24.08.2021 - 12:03 Uhr
RegensburgOberpfalz

Künstlerin Marthe eröffnet "Kunstbüro" in Regensburg

Marthe ist eine der vielfältigsten bildenden Künstlerinnen der Oberpfalz. Die Malerin, Fotografin und Bildhauerin aus Kohlberg eröffnet nun eine eigene Galerie in Regensburg. Das ist aber kein gewöhnlicher Ausstellungsort.

„Ich will diese Stadt nicht aufgeben, weil es für einen Künstler wichtig ist, sichtbar zu sein," versichert Künstlerin Künstlerin Marthe alias Martina Leithenmayr mit Blick auf Regensburg. Sie hat dort nun eine eigene Galerie eröffnet, die auch als Co-working-Space für zwei Studenten vor dem Examen dient.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

In Regensburg ist Marthe alias Martina Leitenmayr schon länger vertreten. Sie und weitere vier Künstler betreiben seit einigen Jahren gemeinsam eine sogenannte Produzenten-Galerie an prominenter Stelle, nämlich schräg gegenüber der weltbekannten Steinernen Brücke. Eine der Top-Lagen in der alten Reichsstadt also, aber mit einem Makel: Die Hauseigentümerin hat den Mietvertrag gekündigt.

"Die Tage in der 'Galerie an der Donau' neigen sich dem Ende zu," bedauert Marthe, "unsere Vermieterin hat den Laden verkauft, und Ende November ist Schluss." Damit geht eine sehr bewegte Zeit zu Ende. "Das netteste Kunstkaufhaus Regensburgs," so eine Selbstcharakterisierung, präsentierte nicht nur die Werke von Marthe, von Hugo Braun-Meierhöfer aus Weiden, der Regensburgerin Barbara Wilmers-Hillenbrand und den beiden Künstlern aus dem Landkreis Schwandorf, Nicole Matschiner und Josef Vogel - es wurden auch immer wieder Gäste eingeladen, ihre Werke auszustellen. Dass es auch Open-House-Partys gab, rundete das Leben und Streben der Galeriegemeinschaft aufs Angenehmste ab.

Malen für Menschenrechte

Die Kündigung der Räumlichkeiten war ein Schlag ins Kontor. Die gemeinsame Zeit des kreativen Quintetts neigt sich jetzt dem Ende zu; plötzlich mussten sich alle nach etwas Neuem umsehen. Für Marthe, eine Wahloberpfälzerin mit österreichischen Wurzeln, gab es von Anfang an nur eine Option: weiter in Regensburg vertreten sein. "Ich will diese Stadt nicht aufgeben, weil es für einen Künstler wichtig ist, sichtbar zu sein." Das geht in Regensburg deutlich besser als in Kohlberg (Landkreis Neustadt/WN), wo Marthe an der Artesgrüner Straße ihr Atelier hat und man sie auch besuchen kann.

Also machte sich die 55-Jährige auf die Suche nach einer neuen Bleibe in der Domstadt. Die Erwartungen waren zunächst sehr bescheiden, was bei den Immobilienpreisen in Regensburg durchaus vernünftig schien. "Mir hätte ein Schaufenster gereicht," erzählt sie mit ihrem weichen österreichischen Dialekt. Dort hätte die gebürtige Steyrin wenigsten einige ihrer Werke für die Passanten aufhängen können. Da kamen zwei Studenten gerade recht.

Der junge Jurist vor dem zweiten Staatsexamen und der angehende Medienwissenschaftler waren auch auf der Suche. Beide wollten eine Art Büro, wo sie sich in Ruhe auf die Abschlussprüfungen vorbereiten können. Nach einigem Hin-und-her wurden sie in der Wahlenstraße fündig. Die ist im Herzen Regensburgs, zwischen dem Alten Rathaus und dem Goldenen Turm. Tausende Menschen, darunter sehr viele Touristen, schlendern täglich durch die schmale, verkehrsberuhigte Straße, die vom Kohlenmarkt zum Neupfarrplatz führt. Sie ist voller Modeboutiquen, Antiquariate und Cafés, eine typische Regensburger Mixtur also. Ein Laden war davon zu vermieten.

Der Zufall wollte es, dass Marthe mit den zwei Studenten in Kontakt kam. Es kristallisierte sich in Gesprächen die Idee heraus, das Ladenlokal gemeinsam zu mieten. Anfangs war es noch voller Textilien, die der Vormieter, ein Boutiquenbetreiber aus Niederbayern, dort noch gelagert hatte. Als der endlich leer räumte, wurde das Innere des Geschäfts in Eigenregie und mit handwerklichem Geschick auf Vordermann gebracht.

Noch etwas fügte sich sehr glücklich: Die Besitzerin des Hauses erwies sich als freundliche und umgängliche Dame. Sie schlug sogar ein Angebot eines Kosmetikunternehmens aus, das ebenfalls gerne eingezogen wäre. "Sie wollte lieber uns drin haben und die Galerie und ist uns sogar noch mit der Miete entgegen gekommen," freut sich Jurist Martin Werner.

So hat sich ein ungewöhnliches Konstrukt ergeben: Zwei Jungakademiker und eine bildenden Künstlerin nutzen gemeinsam die Ladenfläche von gut 70 Quadratmetern. Die einen haben es sich dort mit Schreibtischen, Stühlen, Computern und Büchern heimisch gemacht, die andere mit einer Ledercouch, einem Kaffeevollautomaten und jeder Menge Gemälde und Kleinplastiken an den Wänden und im Raum. "Co-Working-Space" nennt sich das heutzutage, "Kunstbüro" steht an der Fassade zur Wahlenstraße hin zu lesen.

Für Marthe ist das eine Win-win-Situation. Die jungen Männer freuen sich, dass sich jemand Dritter an der Miete beteiligt, und Marthe freut sich auch: "Die sind immer da, von Montag bis Samstag, von 8 bis 18 Uhr." Das heißt, die Galerie ist werktags offen, auch wenn Marthe im Atelier in Kohlberg sein sollte. Dazu kommen zwei Schaufenster zur Straße hin - eine ist für Marthes kleinere Werke reserviert, das andere für Regensburger Künstler, etwa die Mutter von Martin Werner, die ebenfalls malt.

Erzwungener Neuanfang

"Ich bewege mich im Dreieck Abstraktion-Mensch-Natur," beschreibt Marthe die Eckpunkte ihrer Kunst. Besonders originell ist die sogenannte Sentografie, die sie selbst entwickelt hat. Das ist ein dem griechischen entlehntes Kunstwort und bedeutet so viel wie Drucken auf Blech. Die Bilder werden vorher gemalt und dann auf Blech fabriziert. Das gibt einen ganz besonderen Look.

Beteiligt ist Marthe derzeit an dem Großprojekt "Bilder für die Menschenrechte". Mit Gemälden und Fotografien setzen sich Künstlerinnen wie Marthe für die Achtung der Menschenrechte ein. Die Werke werden bewusst "auf der Straße" gezeigt und nicht in Galerien, die Ausstellung soll wandern und auch international zu sehen sein. "Auf der Straße erreichen wir Leute, die wir sonst nie erreichen würden", so die Künstlerin zu dem Konzept.

Großprojekt "Bilder für die Menschenrechte"

Regensburg
Hintergrund:

Kunstbüro

  • Ort: Regensburg, Wahlenstraße 6
  • Ausstellende Künstlerin: Marthe alias Martina Leithenmayr
  • Konzept: Mischung aus Co-working-Space und Galerie
  • Eröffnung: Am Wochenende 28./29. August, jeweils ab 11 Uhr
  • Normale Öffnungszeiten: Werktags von 8 bis 18 Uhr

 

 

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