22.01.2020 - 10:13 Uhr
PressathOberpfalz

Schwammern bei Minusgraden

Pilzsucher gibt es in der Region wie die Schwammerl im Wald. Doch nur wenige sind so wie Erhard Walberer. Der Pressather zieht sogar im Winter mit Korb und Messerchen los.

Die meisten Menschen würden diese Pilze stehen lassen, Erhard Walberer aber nimmt die Samtfußrüblinge mit nach Hause und bereitet sich eine Mahlzeit damit zu. Das Ungewöhnliche: Der Pilz wächst auch im Winter.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Die Pilzsaison endet nicht schon im Spätherbst. Das weiß Erhard Walberer nur zu gut. Denn der 69-Jährige geht schon lange auch im Winter "in die Schwamma" und bringt meistens sogar einen größeren Fund mit nach Hause. Zwar stehen dann nicht Steinpilze, Eierschwammerl und Maronen auf seiner Speisekarte, essbar sind die Funde aber trotzdem - und sie schmecken ihm. "Ich habe schon 30 verschiedene Pilze bei uns gegessen", erzählt der Pressather. Meistens müsse er diese aber allein genießen, denn die Familie bleibe skeptisch. Auf den Teller kommen beispielsweise der Goldgelbe Zitterling oder der Samtfußrübling, der selbst bei Frost an Laubbäumen wachse. Walberer betitelt den Samtfußrübling auch als Vitalpilz, der laut ihm sogar krebshemmend sein soll. "Ich habe ihn in den letzten Wochen in der Talaue der Haidenaab an Weidenbäumen und - büschen gefunden", berichtet er. Dafür war er an der Kahrmühle flussabwärts unterwegs. Der 69-Jährige schreckt für seine Leidenschaft nicht zurück, bei Kälte durch dichtes Gestrüpp zu kriechen. Belohnt wird er oft mit Fleckchen unberührter Natur und eben mit essbaren Winterpilzen. "Wie im Märchenwald", schwärmt er.

Die dort gesammelten Samtfußrüblinge bereitet er sich zu Hause dann gerne nach dem italienischen Gericht "Bruschetta norma" zu: geröstetes Brot, grünes Pesto, Parmesan und die angebratenen Pilze. "Aromatisch, würzig - ähnlich wie Steinpilze", beschreibt er den Geschmack des ungewöhnlichen Speisepilzes.

Angst, dass zwischendurch doch einmal ein ungenießbarer oder gar giftiger Pilz dabei sein könnte, hat Walberer nicht. "Ich nehme nur die, bei denen ich mir 100 Prozent sicher bin, oder gehe damit zur Pilzberaterin." Der 69-Jährige, der schon seit 60 Jahren Schwammerl sucht, vertraut dabei auf seine Kenntnisse aus der Literatur, mit der er sich viel beschäftigt.

Bei anderen Pilzsuchern stößt der Pressather hingegen oft auf Skepsis und wird belächelt. Doch das hält ihn nicht davon ab, seiner Leidenschaft nachzugehen. Schließlich will er nicht auf seine Leibspeise verzichten - selbst im Winter nicht.

Info:

Pilzexperte über Winterpilze

Zwei Exemplare fallen dem ehrenamtlichen Pilzberater der Stadt Weiden, Norbert Griesbacher, aus dem Stegreif ein, wenn es um das Thema "Winterpilze" geht: der Austernseitling und der Samtfußrübling. "Der Austernseitling hat zartes Fleisch und wächst nur von Oktober bis März", berichtet der Pilzberater, der auch schon ein Buch mit dem Titel "Schwammerlsuche in Bayern" geschrieben hat. Der Pilz brauche einen Kälteschock, um zu fruchtizieren. "Klassische Speisepilze kann man dagegen vergessen, wenn der Frost kommt."

Auch den Samtfußrübling treffe man im Winter an - meist an Weiden wachsend. Die Kappe des Fruchtkörpers sei gelb-braun, klebrig und habe Lamellen, der Stiel hingegen sei schwarz-samtig. "Die Stiele sollte man entfernen. Sie sind sehr fest", rät Griesbacher. Der Rest des Pilzes sei aber schmackhaft - zum Beispiel als Samtfußrübling-Suppe. Die hat sich der Schwammerlsucher selbst auch schon zubereitet.

Der Goldgelbe Zitterling ist ein Pilz, den der Pressather auch gerne ins Körbchen legt.

Lebenswerk Pilze: Norbert Griesbacher über sein Buch "Schwammerlsuche in Bayern"

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Pilzberater Norbert Griesbacher: "Das war eine richtige Sensation"

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