08.08.2021 - 10:08 Uhr
Pleußen bei MitterteichOberpfalz

Tummelplatz für Insekten & Co: Zertifizierter Naturgarten in Pleußen

Gabi und Stefan Werner dürfen ihren Garten seit einigen Tagen offiziell "Naturgarten" nennen. Wie der aussieht und was für eine Zertifizierung notwendig ist, erklären sie bei einem kleinen Rundgang.

Stefan und Gabi Werner schrauben das Schild "Naturgarten" draußen vor ihrer Haustür an einen Pfosten. Sie freuen sich darüber, dass sie die Kriterien dafür erfüllen konnten.
von Ulla Britta BaumerProfil

Setzen sich Gabi und Stefan Werner auf ihre Terrasse, haben die beiden nicht nur eine wunderbare Aussicht. Rund um die ehemalige Arzthelferin und den Bautechniker brummt und summt es, dass es eine wahre Freude ist. Das Ehepaar hat es sich zum persönlichen Auftrag gemacht, den Garten 100-prozentig biologisch, nachhaltig und insektenfreundlich zu gestalten.

Bei den Werners kommt Chemie sprichwörtlich „nicht in die Tüte“. Dass es sich in mehrfacher Hinsicht lohnt, beweist der Besuch von Kreisgartenfachberater Harald Schlöger und seiner Mitarbeiterin Manuela Pappenberger. Die beiden Fachleute vom Landratsamt haben bereits vor einigen Monaten das Werner-Anwesen besichtigt. Das war keine große Sache, betrachtet man allein die Quadratmeter. Denn der "Garten Eden" der Werners ist nicht sehr groß. Groß jedoch war die Freude von Schlöger und Pappenberger, als sie sahen, was die 56-jährige Gabi Werner und der 58-jährige Stefan Werner daraus gemacht haben.

Rund um das vor sechs Jahren gebaute Holzhaus, das ebenfalls von nachhaltigem Denken zeugt, hat sich das Ehepaar ein prachtvolles Idyll angelegt. Schlöger und Pappenberger waren nun erneut vor Ort, um die Zertifizierung zum Naturgarten zu überreichen. Das gebe es im Landkreis nach einem Beispiel aus Österreich seit 2019, erzählt Schlöger. Pappenberger spricht von gut 25 solcher Naturplätzchen, die im Jahr 2020 den Titel „Naturgarten“ erreichten. Das sei gar nicht schwer, sagen die Fachleute. „Und nicht nur für Mitglieder der Gartenbauvereine.“ Auch Privatleute könnten sich dafür interessieren. Einfach anmelden. „Dann kommen wir und schauen uns das an", so Pappenberger.

Molche im Teich

Über einen umfangreichen Fragebogen haben Gabi und Stefan Werner mehrere Kriterien erfüllen müssen. Fragen nach Naturgartenelementen wie Strauchhecken, Gehölze, Stauden und Blumen wurden mit Smileys bewertet. „Sieben Smileys müssen pro Kriterium erreicht werden“, erklären dazu die Juroren. „Wir wollten der Natur etwas zurückgeben“, erzählt Stefan Werner, wie es zum Naturgarten kam. Deshalb hat das Ehepaar bereits beim Anlegen nachhaltig gedacht und sich zum Beispiel Granit- oder Pflastersteine da besorgt, wo das Material anderswo nicht mehr gebraucht wurde. Sogar ein kleiner Teich konnte auf dem abschüssigen Gelände am Hang integriert werden. „Da sind jetzt Molche drin“, freut sich Gabi Werner. Für sie ist es selbstverständlich, in ihrem Garten Mitbewohnern aus Flora und Fauna eine Herberge bieten zu können.

Nachhaltig gestaltet sich auch die Pflege. Gegossen wird nur wenig - und zwar mit Hilfe die Zisterne mit Regenwasser. „Unsere Pflanzen hängen nicht am Tropf“, sagt Gabi Werner lachend. Pappenberger erklärt, damit würden die Gewächse längere Wurzeln entwickeln bei der Suche nach Feuchtigkeit unter ihren Füßen. Was sie robuster macht. Das Ehepaar hat bewusst vielerlei Stauden gepflanzt, die Insekten anlocken. Viele „alte“ Gartengewächse wie der Wollziest, das Weidenröschen oder der Blutweiderich sind darunter, ebenso wie Holunder, Stockrose und Quitte. Die Zaubernuss, bekannt als Hamamelis, erzählt Gabi Werner, blühe bereits sehr früh im Jahr, wenn noch Schnee liegt.

Ansporn für andere Gartenbesitzer

"Fetthenne, Schmetterlingsflieder, Akelei", zählt Manuela Pappenberger weiter auf. Alles da, was ein natürlicher Garten braucht. Kaum zu glauben, was alles in ein kleines Grundstück passt: Geschickt angelegt schaut das Ehepaar Werner von der Terrasse aus im Sommer auf ein blühendes Eldorado. Die „Eins mit Stern“ in Sachen Natur-Garten überreichen Schlöger und Pappenberger in Form eines Zertifikats und eines Hinweisschildes auf den Naturgarten zum Anbringen am Gartenzaun. „Wir wollen aber nicht so vorbildlich wirken. Wir machen das einfach gern, weil wir was für die Natur tun wollen“, wehrt das Ehepaar lachend weiteres Lob ab. Schlöger und Pappenberger sind umso dankbarer, dass die Werners ihren Garten öffentlich zeigen wollen. Vielleicht, hofft Pappenberger, schließe sich der eine oder andere Gartenbesitzer an und möchte sein Grundstück auch als „Naturgarten“ zertifizieren lassen.

Ein einzigartiger ökologischer Lern- und Erlebnisgarten ist die Umweltstation Waldsassen

Waldsassen
Hintergrund:

Auszeichnung „Bayern blüht – Naturgarten“

  • Das Programm „Bayern blüht – Naturgarten“ wurde von der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau in Zusammenarbeit gemeinsam mit dem Bezirksverband für Gartenkultur und Landespflege Niederbayern sowie dem Verband der Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege in Bayern aufgelegt. Die Idee stammt ursprünglich aus Österreich.
  • Ziel ist es, so viele Naturgärten zu schaffen wie möglich. Das Programm beinhaltet einen Leitfaden, der Orientierung gibt zur Anlage und Bewirtschaftung eines Naturgartens. Per Telefon und bei einer Gartenbegehung wird die Erfüllung der Kriterien von zwei Juroren geprüft. Danach wird entschieden, ob eine Anlage den Titel „Naturgarten“ bekommt.
  • Kernkriterien sind der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel und chemisch-synthetischen Dünger, der Verzicht auf Torf zur Bodenverbesserung und die Schaffung einer hohen ökologischen Vielfalt.
  • Für Mitglieder von Gartenbauvereinen kostet die Zertifizierung 40 Euro, für Nichtmitglieder 80 Euro.

"Wir wollten der Natur etwas zurückgeben."

Stefan Werner

"Unsere Pflanzen hängen nicht am Tropf."

Gabi Werner

 

 

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