung und erklärt, dass die besonders beliebten Schwammerln wie beispielsweise Steinpilze und Pfifferlinge, aber auch Milchbrätlinge oder das hierzulande eher selten anzutreffende Schweinsohr zu den besonders geschützten Pilzarten zählen. Gesammelt werden dürfen sie dennoch, allerdings heißt es in der Bundesnaturschutzverordnung auch, dass dies nur "in geringen Mengen nur für den eigenen Bedarf" erlaubt ist. Sind das nun zwei Kilo oder gar nur eines? Das ist nicht explizit festgelegt. "Eine gesetzliche Regelung, in der konkret eine Mengenangabe genannt wird, gibt es nicht", stellt Herbert Baumanis klar.

Untere Naturschutzbehörden könnten hinsichtlich der Menge eine exakte Obergrenze definieren. Die Stadt Amberg tut dies nach Angaben von Thomas Graml von der Pressestelle nicht. Vom Gefühl her aber sei die geringe Menge für den Eigenbedarf ungefähr ein Kilo.

Steinpilzschwemme Mitte August:

Tagelanger, ergiebiger Regen Mitte August: Das ist nicht nur für diese Zeit ungewöhnlich, sondern hat auch den Waldpilzen nach der langen Hitze- und Trockenphase einen enormen Wachstumsschub beschert. Pilzsachverständiger Herbert Baumanis spricht von einer Steinpilzschwemme. Allerdings wäre diese rund einen Monat später, also Mitte September, besser gewesen. Nämlich dann, wenn die Temperaturen auch mal unter zehn Grad fallen. Geschieht dies, ist laut Baumanis die Pilzfliege nicht mehr aktiv. Sie legt nach Worten des Schwammerlexperten ihre Eier in die Pilze.

„Deshalb sind momentan so viele Pilze madig.“ In den vergangenen Tagen war Herbert Baumanis häufig draußen im Wald unterwegs. Seine Erkenntnis: Es gibt viele Schwammerl, insbesondere Steinpilze, „aber es ist kaum einer dabei, der keine Maden hat“.

Generell gilt laut Herbert Baumanis für bayerische Wälder ein Betretungsrecht. Jedermann darf in die Wälder gehen, egal ob diese dem Staat gehören, einer Stadt oder eben Privatleuten. Und auch die darin befindlichen Beeren dürfe man zupfen, "aber nur in ortsüblichen Mengen". Anders schaut es aus, wenn jemand Beeren oder Pilze sammelt, um diese zu verkaufen, beispielsweise an die Gastronomie. "Das wären gewerbliche Zwecke und ist nicht erlaubt." Eine Ausnahme gibt es: Per offizieller Genehmigung mehr sammeln zu dürfen. Dafür wäre ein Antrag auf gewerbliches Sammeln zu stellen. Wird diese erteilt, wäre man - über die geringen Mengen für den eigenen Bedarf hinaus - zum Verkauf an Groß- und Einzelhändler, Gastronomie und Endverbraucher berechtigt. Wie Herbert Baumanis weiß, muss dafür aber eine detaillierte Sammel- und Verkaufsstatistik geführt werden. Außerdem müssen die Rechnungen aufbewahrt werden.

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Generell fordert Baumanis die Pilzesammler auf, sinnvoll umzugehen mit den Ressourcen im Wald. "Wenn man rigoros jeden Fruchtkörper, den der unterirdisch wachsende Pilz ausbildet, abschneidet, geht irgendwann der Pilz kaputt", warnt Baumanis. Er appelliert an alle Schwammerlsucher, ältere und unansehnlich gewordene Exemplare von Steinpilz und Co., die nicht mehr zum Verzehr geeignet sind, im Wald stehen zu lassen. Dort erfüllen sie nämlich eine wichtige Funktion: Sie sorgen durch ihre Sporen für Nachschub im Wald. "Lasst die alten Pilze stehen, gebt der Natur eine Chance, dass sich ein neues Myzel ausbilden kann."

Kommentar:

Prachtkerle bleiben im Wald

Nanu, ein Steinpilz. Und gleich daneben noch einer. Herrje, da lugen auch schon die nächsten Prachtexemplare aus dem Waldboden. Da geht jedem Schwammerlsucher das Herz auf. Flugs zückt der Pilzsammler das Messer, Steinpilz um Steinpilz wandert ins Körbchen.
An ertragreichen Plätzen, die strengster Geheimhaltung unterliegen, kommt schnell eine ansehnliche Menge zusammen. Wer denkt schon an die Bundesnaturschutzverordnung?! Die Gedanken kreisen um Schwammerlbrühe mit Semmelknödel oder Steinpilz-Carpaccio. Dennoch ist es gut, dass nur für den Eigenbedarf und in geringen Mengen gesammelt werden darf – wenngleich dem Schwammerlsucher das Herz blutet, den einen oder anderen Prachtkerl zurücklassen zu müssen.

Kristina Sandig

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Kommentare

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Dirk Jungermann

Ich finde es gut, das passend zu dem "Mein Sohn hat massenhaft Pilze gefunden und wollte gar nicht mehr aufhören"-Angeber-Artikel, hier das Thema Sammeln für den Eigenbedarf thematisiert und die geltenden Regelungen verdeutlicht werden.

Die kommen ja nicht von ungefähr, sondern dienen dem Schutz der Umwelt vor dem Raffzahn Mensch. Wenn ich Menschen sehe, die mehrmals zum Auto zurück müssen weil sie das Zeug nicht mehr schleppen können und dann den ganzen Kofferaum voll Pilze nach Hause karren, kriege ich das K...

28.08.2019