06.09.2020 - 12:47 Uhr
PressathOberpfalz

Die Geschichte der Döllnitzer Dorfkapelle

Unterlagen über den Kapellenbau in Döllnitz im Jahr 1896 stehen im Archiv des ehemaligen Pressather Stadtpfarrers Ludwig Bock. Daraus lässt sich Erstaunliches herauslesen.

Die Kapelle in Döllnitz steht schon seit 124 Jahren. Zwischenzeitlich wurde sie mal renoviert.
von Autor ISProfil

Über dem Eingang der kleinen Dorfkapelle von Döllnitz ist auf einer Steinplatte das Jahr der Erbauung des Gotteshauses verewigt: 1896. Also vor nunmehr 124 Jahren wurde der Bau fertig gestellt. Den Gedanken an eine eigene Kapelle hatten die Döllnitzer bereits einige Jahre vorher. In alten Urkunden ist zu lesen, dass am 27. Februar 1896 ein „Situationsplan“ über eine neu zu erbauende Ortskapelle in Döllnitz vorgelegen hat. Diese Kapelle soll auf dem Gemeindegrund Flurnummer 608 nebst einem Gemeindehirtenhaus errichtet werden. Im damaligen Lageplan steht geschrieben: 1. Die neue Kapelle nebst Gemeindegrund, 2. Das Gemeindehirtenhaus nebst Hofraum, 3. Der Obstgarten des Georg Groß, 4. Das Feuerwehrrequisiten-Häuschen, 5. Der Obstgarten der Witwe Hoesl, 6. Das Wohnhaus nebst Stadel und Garten des Georg Häring.

Auch die Kapelle in Wollau ist schon alt

Wollau bei Pressath

Auf der Rückseite des Lage-Bauplanes ist zu lesen: „Zur Anerkennung des vorliegenden Bauplanes unterzeichnet, Döllnitz den 29. Februar 1896, der Ortsausschuss: Georg Maier, Georg Häring, Johann Wagner, Johann Neumann, Georg Groß, Johann Naber, Wolfgang Neumann, Johann Legat, Johann Baptist Hösl (als Vertreter seiner Mutter Elisabeth Hösl)." Darunter steht ein Vermerk des Königlichen Bezirksamtes Eschenbach vom 13. Juni 1896: „Baupolizeilich zur plan- und bauordnungsmäßigen Ausführung genehmigt unter der Bedingung, dass die seitens der Revision angeordneten Änderungen eingehalten werden.“

Unter gleichem Datum schreibt das Bezirksamt: "Erbauung einer Ortskapelle in Döllnitz mit 1. Bauplan und 1 Kostenvoranschlag mit 2 Beilagen. Kehrseits folgt Abschrift der hohen Reg., Entschl. Vom 3. Juni 1896 Nr. 8334 zur Eröffnung an die Ortsgemeinde Döllnitz. Die Kapelle ist genau an der auf dem Plan von Revisionswegen eingezeichneter Weise zur Ausführung zu bringen und ist über die Vollendung seiner Zeit anher zu berichten. Bauplan und Kostenvoranschlag lieben bei. -Der kgl. Bezirksamtmann Wolfenstetter."

Im Schreiben der Königlichen Regierung der Oberpfalz und der Regensburger 2. Kammer des Inneren steht: „In der Anlage folgen die Beilagen des Berichts vom 17. März anher zurück mit dem Eröffnen, dass das vorgelegte Projekt für die von der Ortsgemeinde Döllnitz geplante Feldkapelle zur Ausführung sich nicht eignen würde, nachdem gemäß Äußerung des bischöflichen Ordinariates Regensburg und unseres Kreisbaureferates diese Kapelle, auch wenn sie noch so einfach und billig hergestellt werden soll, doch eine richtige und würdige Form erhalten muß. Es wurde jedoch das Projekt obertechnischerseits einer Verbesserung unterzogen und besteht nunmehr gegen die Ausführung der Feldkapelle nach dem revidierten Bauplane vorbehaltlich baupolizeilicher Genehmigung keine Erinnerung. Hiervon ist die Ortsgemeinde Döllnitz zu verständigen.“

Dieses Schreiben bedeutete, dass die Döllnitzer die Kapelle nicht wie geplant bauen durften. Aber sie hatten mit dem Bau bereits begonnen. Deshalb schrieb die Gemeindeverwaltung am 7. August an das Bezirksamt in Eschenbach: „Zum Auftrage in nebenbezeichneten Betreff vom 13. Juni 1896 wird hiermit auf Ansuchen der Interessenten nachfolgendes einberichtet: Die Ortsbewohner von Döllnitz bekennen sich schuldig, dass sie vor Einlauf der genehmigten Pläne den Bau der Kapelle in voreiliger Weise in Angriff genommen hatten, aber nachdem sie die Ausführung des Baues noch vor Beginn der Ernte vornehmen wollten und ihnen von katholischen Pfarramte Pressath die Eröffnung gemacht wurde, dass das hochwürdigste bischöfliche Ordinariat Regensburg in einer Zuschrift von Mai dieses Jahren keine Erwähnung von einer Änderung des ursprünglichen Planes gemacht habe, glaubten sie in keiner Weise behindert zu sein. Sie stellen deswegen an das Bezirksamt die gehorsame Bitte, es möchte nicht weiter auf eine Durchführung des geänderten Planes bestanden werden, da ihnen zudem weitere Barmittel gänzlich fehlen und die Ortsgemeinde durch den am 1. August des Jahres erfolgten Hagelschlags so schwer geschädigt wurde, dass für die nächsten Jahre an freiwillige Gaben nichts zu erhoffen ist. Gehorsam: die Gemeindeverwaltung Riggau, Regner Bürgermeister."

Nach mehreren Ortsterminen und verschiedenen Schreiben haben seinerzeit die Döllnitzer tatsächlichen ihre Kapelle nach den Änderungsvorlagen der Regierung abgeändert, nur in einem Punkte nicht: Das Türmchen beließen sie, wie sie es ohne Plangenehmigung errichtet hatten.

In Jahr 1981 haben die Döllnitzer ihr kleines Kirchlein bei einer Gemeinschaftsaktion renoviert. Im damaligen Pfarrbrief schrieb der unvergessene Stadtpfarrer Ludwig Bock, dass die Kapelle wieder eine Zierde dieses schönen, idyllische Dörfchens ist. Den ersten Gottesdienst nach der Renovierung zelebrierte der aus Döllnitz stammende Pfarrer Wenzel Häring am Sonntag 12. Juli 1981. Zusammen mit einer großen Anzahl von Gläubigen feierte der damalige Oberstudienrat Häring sein 25. Priesterjubiläum.

Der Altar des kleinen Gotteshauses.

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