17.10.2021 - 16:02 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bayern fördert Long-Covid-Projekt an der Kinderuniklinik Regensburg

Auch Kinder und Jugendliche leiden an Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung. Forschung und Behandlung bekommen nun einen Schub. Dabei spielen auch Daten aus Tirschenreuth eine Rolle.

Paul Kellner (9), Lorenz Neumann(12), Felix Neumann (3), Luis Kellner (13) und Ida Neumann (10, von links) zeigen im Juli stolz ihre Pflaster, die sie nach dem Blutabnehmen bekommen haben.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Kinder und Jugendliche erkranken weniger schwer an Covid-19 als Erwachsene, gleichwohl gibt es auch unter ihnen einige, die über Wochen und Monate an den Spätfolgen leiden. Mit dem Projekt "Post-Covid Kids Bavaria" wollen die Kinderuniversitätsklinik der Barmherzigen Brüder Regensburg, das Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der München Klinik und das Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM) Kinder und Jugendliche mit Post-Covid-Syndrom frühzeitig und möglichst wohnortnah auffangen und behandeln. Wie das bayerische Gesundheitsministerium am Freitag mitteilte, unterstützt der Freistaat das Projekt zunächst mit rund 1,7 Millionen Euro.

Die Kinderuniversitätsklinik in Regensburg befasst sich seit Beginn der Pandemie mit Fragen des Schutzes von Schülern, der Behandlung einer Covid-Erkrankung bei Kindern und Jugendlichen sowie möglichen Folgen einer Erkrankung. Um Daten zu gewinnen, ermittelte etwa Professor Michael Kabesch und sein Team Coronavirus-Antikörper bei Kindern im Landkreis Tirschenreuth. Zudem befasst sich die Klinik mit PIMS, dem Pädiatrischen Multiorgan Immun-Syndrom – einer möglichen Folge bei Kindern nach einer Corona-Infektion oder Covi-19-Erkrankung. Zur Erforschung und Behandlung von PIMS sind unter anderem auch die Kinderärzte in der Oberpfalz und die Kinderklinik Weiden eingebunden.

Modellprojekt Gurgeltest an Schulen entwickelt

„Etwa zehn Prozent aller an Covid-19 erkrankten Erwachsenen kämpfen nach Expertenschätzungen mit Spätfolgen. Das entspräche in Bayern derzeit rund 74.000 Betroffenen", sagt der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) laut Mitteilung seines Ministeriums vom Freitag. Zur Frage, wie häufig die Langzeitfolgen bei Kindern und Jugendlichen auftreten, gebe es noch keine gesicherten Erkenntnisse. "Fakt ist aber: Auch Kinder und Jugendliche können vom Post-Covid-Syndrom betroffen sein“, betonte der Politiker. Erschwerend kommt aus Sicht der Ministers hinzu, dass es für die jüngsten Altersgruppen noch keine Impfmöglichkeiten gebe. "Umso wichtiger ist es deshalb, dass sich alle impfen lassen, die sich impfen lassen können, also grundsätzlich alle Erwachsenen und alle Kinder ab zwölf Jahren", betont Holetschek. "Nur so können auch die Jüngsten geschützt werden."

Kabesch, ärztlicher Direktor der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg und Leiter des Wissenschafts- und Entwicklungs-Campus Regensburg (WECARE), entwickelte zudem mit seinem Team im vergangenen Schuljahr den Gurgeltest für eine sicheren Schulbetrieb. An der Modellstudie WICOVIR ("Wo ist das Corona-Virus?") beteiligten sich auch Schulen in den Kreisen Schwandorf und Tirschenreuth. Die Macher zogen nach sechs Monaten, zum Ende des Schuljahrs eine positive Bilanz des Projekts. Ziel sei gewesen, zu zeigen, dass das Pool-System und der Gurgel-PCR-Tests nicht nur funktioniere, sondern auch flächendeckend eingesetzt werden könne, sagte Kabesch Ende Juli. Die Gurgeltests würden bereits in einem frühen Infektionsstadium anschlagen und seien „kinderleicht“ in der Anwendung. Zudem sparten sie Plastikmüll.

Kinder- und Jugendpsychatrie der Medbo eingebunden

In der Oberpfalz sind in das Projekt "Post-Covid Kids Bavaria" auch die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Medbo in Regensburg sowie niedergelassene Kinderärztinnen und Kinderärzte eingebunden. Bayernweit sind 15 Kinderkliniken beteiligt sowie das Zentrum für Schmerztherapie junger Menschen in Garmisch-Partenkirchen und die CJD Rehabilitationsklinik für Kinder und Jugendliche in Berchtesgaden.

"Wir können in unserem Netzwerk für alle Verlaufsformen von Long-Covid bis hin zum postviralen Chronischen Fatigue-Syndrom (CFS) eine optimale Versorgung anbieten“, beschreibt die Kinder- und Jugendmedizinerin Professorin Uta Behrends von der München Klinik das Ziel des Projekts. Und Kabesch betont: „Alle Kinder und Jugendlichen in Bayern werden in etwa einer Stunde eine unserer Post-Covid-Spezialambulanzen erreichen können.“ Die beiden Projektleitenden sind sich einig: „Es hilft nur, was bei den jungen Betroffenen und ihren Familien auch wirklich vor Ort und zeitnah ankommt.“

Antikörperstudie bei den Jungen

Tirschenreuth

Forschung zu PIMS

Regensburg

„Alle Kinder und Jugendlichen in Bayern werden in etwa einer Stunde eine unserer Post-Covid-Spezialambulanzen erreichen können.“

Professor Michael Kabesch, Kindermediziner, ärztlicher Direktor der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg und Leiter des Wissenschafts- und Entwicklungs-Campus Regensburg (WECARE).

Professor Michael Kabesch, Kindermediziner, ärztlicher Direktor der Klinik St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg und Leiter des Wissenschafts- und Entwicklungs-Campus Regensburg (WECARE).

Hintergrund:

Post-Covid-Syndrom

  • Als Post-Covid-Syndrom werden Symptome bezeichnet, die sich während oder nach einer Covid-19-Erkrankung entwickeln, länger andauern und nicht durch eine alternative Diagnose erklärt werden können.
  • Zu den Symptomen gehören unter anderem Erschöpfung („Fatigue“), Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und psychische Beschwerden, aber auch andauernde Atem- und Herz-Kreislauf-Beschwerden.
  • Mediziner gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent der Covid-Erkrankten mit Spätfolgen zu kämpfen haben. Aussagekräftige Studien zu Verläufen sowie zu einer zielführenden Rehabilitation fehlen bisher.

 

 

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