08.01.2019 - 16:16 Uhr
PressathOberpfalz

Fluchthaus in Pressath: Hetzjagd durch alte Metzgerei

Viele können sich an die alte Metzgerei in der Pressather Hauptstraße 8 wohl nicht mehr erinnern. Vor über 60 Jahren hat es hier Wurst, Fleisch und Käse gegeben. Bald kommen Bürger hier wieder auf ihre Kosten - auf andere Art.

Zu dem Pressather Billard-Bistro „Tip Top“ in Pressath gesellt sich bald das „Fluchthaus“.
von Marion Espach Kontakt Profil

Ein Konzept, das in Weiden zahlreiche Gäste anlockt, gibt es in absehbarer Zeit auch in Pressath: Die frühere Fleischerei wird zum Live Escape Room. Und der soll nicht nur genauso erfolgreich wie das Weidener "Fluchthaus" werden, sondern auch den gleichen Namen tragen. "Damit man erkennt, dass beide Fluchthäuser zusammengehören", erklärt Christian Seebauer (25), einer der zukünftigen Betreiber des Pressather Escape Games.

Zwar ähnelt das Spiel in der alten Metzgerei dem in Weiden. "Trotzdem sind wir ein eigenständiger Escape Room", betont Seebauer. Was genau Besucher hier erwartet, will der Weidener noch nicht verraten. Nur eines lässt er verlauten: Die Vergangenheit der einstigen Metzgerei spielt dabei eine wichtige Rolle. "Weshalb es auch ,Die alte Metzgerei' heißt."

Die Idee kam Seebauer und seinem Kollegen Marius Hempel, ebenfalls aus Weiden, im August 2018. Seitdem ging alles schnell: einen Bauantrag stellen, auf die Genehmigung warten - und schon konnten die Arbeiten beginnen. Mit Ufuk Solak und Mustafa Uslu, den Inhabern des Weidener Fluchthauses, stehen ihnen dabei Experten zur Seite. "Wir arbeiten eng mit den Jungs zusammen", erklärt Seebauer, der auch das Pressather Billard-Bistro "Tip Top" und den "Dubai Shisha Palace" in Altenstadt/WN betreibt. Mit "eng zusammenarbeiten" sei hauptsächlich der Erfahrungsaustausch gemeint. "Sie wissen, worauf es bei den Spielen ankommt und geben uns echt gute Tipps."

Wird Weidener Juz zum "Escape-Haus"?

Weiden in der Oberpfalz

Erfahrung darin haben Seebauer und Hempel schon genügend gesammelt. "Wir haben bei schon Escape Games in Nürnberg, München und Ingolstadt mitgemacht. Hauptsächlich, um Ideen für unser eigenes zu sammeln." Aber: "Wir wollen was Neues machen und nicht andere Spiele kopieren." Das Konzept haben sie deshalb immer wieder umgeworfen, verändert und angepasst. "Da stecken wir unser Herzblut rein."

Zu Hundert Prozent steht das Rätselspiel trotzdem noch nicht. "Das ist echt schwierig. Es darf nicht zu kompliziert sein, aber auch nicht zu einfach." Für den Feinschliff bleibt den beiden noch etwas Zeit, Ende März soll das Fluchthaus voraussichtlich eröffnen. Damit bis dahin alles perfekt ist, testen in ein paar Wochen Freunde der Ideengeber das Escape Game. "Und wir verlosen noch Testspiele. Wie und wo man mitmachen kann, geben wir noch bekannt", verrät Seebauer. Genauso wichtig wie das perfekte Rätsel ist Seebauer und Hempel auch die Sicherheit der Spieler - vor allem mit Blick auf den Brand in einem polnischen Escape-Room. Eine Tragödie, die im Fluchthaus nicht passieren könnte. "Jeder unserer Räume hat zwei Fluchtwege und wird zusätzlich von zwei Kameras überwacht", betont Seebauer. Überhaupt seien deutsche Standards hinsichtlich des Brandschutzes mit denen in Polen nicht zu vergleichen. Der Meinung ist auch Ufuk Solak vom Weidener Fluchthaus. "Fluchtwege, Brandschutztüren, Alarmanlage - das muss in Deutschland alles gewährleistet sein." Erfüllt ein Escape Room diese Anforderungen nicht, darf er gar nicht erst eröffnen.

Abschrecken würde das Unglück in der polnischen Stadt Koszalin die Leute aber nicht. "Zumindest haben wir seitdem nicht weniger Besucher", meint Solak. Allerdings werden sie vorsichtiger, wie er bemerkt: "Vor kurzem hat sich eine Gruppe Jugendlicher für ein Spiel angemeldet. Eine Mutter hat sie begleitet und gefragt, ob bei uns alles sicher ist."

So sicher wie die Spielstätten sind, so sicher ist sich Christian Seebauer auch, dass das Fluchthaus in Pressath gut ankommt. "Auch wenn zwei Anwohner meinten, dass die Stadt so etwas nicht braucht." Ob das spezielle Angebot in der Hauptstraße 8 ein Muss ist oder nicht, davon kann sich bald jeder selbst ein Bild machen.

Sicher im Escape Room:

Auch ein Abenteuer sollte sicher sein. Diese Meinung vertritt der Fachverband der Live Escape & Adventure Games e.V. und beschäftigt sich daher mit Vorschriften und der Sicherheit in Escape Rooms – vor allem, nachdem fünf 15-jährige Mädchen bei einem Brand in einem Escape Room im polnischen Koszalin ums Leben kamen.

Warum das Feuer ausbrach, ist zwar noch unklar. Nach ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft soll aber ein undichter Gasbehälter Grund dafür sein.

Der Fachverband nimmt zu der Tragödie auf der Internetseite www.escape-maniac.com Stellung und betont, dass „der Brandschutz in Deutschland einen sehr hohen Standard und Stellenwert hat und mit der bisherigen Handhabung in Polen nicht vergleichbar ist“. So schreiben deutsche Baurechtsämter klar vor, welche Brandschutzrichtlinien in einem Escape Room einzuhalten sind. „Wer sich nicht daran hält, darf nicht eröffnen“, bestätigt Ufuk Solak, Inhaber des Weidener „Fluchthauses“. Fluchtwege und Brandschutztüren seien beispielsweise Pflicht. Viele Escape Rooms werden außerdem nicht wirklich abgeschlossen, so dass Spieler den Raum jederzeit verlassen können. Die meisten Räume sind zudem mit Notfallöffnern versehen.

Eine alte Pressather Metzgerei wird zum „Fluchthaus“. Ende März sollen die ersten Escape Games starten.

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