26.09.2019 - 17:02 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bischof Voderholzer droht mit Rückzug vom synodalen Weg

Zusammen mit den Kölner Kardinal Woelki hat Bischof Voderholzer versucht, den Beratungen über den synodalen Weg eine andere Richtung zu geben. Sie sind bei der Mehrheit abgeblitzt. Noch bevor die Herbsttagung in Fulda zu Ende ist, legt der Regensburger nach.

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer stimmte .gegen Statut des "synodalen Wegs".
von Alexander Pausch Kontakt Profil

In einer persönlichen Erklärung hat sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer am späten Mittwochabend in Fulda von der Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz, den synodalen Weg zu beschreiten, distanziert. Der Regensburger Oberhirte will sich nur unter Vorbehalten auf den Dialog mit den Laien einlassen. Zugleich drohte er, "nach den ersten Erfahrungen gegebenenfalls ganz auszusteigen".

Ende Juli hatte der 59-jährige Voderholzer zusammen mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki einen alternativen Entwurf zu den Statuten des "synodalen Weges" vorgelegt. Dieser war am 19. August beim ständigen Rat vorgelegt worden, dem Gremium der 27 Ortsbischöfe. Dort war dieser diskutiert, aber mit "21 zu 3 Stimmen (bei drei Enthaltungen)" abgelehnt worden. Bei der Herbstversammlung der deutschen Bischofskonferenz in Fulda, die am Donnerstag zu Ende ging, seien nun in einer "vielstündigen Debatte ... einige Verbesserungen im Detail erreicht" worden, schreibt Voderholzer in seiner Erklärung. Diese reichen ihm aber nicht aus.

Mit "Nein" gestimmt

"Ich habe bei der Schlussabstimmung der Vollversammlung der Deutschen Bischofkonferenz gegen die Satzung gestimmt", teilt der Regensburger Bischof noch vor der offiziellen Bekanntgabe der Beratungsergebnisse am Donnerstagnachmittag durch den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, den Münchener Kardinal Reinhard Marx mit. Diesem hatte Voderholzer einst als Professor in Trier (2004) und bei der Bischofsweihe in Regensburg (2013) versprochen, den "katholischen Glauben unverkürzt zu vertreten und zu bezeugen". Daran erinnert der Regensburger Oberhirte in seiner Erklärung.

Voderholzer betont, er habe mehrfach deutlich gemacht, dass ihm "die thematische Ausrichtung der Foren an der Realität der Glaubenskrise in unserem Land vorbeizugehen scheint". Für ihn zeige dies nicht zuletzt "die Situation der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in unserem Land". Während Woelki und Vorderholzer sieben Foren, unter anderem zu Evangelisierung", "Berufung der Laien", "Katechese", "Berufungspastoral" vorgeschlagen hatten, die sie unter das "Primat der Evangelisierung" stellen, will die Mehrheit der Bischofskonferenz mit den Laien über vier Themen sprechen: "Sexualmoral", "Lebensform für Priester", "Frage der Macht" und "Rolle der Frau".

Voderholzer kritisiert diese Auswahl als "pseudowissenschaftlich". Er sei der Überzeugung, "dass an der Basis des synodalen Prozesses eine Unaufrichtigkeit steht". Sein Verdacht, "dass es sich angesichts dieser Weichenstellungen um eine ,Instrumentalisierung des Missbrauchs' handelt, ist nicht ausgeräumt", schreibt der Regensburger Bischof.

Auslöser Missbrauchstudie

Vergangenes Wochenende hatte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, ein Befürworter des synodalen Weges, den Vorstoß Voderholzers und Woelkis zurückgewiesen und gewarnt, den Begriff "Evangelisierung" in der Debatte Weg "zu einem Kampfbegriff" zu machen: "Es ist unstreitig, dass die Evangelisierung Kernaufgabe der Kirche ist und deshalb sind auch die Bischöfe im Bemühen um die Evangelisierung eins." Kohlgraf verwies darauf, dass der synodale Weg aus den drängenden systemischen Fragen entstanden sei, die sich im Zuge der Missbrauchsstudie, der MHG-Studie, gestellt hätten. "Und auf diese Fragen können wir nicht mit einer Evangelisierungsinitiative antworten", sagte er am Samstag.

Für den Mainzer ist klar, dass die "klassischen Reizthemen" Macht, Sexualmoral, priesterliche Lebensform und Rolle der Frau nicht mehr ausgeklammert werden könnten. Aus seiner Sicht sind diese Themen zudem weltkirchliche Themen. "Sich diesen Fragen zu stellen, hat deshalb auch etwas mit Evangelisierung zu tun." Kohlgraf verwies darauf, dass Evangelisierung nicht eine Belehrung der Lebenswirklichkeit von Menschen sein dürfe, "sondern ich muss versuchen, mein Leben aus dem Glauben in die Gesellschaft zu tragen".

Voderholzer betont, dass seine Nein-Stimme nicht bedeute, dass er sich "dem Prozess grundsätzlich verschließe, sondern trotzdem mitzumachen und auch einzubringen gedenke". Der Regensburger Bischof unterstreicht: "Ich werde mir nicht den Vorwurf machen lassen, den Dialog zu verweigern, zu dem uns Papst Franziskus ausdrücklich ermutigt hat." Zugleich macht er aber auch deutlich, er gehe davon aus, dass ihn sein "Wahrheitsgewissen eher in die Situation bringen wird, Zeugnis zu geben und zu ermahnen, sei es gelegen oder ungelegen".

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