10.02.2020 - 11:09 Uhr
PressathOberpfalz

Sammler entdecken seltenen Pilz bei Pressath

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Sein Name erinnert an die "Harry Potter"-Bücher. In der Auenlandschaft von Pressath wächst ein äußerst seltenes Schwammerl namens "Trollhand". Erst zwei Funde des Pilzes sind in Bayern verzeichnet, in der Oberpfalz bislang kein einziger.

Mystisch sieht sie aus, die "Trollhand". Die kleinen braunen Wülste des Pilzes könnten auch Finger sein.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Es ist wie das Eintauchen in eine Märchenwelt, wenn sich Erhard Walberer und Martina Franke einen Weg in das Innere der riesigen Weidenbüsche bahnen, die in den Haidenaab-Auen bei Pressath stehen. Die mit Moos überzogenen Äste schirmen die dort wachsenden Lebewesen gut von der Außenwelt ab. Von außen nicht sichtbar, zeigen die Büsche erst im Inneren, welchen Schatz sie hüten - nämlich einen seltenen Pilz, bei dem nicht nur der Name ungewöhnlich ist. Die beiden Pilzsammler haben die "Trollhand" durch Zufall dort entdeckt. Walberer wollte Franke eigentlich nur den Samtfußrübling zeigen - einen Winterpilz, den er an diesem Platz gefunden hatte. Dabei entdeckte die Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie dann auf einem morschen Ast einen auf den ersten Blick unscheinbaren Pilz und konnte bei näherem Inspizieren kaum glauben, was sie da sieht.

Wie lange, knubbelige Finger strecken sich die Wülste der "Trollhand" den morschen Ast entlang. "Seit 25 Jahren suche ich diesen Pilz, und hier finde ich ihn", schwärmt die Pilzberaterin aus Schwarzenbach. "Das ist so ein schöner Pilz, er fasziniert mich dermaßen." Die "Trollhand" ist aber nicht der alleinige Gast auf diesem Ast. Direkt unter ihr wächst die "Tabakbraune Borstenscheibe". "Die scheint die ,Trollhand' zu mögen", meint Franke. Die Pilzberaterin weiß durch die Lektüre von Fachliteratur auch, dass der Pilz, der eher einen festen, knorpeligen Fruchtkörper hat, wegen seiner Seltenheit auf der "Roten Liste" steht.

"Man müsste jetzt alle Büsche absuchen", überlegt Walberer. Und dann findet Franke tatsächlich ein weiteres Exemplar, nur gut einen Meter von dem ersten entfernt. "Das gibt's ja nicht. Den haben wir übersehen", freut sie sich und sieht sich weiter um. "Da ist noch eine, und da auch. Das ist ja wie im Traum", ruft die Schwarzenbacherin begeistert, und auch Erhard Walberer kann sein Glück kaum fassen, dass gleich bis zu sieben Exemplare des seltenen Pilzes in dem Weidenbusch bei Pressath wachsen. Er und Franke wollen ihren besonderen Fund nun mit anderen Pilz-Fans teilen und die Koordinaten des Fundorts der Deutschen Gesellschaft für Mykologie melden - als ersten Fund in der Oberpfalz.

Info:

Bayernweit nur zwei gemeldete Funde

Die "Trollhand" zählt zu den seltenen Pilzarten und ist unter Forschern sehr begehrt. "Es gibt nur zwei gemeldete Funde bayernweit", informiert Thomas Zick, Pilzsachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie und Vizepräsident der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft (BMG), auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "In der Oberpfalz ist die ,Trollhand' noch gar nicht gemeldet." Deshalb freut es Zick umso mehr, dass nun auch im oberpfälzischen Pressath ein Fund verzeichnet werden könne. Doch Vorsicht sei bei diesem Pilz geboten: "Bei dem weiß man nicht, ob er giftig ist oder nicht", sagt Zick.

Rudi Markones ist ebenfalls Vorstandsmitglied der BMG und hat die "Trollhand" selbst schon gefunden. Von ihm stammen die beiden gemeldeten Funde in Bayern - beide aus Unterfranken. Aus seinen Beobachtungen heraus weiß er, dass der Pilz gerne an Weiden wächst, Feuchtigkeit mag und als Parasit auf den Fruchtkörpern der "Tabakbraunen Borstenscheibe" lebt. In der Oberpfalz wurde Markones trotz intensiven Suchens noch nicht fündig. Deshalb interessiert ihn der Fund bei Pressath sehr. Dass es dort gleich bis zu sieben Exemplare gibt, wundert ihn nicht. "An den Stellen, die ich gefunden habe, habe ich bestimmt 20 gesehen", berichtet er. "Wenn etwas hoch kommt, dann sind es immer mehr", weiß der versierte Sammler und Forscher.

Schwammern bei Minusgraden

Pressath
Sie haben den seltenen Pilz in der Nähe von Pressath entdeckt: Erhard Walberer und Martina Franke sind begeistert von ihrem Fund.
In diesem Gestrüpp entdecken die beiden Sammler den Pilz - ein großer Zufall.
Nicht nur an einer, nein, gleich an mehreren Stellen wächst die "Trollhand" in dem Weidenbusch, der in den Haidenaab-Auen steht.
Das seltene Schwammerl inspiziert Pilzberaterin Martina Franke genau. Die Koordinaten des Fundortes gibt sie an die Deutsche Gesellschaft für Mykologie weiter.
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