09.06.2019 - 17:41 Uhr
RegensburgOberpfalz

Söder lobt Beitrag der Sudetendeutschen für Europa

Es ist schon Tradition, dass auch tschechische Politiker bei Sudetendeutschen Tagen sprechen. Der Besuch des tschechischen Botschafters beim diesjährigen Pfingsttreffen in Regensburg ist aber etwas besonderes für Bernd Posselt.

von Alexander Pausch Kontakt Profil

Mit einem Bekenntnis zum vereinten Europa ist am Sonntag der 70. Sudentendeutsche Tag in Regensburg zu Ende gegangen. Ministerpräsident Markus Söder lobte den Beitrag der Sudetendeutschen als Brückenbauer für die guten Beziehungen zwischen Tschechien und Bayern. Söder und Bernd Posselt, der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, bekräftigten den Willen, die Beziehungen weiter zu verbessern und auszubauen.

Beide warnten vor dem wiedererstarkenden Nationalismus in Europa. Söder sprach vom Geschwür des Nationalismus, Posselt von Dämonen des Nationalismus, die schon mehrfach zu Krieg und Leid geführt hätten. Dem stellten sie ein leidenschaftliches Plädoyer für Freiheit, für Menschenrechte und für Demokratie sowie die friedensstiftende Völkerverständigung in Europa entgegen.

Das dreitägige Treffen der Sudetendeutschen in Regensburg unter dem Motto "Ja zur Heimat im Herzen Europas" nannte Söder ein "europäisches Ereignis. Wir sind stolz, dass es in Bayern stattfindet". Es war ein Treffen der Jubiläen. Die Zusammenkunft der Sudetendeutschen, erstmals in Regensburg, fand zum 70. Mal statt. Vor 65 Jahren hatte der Freistaat Bayern die Schirmherrschaft für die Sudentendeutsche Volksgruppe verkündet und vor 30 Jahren fiel der Eiserne Vorhang, der die Wiedervereinigung Europas ermöglichte.

Söder lobt Seehofer

Damals, in dieser Stunde der Geschichte, hätten die Sudetendeutschen behutsam als Brückenbauer mitgewirkt, sagte Söder. Dazu zählte der Ministerpräsident auch die Fähigkeit zur Vergebung, die es der Jugend heute leichter mache. Zudem stellte Söder das "große historische Verdienst" seines Amtsvorgängers Horst Seehofers heraus. Dieser habe "sich nicht hinter dem altem Denken verschanzt und auf die nächste Generation gewartet sondern den Mut bewiesen, eine Tür aufzumachen, um das Verhältnis zwischen Tschechien und Bayern auf neue Beine zu stellen".

"Wir können stolz sagen: Nach Jahrzehnten der Trennung sind wir heute Nachbarn und Freunde im herzen Europas", sagte Söder und versprach: "Diesen Weg werden wir weiter gehen." Der tschechische Botschafter Tomás Jan Podivínský in Berlin betonte, dass die gemeinsame Freundschaft werde inzwischen von den Menschen getragen. Die Freundschaft zwischen Bayern und Tschechien könne Vorbild für andere in Europa sein, sagte Podivínský. Er verwies darauf, dass sich Gott sei Dank jene durchgesetzt haben, die die Lage nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht als Schlachtfeld vergangener Zeiten gesehen hätten, sondern als Chance zur Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft.

Posselt dankte dem Botschafter und nannte seine Anwesenheit eine kleine Sensation. Er sprach von "offiziellen Botschaft des tschechischen Staates" und sah darin einen weiteren Schritt zur Verständigung. Am Ende, so war Posselt zu verstehen, hofft der Sprecher der Sudetendeutschen auf den Anruf eines Oberbürgermeisters aus Tschechien, der sage: "Es wäre uns eine Freude, wenn sie ihren Sudetendeutschen Tag bei uns halten würden."

Ein Abfuhr für ewig Gestrige gab es nicht nur von Posselt, sondern auch vom Bundesvorsitzenden der Sudetendeutschen Jugend, Mario Hierhager: "Es ist unsere Zukunft, die lassen wir uns nicht verbauen, auch nicht von Tweed-Sakko- und Hunde-Krawatten tragenden", sagte er und fügte an: "Diese haben selbst keine."

Unter den Gästen waren unter anderem der stellvertretende Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Finanzminister Albert Füracker (CSU), die Vertriebenenbeauftragte der Staatsregierung, die Regensburger Landtagsabgeordnete Sylvia Stierstorfer, und Regierungspräsident Axel Bartelt. Bartelt und Stiersdorfer haben selbst sudetendeutsche Wurzeln.

Bericht über Seehofers Rede

Regensburg

Vierter Stamm

Söder, der als Ministerpräsident auch Schirmherr der Sudetendeutschen Volksgruppe ist, würdigte deren Beitrag zur Entwicklung Bayerns. Er erinnerte aber auch daran, dass die Vertriebenen anfangs im Freistaat keineswegs willkommen gewesen seien. Zugleich betonte er, dass die Sudetendeutschen neben Altbayern, Schwaben und Franken der vierte Stamm seien. "Ihre Handwerksbetriebe und Unternehmen haben Bayern mit zu Wachstum und Wohlstand verholfen."

Vor den Abschlusskundgebung hatte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer im Gottesdienst das Christentum als "Seele Europas" bezeichnet. Es gebe "keine andere tragfähige Klammer als den christlichen Glauben, der das vereinte Europa zusammenhalten kann".

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