05.03.2019 - 15:46 Uhr
PressathOberpfalz

Gewalt gegen Helfer: Sylvia Eibl setzt ein Zeichen

Sylvia Eibl kann es kaum fassen. Ihr Foto geht via Facebook um die Welt. So viel Resonanz auf ihre spontane, aber aufrüttelnde Aktion hat die Pressatherin nicht erwartet.

Ernste Miene zu einem ernsten Thema: Sylvia Eibl aus Pressath macht sich stark gegen Übergriffe auf Einsatzkräfte.
von Anne Spitaler Kontakt Profil

Blut läuft ihr aus der Nase, ein Auge ist blau. Fest umklammert hält Sylvia Eibl ein Schild in die Höhe. Darauf hat die Pressatherin geschrieben: "Wer Retter angreift, schlägt die Menschlichkeit!!! Respekt für Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei." Das Foto der 28-Jährigen, das das BRK Pressath auf seiner Facebook-Seite gepostet hat, haben mittlerweile über 6000 Menschen geteilt. "Sogar in Italien, in Österreich und der Schweiz", erzählt sie. Das Bild entstand beim Faschingszug in Pressath. Mit ihrem Kostüm wird Sylvia Eibl dort zu einer Mahnerin. Sie prangert alle an, die gegenüber Einsatzkräften gewalttätig werden.

Selbst hat die ehrenamtliche Helferin, die sich seit Jahren bei BRK und den Helfern vor Ort engagiert, zum Glück noch keine Übergriffe erlebt. "Aber du musst ja nur die Nachrichten anschauen", sagt sie. Als die am Abend vor dem Faschingszug über den Bildschirm flimmerten, kam ihr auch die Idee für das Kostüm. "Es war ganz spontan. Ich hab' gesagt, ich mach' das jetzt", erzählt sie.

Stellvertretend für alle

Kurz vor Beginn des Pressather Faschingszugs bastelte Eibl noch schnell das Schild, schrieb stellvertretend für alle ehrenamtlichen Helfer "Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei" darauf, beschmierte sich mit Kunstblut und malte einen Bluterguss auf die Haut. "Die Leute sollen sehen, was passiert, wenn man angegriffen wird. Jemand muss mal den Hintern in der Hose haben und das publik machen."

Respekt vor Helfern fehlt

Beim Faschingszug habe sie stets darauf geachtet, in der Nähe ihrer BRK-Kollegen zu bleiben. Nur für den Fall, dass jemand pöbelt. "Es gab aber nur positive Rückmeldungen", freut sich Eibl. "Dass es so durch die Decke geht, damit hat keiner gerechnet." Selbst in der Arbeit sei die 28-Jährige von Fremden angesprochen worden, ob sie die aus Facebook sei. "Ohne blaues Auge schaust aber besser aus", hieß es dann mit einem Augenzwinkern. Dass sich Sylvia Eibl derart für alle ehrenamtlichen Helfer einsetzt, findet Sandro Galitzdörfer, Kreisgeschäftsführer des Kreisverbandes Weiden und Neustadt/WN, toll. "Die Ehrenamtliche wollte ein Zeichen setzen. Früher waren Hilfskräfte eine Respektperson. Heute ist dieser Respekt nicht mehr vorhanden", sagt er. Gerade an Wochenenden oder bei Faschingsveranstaltungen, wo viel getrunken wird, sei die Hemmschwelle niedriger, und die Aggressivität nehme zu. "Ich verurteile Gewalt gegenüber Helfern aufs Ganze. Wir bringen auch alle Straftaten zur Anzeige."

Zwei bis Drei Mal im Monat komme es vor, dass Rettungskräfte verbal oder körperlich angegriffen werden, schätzt Jürgen Meyer, Pressesprecher der ILS Nordoberpfalz. "Beim letzten Sturm haben Feuerwehrleute Straßen abgesperrt und wurden deswegen bespuckt", berichtet er. Wie die Einsatzkräfte mit solchen Situationen umgehen können, lernen sie bei Deeskalationstrainings. "Der personale Eigenschutz hat oberste Priorität", betont Galitzdörfer.

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