09.07.2021 - 00:05 Uhr
PleysteinOberpfalz

Frauen im Handwerk: Von "Vorstadtbixn" und "süßen Ecken"

Junge Frauen im Handwerk sind auf dem Vormarsch. Viele von ihnen finden dort nicht nur ihr berufliches Glück, sondern werden auch erfolgreiche Unternehmerinnen. So wie Sabrina Wittmann, Lena Federl, Sonja Pirzer und Nadja Freinecker.

Glücklich im eigenen Friseursalon: Lena Federl und Sabrina Wittmann.
von Evi WagnerProfil

„Wir haben uns tatsächlich bis heute nicht gefragt: Tun wir das wirklich?“, sagt Sabrina Wittmann und lacht. Vor drei Jahren gründete sie mit ihrer ehemaligen Kollegin Lena Federl die „Vorstadtbixn GbR“, die beiden jungen Friseurinnen machten sich mit einem eigenen Salon in Pleystein (Landkreis Neustadt/WN) selbständig. Inzwischen beschäftigen die Gründerinnen zwei weitere Friseurinnen und eine Auszubildende. „Das, was damals in unserem Businessplan stand, hat rein gar nichts mit der Realität von heute zu tun.“ Sabrina Wittmann muss schon wieder lachen. Ein bisschen wundert sie sich bis heute, wie schnell sich der berufliche Erfolg eingestellt hat. „Die Leute haben uns die Bude eingerannt“, erzählt sie. „In den ersten Wochen haben wir beide nur noch gearbeitet, 60 Stunden die Woche waren das Minimum. Da rede ich jetzt aber von der reinen Arbeit am Friseurstuhl. Was sonst noch anfiel, ist gar nicht mitgerechnet.“

Schnell merkten die beiden jungen Unternehmerinnen: So kann es nicht weitergehen. Sie entschieden sich dafür, Chefinnen zu werden und auch in ihrem Betrieb auszubilden. „Das haben wir keinen einzigen Tag bereut“, erzählen sie. „Denn es macht einfach Spaß, das ganze Wissen an einen Lehrling weiterzugeben.“ Was Sabrina Wittmann und Lena Federl inzwischen gelernt haben: „Es bringt meistens nicht, zu weit vorauszuplanen. Die Zeit kann man sich sparen, denn es kommt meistens sowieso anders, als man denkt.“ Das kann auch Sonja Pirzer aus Schwandorf bestätigen. Seit 2014 betreibt die 28-Jährige nicht nur ihr eigenes Café direkt am Markplatz, sondern begeistert hier ihre Kunden auch mit handgemachten Pralinen, Torten und anderen süßen Köstlichkeiten. „Als ich vor acht Jahren von der Meisterschule kam, hatte ich noch keine Ahnung, was ich eigentlich genau machen will“, erzählt die Konditormeisterin. „Ich wusste nur: Ich will irgendwo arbeiten, wo alles noch selbst gemacht wird – ohne irgendwelchen künstlichen Zusätze. Und das am liebsten wieder zuhause in der Oberpfalz.“

Eine Frau im "süßen Eck"

Als ihre Pralinen, die sie 2013 zum ersten Mal auf dem Schwandorfer Weihnachtsmarkt anbot, dort bereits nach einigen Tagen ausverkauft waren, entstand die Idee für einen eigenen Laden. Nicht mehr viel zu überlegen gab es schließlich, als die Räumlichkeiten direkt am Marktplatz, in denen ihr Großvater früher seine Metzgerei betrieben hatte, frei wurden. „Eigentlich habe ich gar nicht selbst beschlossen, mich selbständig zu machen, sondern die Leute“, sagt Sonja Pirzer und lacht. „Die haben mir meine Sachen einfach aus der Hand gerissen und immer wieder gefragt, wo sie die sonst noch kaufen könnten.“ Bald stellte Sonja Pirzer eine weitere Konditormeisterin ein, seit September hat sie außerdem einen Azubi. Weitere drei Vollzeitkräfte und fünf Minijobber unterstützen sie im „Süßen Eck“.

Seit einem Jahr ist die Schwandorferin nicht mehr nur Unternehmerin, sondern auch Mutter. „Früher habe ich bis zu 16 Stunden am Tag gearbeitet“, erzählt sie. „Aber man muss es hinbekommen, dass man auch noch neben der Arbeit ein Leben hat. Das ist wohl die größte Herausforderung, da die richtige Balance zu finden.“ Heute hat Sonja Pirzer diese Herausforderung gemeistert. Vier Tage die Woche ist sie vormittags selbst in ihrem Laden, ab und zu schaut sie bei großen Vorbestellungen noch abends vorbei. „Ich habe das Glück, dass meine Mutter und meine Schwester auch hier arbeiten“, erzählt sie zufrieden. „Auf die beiden kann ich mich immer verlassen.“ Auch Nadja Freinecker aus Nabburg hat es erfolgreich unter einen Hut gebracht, junge Mutter und Unternehmerin zu sein. Seit 2016 ist sie selbständige Malermeisterin und übernimmt Aufträge in der ganzen Oberpfalz. „Das ist alles machbar“, sagt sie. „Zum Glück habe ich einen Mann, der mich immer unterstützt hat und auch ein Jahr in Elternzeit gegangen ist.“

In die Arbeit verliebt

Die 31-Jährige liebt ihre Arbeit und möchte nichts anderes tun. „Ich bin jeden Tag woanders, treffe jeden Tag andere Menschen, bin mal drinnen, mal draußen, mal oben, mal unten auf dem Boden. Es wird einfach nie langweilig und man sieht jedes Mal wieder, was man geschafft hat.“ Doch auch sie musste erst einmal lernen, die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden. „Früher war Feierabend ein Fremdwort“, so Nadja Freinecker. „Aber mir war immer klar: Wenn man ein Geschäft aufbauen will, muss man eben erst einmal seine Freizeit opfern. Denn es wird ja irgendwann besser.“ Seit sie eine Auszubildende eingestellt hat, hält sich auch die Malermeisterin selbst an geregelte Arbeitszeiten, die Überstunden wurden weniger. „Inzwischen nehme ich mir sogar auch mal Urlaub“, sagt sie und lacht. „Daran war in den ersten Jahren gar nicht zu denken.“ Und auch sie sagt: „Ich habe aufgehört, detailliert zu planen. Es kommt doch immer anders, als man denkt. Ob ich die nächsten Jahre wieder alleine arbeite oder zehn Angestellte habe, das wird sich zeigen.“

Auf die richtige Work-Life-Balance kommt es an....

Weiden in der Oberpfalz
Ihre Leidenschaft für Süßes hat Sonja Pirzer zum Beruf gemacht.
Am liebsten mag Malermeisterin Nadja Freinecker die kreativen Aufträge.

 

 

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