07.08.2018 - 18:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Äthiopien beherbergt eine Million Flüchtlinge

Pfarrer Petros Berga berichtet von der Entwicklung in seiner Heimat. Das Land am Horn von Afrika ist der Partner des Bistums Regensburg beim diesjährigen Weltmissionssonntag.

Der äthiopische Pfarrer Petros Berga.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

(paa) Äthiopien hat in den vergangenen Wochen hierzulande mehrfach Schlagzeilen gemacht - hoffnungsvolle und besorgniserregende. Petros Berga, äthiopischer Pfarrer aus der Hauptstadt Addis Abeba und Projektpartner des Bistums Regensburg, betont im Gespräch am Dienstag in Regensburg die hoffnungsvollen Entwicklungen.

Da ist der überraschende Friedensschluss, 20 Jahre nachdem der zweijährige Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea begonnen hat. Angestoßen hat die Aussöhnung der seit wenigen Monaten regierende äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed - ein Hoffnungsträger, obwohl er der seit Jahrzehnten regierenden Einheitspartei angehört. Der Friedensschluss wurde von den Menschen begrüßt, berichtet Pfarrer Berga. Das wiederum motiviere Politiker, den eingeschlagenen Weg beizubehalten.

Der neue Premier erinnert den 44-jährigen Katholiken an Papst Franziskus. Die Art und Weise, wie Ahmed - Kind einer Christin und eines Muslim - kommuniziere, binde andere ein und sorge so für Zusammenarbeit. "Ohne Frieden und Zusammenarbeit gibt es keine Entwicklung", sagt Berga. Das hat der Premier offensichtlich erkannt. Bevor er ins Ausland reiste, habe er die äthiopischen Provinzen besucht, um die jüngsten Spannungen zu dämpfen. Zudem hat er seit Jahren inhaftierte Oppositionelle freigelassen.

Video über Äthiopien

Das Land am Horn von Afrika gilt als Wiege der Menschheit, dort wurde in der Afar-Region das mehr als drei Millionen Jahre alte Skelett der Urahnin Lucy gefunden. Viele verbinden Äthiopien auch mit Kaffee, der aus dieser Weltgegend stammt. Zudem steht das ostafrikanische Land für sein urchristliches Erbe.

Das Land ist seit dem 4. Jahrhundert christlich. Heute sind rund 60 Prozent der 100 Millionen Äthiopier Christen, 33,9 Prozent sind Muslime, 2,6 Prozent gehören traditionellen Religionen an, und der Rest ist ohne Bekenntnis. 43,5 Prozent sind orthodoxe Christen, 18,6 Prozent sind protestantisch, darunter gehören viele den schnell wachsenden Pfingstkirchen an. Die Katholiken sind mit 0,7 Prozent eine kleine Minderheit. Was auch ein Vorteil sein kann, macht Berga deutlich. Sein Kardinal scherze manchmal, die Katholiken seien zu wenige, um anderen Angst zu machen. Gleichwohl spielt die katholische Kirche eine wichtige Rolle in der Zivilgesellschaft, unterstreicht der Pfarrer. Sie sei "Licht und Salz".

Die katholische Kirche ist zweitgrößter Betreiber von Kindergärten, Schulen und Universitäten im Land - insgesamt rund 400. Die Bildungseinrichtungen sind wegen ihre Qualität begehrt und stehen allen offen: Christen und Muslimen. Zudem betreibt die Kirche 80 Kliniken. Leistungen, die ohne die Unterstützung der Kirchen in Europa nicht möglich wäre. Derzeit besucht der 44-Jährige das Bistum Regensburg und Missio in München, um die Zusammenarbeit und die diesjährige Aktion zur Weltmission zu besprechen, bei der seine Heimat im Mittelpunkt steht. Im Juni war eine Delegation aus Regensburg zur Vorbereitung in Äthiopien gewesen. Im Oktober kommen neun Gäste ins Bistum, um über das ostafrikanische Land zu berichten. Allein im Oktober gibt rund 50 Veranstaltungen. Höhepunkt ist der Abschluss am 28. Oktober mit der zentralen Feier des Weltmissionssonntags 2018.

Die Regierung holt seit der Jahrtausendwende Investoren ins Land und investiert in Infrastruktur sowie Bildung, weshalb die Wirtschaft rasant gewachsen ist. Trotzdem gehört das Land noch immer zu den ärmsten der Welt. Auf dem "Human Development Index 2016" liegt Äthiopien auf Platz 174 von 188 Ländern.

Deutsche Gesprächspartner können aus Begegnungen mit den Äthiopiern einiges mitnehmen. Fluchtursachenbekämpfung, ein Schlagworte in der deutschen Debatte über die Flüchtlinge, wird in Äthiopien von der Kirche seit Jahren geleistet. Das Land beherbergt rund eine Million Flüchtlinge - laut UN-Angaben rund 485 500 Südsudanesen, etwa 62 000 Sudanesen, gut 131 300 Eriträer und 231 300 Somalier. Unter anderem mit Stipendien versuche die Kirche junge Menschen davon abzuhalten, nach Europa oder in die USA zu gehen.

Hintegrund:

Missio

Lebensbedingungen in der Welt verbessern – das ist das Anliegen von Missio München, eines der gleichnamigen päpstlichen Missionswerke, die sich der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit auf kirchlicher Basis widmen. Zentrale Aktion ist der Weltmissionssonntag, die größte Solidaritätsaktion der Katholiken weltweit. Der Weltmissionssonntag wurde 1926 von Papst Pius XI. erstmals ausgerufen. Die zentrale Abschlussveranstaltung findet in diesem Jahr am 28. Oktober in Regensburg statt. (paa)

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