13.07.2020 - 15:49 Uhr
RegensburgOberpfalz

Gericht schickt Experten wegen Schüttelfrost nach Hause

Ein Covid-19-Verdacht bei einem Sachverständigen stoppt den Prozess gegen einen 58-jährigen Raser. Dieser ist laut Staatsanwalt ein besonderer Fall.

Der Eingang zum Justizgebäude in Regensburg.
von Autor AHSProfil

Die Staatsanwaltschaft legt einem 58-jährigen Bewohner des Landkreises Regensburg zu Last, im Zustand der Schuldunfähig einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte begangen zu haben und strebt deshalb seine Unterbringung in der Psychiatrie auf unbestimmte Zeit an. Er war am Tattag im Juli vergangenen Jahres zunächst festgenommen worden und kam in Untersuchungshaft. Nachdem sich Anzeichen einer paranoiden Schizophrenie ergaben wurde er im Januar in das Bezirkskrankenhaus verlegt.

Ab Montag sollte der Prozess beginnen, für den die 8. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Oliver Wagner an fünf Verhandlungstagen 17 Zeugen und zwei Sachverständige geladen hat. Noch bevor Staatsanwalt Alexander Guth zum Verlesen der Antragsschrift ansetzen konnte verwies der Gerichtsvorsitzende darauf, dass er vom technischen Sachverständigen vor Sitzungsbeginn darauf angesprochen wurde, dass er seit dem Sonntag unspezifische Symptome, wie Schüttelfrost, jedoch kein Fieber habe. Er wurde nach Hause geschickt mit der Auflage, sich umgehend testen zu lassen und das Gericht über das Ergebnis zu informieren.

Nachdem der dann verlesenen Antragsschrift war der Beschuldigte zu mitternächtlicher Stunde bei Lappersdorf einer Streife aufgefallen, als er mit einem wegen Unterschlagung ausgeschriebenen Mietfahrzeug unterwegs war. Als die Beamten ihn zum Aussteigen aufforderten setzte er den Pkw im Rückwärtsgang zurück, wobei er auf einen der Beamten zufuhr, ohne ihn jedoch zu verletzen. Dann gab er Gas und fuhr in Richtung des Lappersdorfer Kreisels, gefolgt vom Polizeifahrzeug mit eingeschalteten Sondersignalen.

Nachdem er zwei Mal den Kreisel durchfahren hatte setzte er seine Flucht in Richtung Cham fort. Die Beamten hatten inzwischen Verstärkung durch ein weiteres Polizeifahrzeug erhalten. Obwohl er mit zeitweilig 120 Stundenkilometern auf der B16 unterwegs war konnte ihn ein Streifenwagen überholen und zwischen den Abfahrten Gonnersdorf und Wenzenbach langsam ausbremsen. Einer der Beamten forderte erfolglos den Beschuldigten auf, auszusteigen und versuchte die Fahrertüre zu öffnen. Sein Kollege stand auf Höhe des Hecks des Streifenwagens.

Verhandlung wegen verbotenem Kfz-Rennen in Amberg

Amberg

Beim Versuch, seine Fahrt fortzusetzen, kam der Beschuldigte einem der Beamten gefährlich nahe. Dieser gab daraufhin zwei Schüsse auf den rechten Vorderreifen ab, die auch trafen. Dennoch setzte der Beschuldigte seine Fahrt fort. Der Beamte wurde vom Fluchtfahrzeug erfasst und stürzte zu Boden. Sein Kollege gab auf den vorbeifahrenden Pkw zwei weitere Schüsse auf den linken Vorderreifen ab, die ebenfalls trafen. Nach etwa 100 Metern war die Fahrt endgültig zu Ende. Eine durchgeführte Blutentnahme ergab einen Amphetamingehalt von 26 Nanogramm und einen Metamphetamingehalt von 65 Nanogramm pro Milliliter. Der verletzte Polizeibeamte war eine Woche arbeitsunfähig und musste sich für einen Monat einer physiotherapeutischen Behandlung unterziehen.

Nach Verlesen der Antragsschrift kündigte Verteidiger Jan Bockemühl für einen späteren Zeitpunkt eine Erklärung an. Nach einer kurzen Beratung wurde das Verfahren bis voraussichtlich September ausgesetzt.

Raser innerhalb kurzer Zeit zweimal geblitzt

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