19.06.2018 - 09:43 Uhr
RegensburgOberpfalz

Lebenslänglich für mutmaßlichen Prostituiertenmörder?

Im Prozess um den Tod einer Prostituierten in Regensburg gab es am Montag die Schlussvorträge. Der Staatsanwalt fordert Lebenslänglich. Am Freitag fällt das Urteil.

Symbolbild
von Autor AHSProfil

Regensburg. (ahs) Am Montag wurden vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg die Schlussvorträge gehalten. Der Staatsanwalt sah in dem 22-jährigen Asylbewerber aus Mali den Mann, der am 29. August vergangenen Jahres in Regensburg eine 33 Jahre alte Prostituierte aus Habgier und um eine Straftat zu vertuschen tötete. Für die Tat forderte der Staatsanwalt die bei Mord einzig mögliche Strafe: Lebenslänglich. Dabei verzichtete er darauf, die Feststellung der besonders schweren Schuld zu beantragen.

Der Verteidiger hingegen listete eine ganze Reihe von Ungereimtheiten auf. Er hielt lediglich eine Verurteilung wegen schweren Raubes als erwiesen und sprach sich für eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, sowie Unterbringung in eine Entziehungsanstalt aus.

Vor den Plädoyers hatte die Schwurgerichtskammer mehrmals vergeblich versucht, ein rumänisches Ehepaar, das in der Tatnacht Tür an Tür mit der Getöteten lebte, in den Zeugenstand zu holen. An ihrer Stelle wurde der Beamte gehört, der das Paar wenige Stunden nach Auffinden der Leiche befragte. Der Ehemann hatte zu Protokoll gegeben, dass sich beide bis gegen Mitternacht bei Nachbarn aufgehalten hätten. Auf dem Rückweg sei die Türe des benachbarten Appartements geschlossen und unverdächtig gewesen. Er habe dann geschlafen bis ihn die Polizei aus dem Bett holte. Die Ehefrau, eine Berufskollegin des Opfers, hingegen will beobachtet haben, wie ihre Nachbarin so gegen 22.30 Uhr einen ungepflegten, vollbärtigen Mann zwischen 40 und 50 Jahren empfing. Diesen habe sie schon öfters gesehen. Gegen 2 Uhr sei sie von einem lauten Türschlag und Stimmen, darunter eine weibliche, wach geworden. Auch habe ihr der Hausmeister erzählt, dass sie mit ihrem Freund immer wieder Probleme hätte.

Der Staatsanwalt zeigte sich in seinem Schlussvortrag davon überzeugt, "dass sich die Anklage ohne jeden Zweifel bestätigt hat". Bei dem Raubversuch sei es zu einem Kampfgeschehen gekommen, in dessen Verlauf der Angeklagte das Opfer massiv gewürgt habe. Auch der Rechtsmediziner sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine massive Gewalt gegen den Hals ausgeübt wurde. Zum Nachtatgeschehen führte er aus, dass zwar der Freund des Opfers gegen 1.30 Uhr gegen die Appartement-Türe getreten habe, aber von dem Lärm so erschrocken war, dass er das Weite gesucht habe. Betreten habe er die Wohnung aber nicht. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft gibt es keine Anhaltspunkte für einen "Dritten".

Der Verteidiger begann sein Plädoyer mit dem philosophischen Satz "Die Lüge ist der natürliche Feind der Wahrheit", um sofort hinzuzufügen, dass davon nicht nur Zeugen, sondern auch sein Mandant betroffen sind. Daher sei es Aufgabe des Gerichts, aus Halbwahrheiten die Wahrheiten herauszufinden. Dann listete er die Aussagen der Zeugen auf, welche nach der vermeintlichen Tötung durch den Angeklagten noch Beobachtungen machten, um dann zu folgern: "Die Darstellung des Staatsanwalts ist mit diesen Fakten nicht in Einklang zu bringen." Dabei berief er sich auch auf das Gutachten der Rechtsmedizin, wonach die Luftröhre bei der Obduktion frei war und damit der Bruch des Zungenbeins nicht zwingend tödlich gewesen sein muss. Ein weiterer Sachverständiger hatte zudem bekundet, dass die zum Tode geführte zentrale Lähmung durch jede Form von Sauerstoffmangel eintreten kann. Also, so die Schlussfolgerung des Verteidigers, beispielsweise auch durch das Aufdrücken eines Kissens. Damit könne dem Angeklagten weder ein Raub mit Todesfolge, noch Totschlag oder Mord zur Last gelegt werden. Übrig bliebe dann nur ein schwerer Raub. Das Urteil wird am Freitag verkündet.

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