22.07.2020 - 11:14 Uhr
Pleußen bei MitterteichOberpfalz

Notwendige Eingriffe in den Wald am Gommelberg

Der Gommelberg ist ein beliebtes Naherholungsziel, Spaziergänger und Wanderer schätzen das Areal. Bald sind dort aber größere forstliche Eingriffe erforderlich. Bei einer Führung erklärten zwei Förster die Hintergründe und das Vorgehen.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

Rund 20 Leute waren es, die sich zur Waldbegehung an der Gommelberg-Kapelle eingefunden hatten. Dazu eingeladen hatten die Bayerischen Staatsforsten, vor Ort mit dabei waren der Leiter des Forstbetriebs Waldsassen, Norbert Zintl, und Revierleiter Wolfgang Pröls. Auch der Mitterteicher Bürgermeister Stefan Grillmeier und die Stadträte Bernhard Thoma (Freie Wähler) und Manfred Sommer (SPD) nahmen teil.

Zu einer größeren Abholzaktion am Gommelberg kam es zuletzt im Vorjahr:

Pleußen bei Mitterteich

Revierleiter Wolfgang Pröls erklärte eingangs, dass am Gommelberg eine Hiebsmaßnahme geplant sei und er und sein Chef der Bevölkerung im Vorfeld erläutern wollten, was es damit auf sich habe. Gerade im Bereich der Gommelberg-Kapelle stießen Erholungs- und touristische sowie forstliche Interessen aufeinander. Deshalb wolle man die Bürger darüber aufklären, wie sich das alles unter einen Hut bringen lässt. Bei dem folgenden Spaziergang gingen die Förster näher auf die Holznutzung, Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität und die wirtschaftliche Bedeutung der Forstwirtschaft ein und informierten, was der Forstbetrieb Waldsassen vorhabe, um die touristische Bedeutung des Areals zu erhalten.

Förster informieren über Maßnahmen am Gommelberg

Pröls machte deutlich, dass zur wirtschaftlichen Stellung der Forstwirtschaft auch die gesamte Holzverarbeitung zähle. Diese reiche von der Möbelindustrie bis zur Papiererzeugung. In Bayern seien derzeit etwa 190 000 Menschen in diesem Bereich beschäftigt, von denen 160 000 in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis stünden. Im Landkreis Tirschenreuth seien dies acht Prozent der Beschäftigten.

Große wirtschaftliche Bedeutung

Hinzu komme, so Pröls, dass diese Arbeitsplätze in der Hauptsache in strukturschwachen Räumen angesiedelt seien. Die Forstwirtschaft trage also auch zur Aufrechterhaltung der ländlichen Infrastruktur und des dörflichen Lebens bei. Waldarbeiter, Förster, Sägewerksarbeiter, Schreiner, Lkw-Fahrer und viele mehr seien hier zu nennen. Daran sei unschwer zu erkennen, dass der Wald neben ökologischer und erholungstechnischer Funktionen auch eine ganz massive wirtschaftliche Bedeutung habe.

Lichtkegel und Neupflanzungen

Als waldbauliche Ziele für den Gommelberg nannte Wolfgang Pröls die Altdurchforstung mit Kronenpflege und Förderung von Mischbaumarten, vor allem derer, die Trockenheit besser ertragen als die Fichte. Norbert Zintl ergänzte, dass man für den Wald der Zukunft mindestens fünf Baumarten im Revier haben wolle. Als weitere Maßnahme nannte Wolfgang Pröls die Förderung der Naturverjüngung. In einem ersten Schritt wolle man Lichtkegel in die Fichtenbestände schneiden und in diese Bereiche Buchen pflanzen. Man hoffe, dass im Laufe der kommenden Jahre die Naturverjüngung mit den Lichtbaumarten Buche, Kiefer, Lärche und Eiche funktionieren werde.

Der Lagerplatz, der bereits vor einiger Zeit für Unmut gesorgt hat, muss sein.

Revierleiter Wolfgang Pröls

Bei der Hiebsmaßnahme in diesem Jahr lege man ein besonderes Augenmerk auf die Steigerung der Biodiversität. So sollen starke Einzel-Altbäume stehen bleiben. Auch Bäume, die bereits Höhlen ausbilden, würden nicht gefällt. Das Totholz starker Bäume werde ebenso vor Ort verbleiben. Zudem sollen Waldinnensäume zur Verbesserung der Wuchsbedingungen von Blühpflanzen geschaffen werden.

Schonung des Wanderweges

„Der Lagerplatz, der bereits vor einiger Zeit für Unmut gesorgt hat, muss sein“, betonte Wolfgang Pröls. Dieser sei größer geworden als geplant, weil in direkter Nähe ein Käfernest habe beseitigt werden müssen. Der Lagerplatz sei auch deshalb breiter als üblich angelegt worden, so dass man das Holz nicht auf dem vorhandenen Wanderweg abtransportieren müsse, sondern eine parallel verlaufende Rückegasse nutzen könne. Das Holz werde so abgelegt, dass Lkw rückwärts einfahren und vorwärts wieder hinausfahren können, um den vorhandenen Weg entlang der Kapelle zu verschonen.

Hintergrund:

Massive Abholzungen

Im Zuge der Führung ging Revierleiter Wolfgang Pröls auch auf die Geschichte des Waldes am Gommelberg ein. Der dortige Wald ist größtenteils zwischen 60 und 125 Jahre alt. Im Zusammenhang mit Reparationszahlungen nach den zwei Weltkriegen war es zu massiven Abholzungen gekommen. Die schlimmsten Folgen hatte laut Pröls aber von 1944 bis 1950 eine massive Borkenkäferinvasion. Es sei zu großen Kahlschlägen gekommen, gleichzeitig hätten schwierige Aufforstungsbedingungen geherrscht. So habe häufiger Spätfrost zum Zurückfrieren von Tannen und Laubhölzern geführt. Die frosthärteren Fichten und Kiefern seien hingegen ungestört in die Höhe gewachsen. „Es war eine große Kulturleistung der Nachkriegsgeneration, die kahlen Flächen wieder zu Wald werden zu lassen“, betonte Pröls und ergänzte: „Wir können mit diesem Erbe leben und müssen es rasch, aber behutsam in eine andere Zeit führen.“

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