26.10.2020 - 16:53 Uhr
RegensburgOberpfalz

Wenn aus Liebe tödlicher Hass wird: Prozess gegen Heizungsbauer beginnt

Tod statt Versöhnung: Ein 54-Jähriger aus dem Kreis Regensburg soll seine Ex-Partnerin im Vollrausch erwürgt haben. Nun muss sich der Heizungsbauer vor Gericht verantworten.

Symbolbil
von Autor AHSProfil

Nach nur gut drei Monaten beendete eine 46-Jährige ihre Beziehung mit einem geschiedenen 54-jährigen Heizungsbauer aus dem östlichen Landkreis Regensburg. Damit sprach sie ihr eigenes Todesurteil. Seit Montag muss sich der Handwerker vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richter Michael Hammer wegen Nötigung in Tatmehrheit mit Totschlag verantworten.

Dem Anklagesatz zu Folge war die Beziehung belastet durch die übertriebene Eifersucht des Angeklagten. Er soll dem Opfer mehrfach nachspioniert und ihr Handy durchsucht haben. Mitte November zog die Frau einen Schlussstrich, hatte aber nicht mit der Hartnäckigkeit des Angeklagten gerechnet. Drei Tage später stand er vor ihrer Wohnungstür, weil er sie umstimmen wollte. Als die Frau ihn nicht einlassen wollte, packte er sie im Gesicht und schob sie in den Flur, wo die Situation eskalierte: Er forderte Geschlechtsverkehr von ihr. Von der Toilette aus verständigte das Opfer mit dem Handy eine Bekannte. Diese kam sofort und konnte den Angeklagten dazu bringen, die Wohnung zu verlassen.

Tod statt Versöhnung

Eine Woche später stand der Angeklagte erneut vor der Tür der Geschädigten, die ihn einließ. In der Folgezeit tranken die beiden Whisky und Weißwein, wobei es wieder zu einem Streit kam. Sie wollten sich anschließend versöhnen, hatten Geschlechtsverkehr - und währenddessen oder unmittelbar danach erwürgte der Angeklagte das Opfer. Danach fingierte er ein Telefonat zwischen ihm und dem Opfer sowie mehrere Whatsapp-Nachrichten. Sich selbst fügte er mindestens zwölf Schnitte am Unterarm zu. Der Rettungsdienst verständigte daraufhin die Polizei. Laut Blutprobe hatte der Angeklagte maximal 3,69 Promille Blutalkohol zur Tatzeit.

Vorreiterrolle fürs Regensburger Amtsgericht

Regensburg

Angeklagter schweigt

Nach Verlesen des Anklagesatzes sagten seine Verteidiger Ronny Raith und Jürgen Lubojanski, dass ihr Mandant keine Angaben machen werde. Es würden Teile der Ermittlungsakte fehlen, die gesichtet werden müssen. Und Rechtsanwältin Claudia Schenk, die als Nebenklagevertreterin auftritt, hatte am Freitag einen Antrag auf Schmerzensgeldzahlung zu Gunsten ihrer Mandantin gestellt, der erst zum Prozessauftakt an die Prozessbeteiligten übergeben werden konnte. Auch verfügte der Gerichtsvorsitzende, dass ein umfangreicher Akteninhalt im Selbstleseverfahren zur Kenntnis zu nehmen ist.

Sieben Verhandlungstage sind vorgesehen. Das Urteil wird voraussichtlich Ende November verkündet.

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