23.12.2021 - 09:36 Uhr
PlößbergOberpfalz

Die größte Krippe der Welt entsteht in Plößberg

Plößberg ist für seine Krippen bekannt. Spätestens im Herbst greifen die Krippenbauer zu ihren Schnitzmessern. Einer davon ist Hubert Haubner. Mit anderen Schnitzern baut er an der "größten Krippe der Welt" für die nächste Krippenschau.

Kaum sitzt Hubert Haubner am Tisch, beginnt er zu schnitzen.
von Caroline Keller Kontakt Profil

Kaum sitzt Hubert Haubner (55) aus Schirnbrunn bei Plößberg am Tisch, schnappt er sich sein Werkzeug und beginnt zu schnitzen. Mit den Hohleisen schnitzt er der Holzfigur in seinen Händen einen Schuh. Die Figur ist besonders, so wie die meisten Figuren in den Plößberger Krippen, für die der Ort bekannt ist: "Das ist die Corona-Impfung. Sie spaltet ja momentan die Gesellschaft. Pflicht hin oder her." Die Figur zeigt einen Menschen mit einer großen Spritze, die eine Krone impft: "Und man sieht den gespaltenen Baumstamm, wo die Krone drin steckt. Solche Themen findet man auch wieder in den Plößberger Krippen." Denn laut Haubner bekommt das Brauchtum dadurch immer wieder neue Impulse und entwickelt sich weiter.

In den Plößberger Krippen gibt es weitaus mehr Figuren als es in normalen Krippen üblich ist. "Die meisten kennen ja nur das Geburtsgeschehen, die Hirten und die drei Könige", erzählt der Schreiner. "Bei den Plößberger Krippen weitet sich das natürlich aus." Hinzu kommt, dass es sich bei diesen Krippen um Hauskrippen handelt, die fester Bestandteil der Häuser sind. "Die Krippen sind Zimmergroß und oft 20 bis 25 Quadratmeter groß", erklärt Haubner. Diese Krippen haben oft um die 300 Figuren.

Goaßreiter und Baamrutscher

Die Hauskrippe des Plößbergers nimmt einen eigenen Raum im Keller ein. Die Krippe ist in zwei Teile aufgeteilt. Sie zeigt biblische Szenen, wie den Tempelgang der Maria, den 12-Jährigen im Tempel und Jesus und die Ehebrecherin. Es gibt auch einen weltlichen Teil, der Alltagsszenen zeigt: "Das sind alte Handwerksberufe. Und die Jagd spielt natürlich auch immer eine große Rolle." In der Krippe wimmelt es von unzähligen Figuren, die Menschen und Tiere darstellen. "Und dann gibt es noch ein paar Besonderheiten. Da gibt es diesen Jungen, der auf die Ziege aufsteigt", erzählt Haubner und nimmt die Figur in die Hand. Die Ziege galt früher als die "Kuh des kleinen Mannes" und darf deshalb nicht fehlen. "Das ist der Goaßreiter. Der fehlt natürlich in keiner Plößberger Krippe." Neben dem Goaßreiter findet man in den Krippen noch eine weitere Figur, die laut Haubner traditionell nicht fehlen darf: "Den Baamrutscher. Der rutscht über einen durchgebogenen Ast so drüber."

Krippenbauer in der Krippe

Eine Szene gefällt dem 55-Jährigen besonders gut: "Absoluter Favorit, das ist natürlich immer so abhängig, was gerade aktuell ist. Was sehr zeitlos ist, ist praktisch der Krippenbauer selber, der hier seine Krippen schnitzt." In einem kleinen Häuschen stehen die zwei Figuren. Während einer schnitzt, baut der andere eine kleine Hauskrippe auf. Ein Christbaumdieb hat sich auch noch im Hintergrund versteckt.

Was sofort auffällt: Die Hauskrippen sind sehr aufwendig gestaltet. "Die Landschaft ist aus Naturmaterial gebaut. Das ist so überliefert. Man holt Wurzeln aus dem Wald und Rinden und Moos. Und dann baut man diese Landschaft", erzählt der Schreiner und schaut stolz auf seine Hauskrippe. Die Häuser und Figuren bauen und schnitzen die Krippenbesitzer dann selber.

Tradition aus dem 18. Jahrhundert

Eine Eigenart in Plößberg ist, dass es Hauskrippen sind. "Das bleibt immer im Haus und wird vererbt. Und die Erben führen das Hobby meist dann weiter. Auch selbst wenn eine Generation mal aussetzt, fängt die nächste Generation bestimmt wieder an", erzählt Haubner über die Tradition der Plößberger Krippen. Die Tradition des Krippenschnitzens gibt es schon lange in Plößberg. Sie geht auf das 18. Jahrhundert zurück. "Da gab es die Glasofenmaurer. Die waren während der Sommermonate unterwegs, und haben die Glasöfen gemauert, also wo das Glas geschmolzen worden ist. Die haben diese Eindrücke gesammelt, und das haben sie dann mit nach Plößberg gebracht. Wahrscheinlich haben sie auch in Tirol und in Böhmen dieses Brauchtum gesehen", erklärt der Krippenschnitzer zur Tradition. Für die Glasofenmaurer war es vor allem ein Einkommen während der Wintermonate: "Es hat kein Arbeitslosen- oder Stempelgeld zu der Zeit gegeben. Und darum haben wir auch eine große Vielfalt von diesen besonderen Figuren."

Und diese Figuren sind dauerhaft im Krippenmuseum in Plößberg ausgestellt. Alle fünf Jahre veranstalten die Plößberger Krippenschnitzer vom Oberpfälzer Waldverein (OWV) eine Ausstellung. 2020 hätte sie wieder statt finden sollen, aber die Corona-Pandemie hat den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Haubner erzählt: "Jetzt haben wir es schon zweimal verschoben wegen Corona. Und eigentlich haben wir uns für diese Krippenschau, die jetzt eigentlich sein sollte, etwas besonderes einfallen lassen." Die Krippenschnitzer wollen die größte Krippe der Welt bauen. "Also fast jeder Krippenbesitzer gibt seine Figuren dazu. Und dann wird eine gigantische Krippenlandschaft, von ungefähr 150 Quadratmetern gebaut, und wird dann mit diesen Figuren bestückt", erzählt der Schreiner stolz. Am meisten freut es ihn, dass bei den Krippenschauen der ganze Ort zusammen hilft: "Es ist wirklich sehr schön. Da helfen auch sehr viele dazu, die überhaupt nichts mit der Sache zu tun haben."

Seit der Kindheit

Haubner erzählt, dass er seit seinem fünften Lebensjahr kleine Figuren schnitzt: "Die ersten Teile sind meistens Schafe. Diese sind eigentlich relativ schwierig, weil sie vier Beine haben. Einfache Mandl wären einfacher zum Schnitzen." Für das Holz der Figuren nehmen die Krippenschnitzer die Sorte her, die mit der Tradition überliefert worden ist. "Also zum Schnitzen nehmen wir hier in Plößberg überwiegend Lindenholz. Kommt natürlich aus der Tradition, weil früher alle Leute einen Lindenbaum vor der Haustür hatten und aus den Restästen, die runter gefallen sind, hat man die Krippenfiguren gemacht," erzählt der Schreiner. Für jeden Krippenschnitzer ist auch die eigene Stilrichtung wichtig: "Es gibt nichts schlimmeres, als wie wenn alle Figuren gleich ausschauen. Und drum ist wirklich gut, dass jeder seine Ideen, vielleicht auch manchmal Einfachheiten einbringt."

Spätestens im Oktober, wenn es zu herbsteln beginnt, dann kribbelt es den 55-Jährigen in den Fingern. "Im Sommer schnitzt man eigentlich weniger. Im Herbst bricht dann der „Krippevirus“ aus. Dann schaut man schon, wo das Messer ist und ob das Lindenholz passend ist", erzählt er und lacht.

Hopfen und Malz, Irchenrieth erhalt's

Irchenrieth
Hintergrund:

Die Plößberger Krippenschau

  • Die Plößberger Krippen zeigen sowohl biblische als auch weltliche Szenen.
  • Die Kulisse für die Krippen bauen die Krippenschnitzer selbst.
  • Für die Krippenschau gibt es Führungen, da viele der Figuren erklärt werden müssen.
  • Für die nächste Krippenschau plant der Oberpfälzer Waldverein (OWV) die "größte Krippe der Welt".
  • Veranstaltungsort: Kultursaal Plößberg, Jahnstraße 1, 95703 Plößberg
  • Voraussichtlicher Nachholtermin für 11. Plößberger Krippenschau: 26. November 2022 bis 15. Januar 2023
echt.Oberpfalz:

Serie: Besondere Menschen und Orte in der Region

Was macht die Oberpfalz so einzigartig? - Dieser Frage gehen die Volontäre von Oberpfalz-Medien auf den Grund. Anlässlich des diesjährigen Dreifach-Jubiläums im Medienhaus wollen sie die Vielfalt der Region würdigen. Sie suchen für die Serie "echt. Oberpfalz" nach besonderen Menschen, kreativen Köpfen, bunten Hunden, außergewöhnlichen Vereinen oder verrückten Traditionen, die unsere Heimat so einzigartig machen. Die Volontäre fahren einmal quer durch die Oberpfalz und machen Halt an berühmten und auch vielleicht nicht so berühmten Orten. Den Auftakt macht die Biodiversitätsgemeinde Tännesberg. Und es sollen noch viele weitere Städte und Gemeinden folgen. Bei Ihnen gibt es auch etwas Besonderes und Einzigartiges in Ihrem Heimatort? Dann schreiben Sie uns an jubi[at]oberpfalzmedien[dot]de. Vielleicht schauen unsere Volontäre auch in Ihrer Heimat vorbei.

 

 

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