Regensburg
16.05.2022 - 16:48 Uhr

In die Wüste, in den Urwald

Manchmal muss man genau hinsehen. Erich Spahns Fotografien wirken oft wie gemalt. Mal geometrisch-streng, mal rauschhaft ausgelassen: Zwischen diesen Polen bewegen sich die Motive des gebürtigen Weideners.

Weiden, Grafenwöhr, Amberg und Regensburg - das sind biografische Stationen des 64-Jährigen Oberpfälzers, den es für seine Kunst immer wieder an ungewöhnliche Orte zieht. Über fünfzig Länder bereiste der Fotograf. Soussuli in Namibia, das Plateau Fadnon in Algerien, Gizeh in Ägypten, Tikal in Guatemala oder auch Kyoto in Japan boten dem Künstler jene seltenen und seltsamen Momente, von denen seine Bildideen zehren.

Schon früh offenbarte sich bei dem jungen Erich Spahn, der in Grafenwöhr in einer renommierten Fotografenfamilie aufwuchs, das Talent. Es war die Grande Dame der Regensburger Fotografenszene, Helga Weichmann-Schaum – damals als Lehrbeauftragte für Fotografie an der Berufsfachschule Regensburg - die die Fähigkeiten ihres Schülers erkannte. Sie setzte viel daran, dass Erich Spahn einer der jüngsten Studenten an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel wurde.

Gefragter Industriefotograf

Spahn hätte in der Folge Karriere bei einem der beliebten Magazine machen können, deren glanzvoll in Szene gesetzte Fotografien in den 1990er Jahren zahlreiche Fans und Abonnenten hatten. Aber mit der – wenn auch noch so aufsehenerregenden Wiedergabe des Gesehenen - wollte er sich nicht begnügen. Auch eine Laufbahn als Fotokünstler wäre denkbar gewesen, wenn man die illustren Ausstellungsorte betrachtet, an denen seine Werke schon zu sehen waren.

Erich Spahn entschied sich aber dafür, sein 1983 gegründetes Studio für Werbe-und Industriefotografie in Amberg weiterzuführen und seiner Fotokunst lediglich seine kostbaren Urlaubszeiten zu widmen. Mittlerweile ist er beruflich zum gefragten und vielbeschäftigten Architektur- und Industriefotografen avanciert, wie im Band „Aktuelle Architektur der Oberpfalz, IV“ sichtbar wird.

Fotos als "Kopfgeburten"

Werke aus Spahns frühen Jahren als analoger Fotokünstler sind derzeit in den Gewölberäumen der Galerie "Kunstpartner" in Adlmannstein im Landkreis Regensburg zu sehen: Dünen, Sandformationen, Mauerverläufe, Steinstrukturen, aber auch Palmblätter und Kakteenfragmente setzte er in streng durchdachte Anordnungen. "Es sind keine Montagen am Bildschirm, sondern Kopfgeburten, die beim Fotografieren vor dem Objekt verwirklicht wurden," erläutert Galeristin Wilma Rapf-Karikari.

Mittlerweile hatte sich jedoch die Technik gravierend weiterentwickelt, so dass Spahns frühere Arbeitsweise heutzutage kaum mehr nachvollziehbar zu erklären ist, weil die ungeheure Kopfarbeit und das Ausharren, Beobachten, Bewerten der Licht- und Luftverhältnisse, allein die körperliche Anstrengung unvorstellbar und angesichts der aktuellen technischen Möglichkeiten der Bildbearbeitung auch unnötig scheinen.

Tanz mit der Kamera

Nach wie vor ist Erich Spahn aber als Fotograf eigenwillig und will kreieren und nicht abbilden. Jetzt aber mit der Digitalkamera. Der Aufwand ist längst nicht mehr so hoch, die Ausrüstung längst nicht mehr so umfangreich und schwer, aber leicht macht er es sich trotzdem nicht. Der ursprünglichen Strenge stellt er jetzt eine üppige Sinnlichkeit gegenüber. Farben leuchten und wirbeln, als ob ein Tanz, eine Choreografie in die Bilder eingeflossen wäre. Und so entstehen diese Bilder auch, die in der Ausstellung in Adlmannstein ebenfalls präsentiert werden, wie die Galeristin berichtet: "Der Fotograf tanzt mit seiner Kamera, umtanzt das gewählte Motiv, bis es seine ursprüngliche klare Form aufgibt - sich ergibt – zu etwas anderem wird. Eine Huldigung, die der Fotograf als tanzender Derwisch auf der Suche nach der dritten Dimension darbringt."

„Es muss mich etwas Grafisches anspringen,“ sagt Erich Spahn, und dann bringt er mit viel Geduld und gezielten Bewegungen die festen Strukturen, die Linien und Bögen zum Tanzen. Einigen Motiven gemeinsam ist, dass es sich bei den neuen Bildern nicht um Landschaften handelt, sondern um Sakralbauten verschiedenster Religionen: eine Mosche in Istanbul, ein Franziskanerkloster in Krakau, Tempel in Thailand und Nepal, ein Kloster in Griechenland. Fester Bestandteil ist das Reisen: Reisen muss sein, um Abstand zu gewinnen und sich auf die Objekte einlassen zu können.

Amberg08.06.2018
Hintergrund:

Künstler und Ausstellung

  • Erich Spahn wird im August 1957 in Weiden geboren..
  • Seine Familie stammt aus Grafenwöhr.
  • Beruflich Werbefotograf mit eigenem Studio in Amberg.
  • Seit vielen Jahren wohnhaft in Regensburg.
  • Aktuelle Ausstellung (bis 29. Mai): "Zeitsprung", Galerie "Kunstpartner", 93170 Adlmannstein.
  • Geöffnet sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0175-360 91 09.
 
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