25.06.2020 - 15:51 Uhr
RegensburgOberpfalz

Kiloweise Drogen im Gepäck: Zweieinhalb Jahre Haft

Ein 23-Jähriger muss sich in Regensburg vor Gericht wegen Drogenhandels verantworten. Er ist mit rund drei Kilo Haschisch und einem Kilo Marihuana vom Zoll erwischt worden. Der Mann muss nun länger ins Gefängnis.

Symbolbild
von Autor AHSProfil

Für einen 23 Jahre alten Mann, der in Niedersachsen aufgewachsen ist, gab es am Mittwoch im Regensburger Justizgebäude ein Wiedersehen mit seiner Freundin und seinen Geschwistern. Vorgeführt aus der Untersuchungshaft musste er sich vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Andrea Costa wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringerer Menge verantworten.

Von Hannover kommend wurde er Anfang Januar um die Mittagszeit kurz vor Regensburg vom Zoll kontrolliert. Die Beamten konnten ihm eine Sporttasche zuordnen, in der sich fast 2,9 Kilogramm Haschisch und 998,9 Gramm Marihuana befanden. Er wurde festgenommen und kam in Untersuchungshaft. Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Wohnung in Langenhagen entdeckten die niedersächsischen Beamten im Kleiderschrank 3000 Euro in szenetypischer Stückelung. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass das Geld ebenfalls aus nicht näher bekannten Betäubungsmittelgeschäften stammt.

Cool bei Kontrolle

Vor dem Schöffengericht erzählte er freimütig, dass in seiner Familie alle Akademiker seien. Auch er sollte nach bestandenem Abitur Architektur studieren. Nach zwei Semestern habe er das Studium aber abgebrochen, weil es einfach nicht sein Fall war. Es sei für ihn so belastend gewesen, dass er anfing Cannabis zu konsumieren. Dann habe er, gegen den anfänglichen Widerstand seiner Eltern, angefangen, eine Ausbildung zum Friseur zu machen. Bei einem Verwandtenbesuch in den Niederlanden habe er einen Mann kennengelernt, der sich als "Sam" vorstellte. Dieser sei im Januar plötzlich an seinem Ausbildungsplatz aufgetaucht und habe ihn überredet, mit einer Sporttasche nach Regensburg zu fahren, wo er sie in einem Schnellimbiss übergeben sollte. Dafür habe er 600 Euro erhalten. Den Tascheninhalt habe er nicht kontrolliert, aber schon angenommen, dass Drogen darin sind. Das Geld in seinem Schrank habe er angespart, da er einen Aufenthalt in England plane. Von der Gerichtsvorsitzenden auf Fotos angesprochen, die sich auf seinem Handy befanden und in einen Schal eingewickelte größere Mengen Bargeld zeigten, behauptete er, dass dieses Geld einem Freund gehört und die Tageseinnahmen aus dessen Bäckereikette seien.

Der Zollbeamte, der die Routinekontrolle durchführte, erzählte als Zeuge, dass sich der Angeklagte recht cool verhalten habe und behauptet hatte, dass er ohne Gepäck unterwegs sei. Ein Mitreisender gab jedoch den entscheidenden Tipp. Daraufhin habe der Angeklagte behauptet, dass die Tasche nicht ihm gehöre. Diese habe ein Unbekannter abgelegt. Der Beamte des Hauptzollamtes Weiden, der das Handy des Angeklagten ausgewertet hatte, berichtete von einem regen Chatverkehr mit einem Teilnehmer in den Niederlanden und etlichen Fotos und Videos, die größere Summen Bargeld zeigten. Der von Verteidiger Martin Gress (Hannover) als Zeuge mitgebrachte Freund bestätigte, dass es sich bei dem Geld auf dem Foto um seines handeln würde. Es sei auf dem Weg zur Bank gemacht worden.

Verteidiger plädiert auf Bewährungsstrafe

Damit ließ der Staatsanwalt in seinem Schlussvortrag von Vorwurf des unerlaubten Handeltreibens fallen. Für den Besitz und Beihilfe zum Handeltreiben forderte er eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Darstellung des Angeklagten, er sei "nur Kurier" gewesen, sei nicht widerlegbar. Zudem seien bei der Hausdurchsuchung keine bei Dealern üblichen Utensilien gefunden worden. Er sei jedoch überzeugt, dass der Angeklagte nicht zum ersten Mal eine solche Fahrt unternommen hat. Dafür sprechen sein abgebrühtes Verhalten und der Chatverkehr in codierter Sprache.

Der Verteidiger plädierte auf eine Strafe im bewährungsfähigen Bereich. Dabei verwies er darauf, dass in Norddeutschland solche Delikte weit milder geahndet werden wie in Bayern. Sein Mandant wolle seine Ausbildung fortsetzen. Zudem bestünde die Gefahr, dass er im Gefängnis in Drogenmilieu abrutscht, da allgemein bekannt sei, dass auch in Justizvollzugsanstalten gedealt wird.

Diesen Wunsch erfüllte das Schöffengericht nicht und verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten. Zudem verfügte es die Einziehung der bei seiner Verhaftung vorgefundenen 475 Euro und der bei der Hausdurchsuchung sichergestellten 3000 Euro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Am 1. Juli startet im Landgericht Regensburg ein spektakulärer Prozess

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