01.04.2021 - 09:16 Uhr
RiedenOberpfalz

Ausgetrocknete Weiher am Ende einer langen Amphibien-Wanderung

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Die jährliche Amphibienwanderung steht an. Trotz der Schutzzäune an den Straßen geht die Zahl der Amphibien stetig zurück. Grund dafür ist vor allem der Rückgang der Lebensgrundlage der Tiere.

Der Weiher im Taubenbachtal (Rieden) ist bereits seit vergangenem Sommer ausgetrocknet. Für Amphibien, die im Frühjahr in diesem Gewässer ablaichen wollen, stellt das ein enormes Problem dar.
von Jasmin EhbauerProfil

Schutzzäune an den Straßen sollen Amphibien auf ihrem Weg zu ihren Laichgewässern vor dem überfahren werden schützen. Doch damit endet die Herausforderung für die Tiere nicht. Es kann es gut sein, dass diese ihr Ziel erreichen und merken, dass es ihren Laichplatz gar nicht mehr gibt. Dies ist beispielsweise im Taubenbachtal im Naturpark Hirschwald der Fall. Eine Leserin hat der Amberger Zeitung gemeldet, dass es dort seit vergangenen Sommer einen ausgetrockneter Weiher gibt.

"Ich finde es einfach nur traurig, dass Kröten und Frösche woanders über die Straßen getragen werden und hier vor einem ausgetrockneten Weiher stehen und nicht ablaichen können", sagt die Leserin, die lieber unerkannt bleiben möchte. "Da muss man doch etwas unternehmen." Sie habe sich bereits an die Untere Naturschutzbehörde Amberg-Sulzbach gewandt und erfahren, dass der Weiher in Privatbesitz sei und die Behörde keinen Einfluss auf die Bewirtschaftung des Gewässers habe.

Vertrocknete Eier

Auf Nachfrage der Amberger Zeitung gab die Untere Naturschutzbehörde an, wegen des ausgetrockneten Weihers mit dem Wasserwirtschaftsamt in Weiden in Kontakt zu stehen. Noch könnten allerdings keine Aussagen über das weitere Vorgehen getroffen werden.

Der Eigentümer des Weihers stellt richtig, dass der Weiher nur über den Winter trocken war

Rieden

Wie Peter Zahn, Bund Naturschutz-Vorsitzender der Kreisgruppe Amberg-Sulzbach, erklärte, suchen Amphibien, wenn sie an ihrem ursprünglichen Gewässer nicht ablaichen können, nach Alternativen in der Nähe. "Das können auch Pfützen oder Tümpel sein, die es nur temporär gibt", sagte Zahn. "Diese Gewässer müssen dann aber paar Wochen vorhanden sein, sodass aus den Eiern die Kaulquappen schlüpfen und diese sich dann soweit entwickeln, dass sie an Land gehen können."

Werden die Eier von anderen Tieren oder Menschen aus dem Wasser gezogenen vertrocknen sie je nach Witterung in einigen Stunden. Auch wenn das Wasser verdunstet, was häufig vorkommt, wenn es im Frühjahr zu warm und trocken ist, vertrocknen die Eier sowie die bereits entwickelten Kaulquappen. Die einzige Möglichkeit, die Larven zu retten, bestehe dann darin, sie mit dem Restwasser abzuschöpfen, so Zahn. Wirklich erfolgreich sei diese Methode jedoch nicht.

Künstliche Weiher

Eine weitere Möglichkeit, um für Amphibien Laichplätze zu schaffen, sind künstlich angelegte Weiher, die sich bestenfalls in der Nähe des ursprünglichen Laichplatzes befinden. Diese Ausgleichsmaßnahme gibt es beispielsweise nahe der Bereitschaftspolizeiabteilung (Bepo) in Sulzbach-Rosenberg. Wo heute die Anlage des Bereitschaftspolizei steht, befand sich vor dem Bau ein beliebter Laichplatz für Amphibien. Um diesen auch weiterhin das Ablaichen zu ermöglichen, wurden um die Polizei herum künstliche Gewässer angelegt, zu denen der Bund Naturschutz die Amphibien, die sie an den Schutzzäunen vor den Straßen aufsammeln, seither bringen. „Man hat lange geglaubt, dass Amphibien immer dorthin gehen, wo sie selbst geboren wurden, aber es sieht schon so aus, als wäre ein Teil der Tiere erfolgreich auf diese Ersatzweiher umgeprägt worden“, sagte Zahn.

Diese Lösung ist allerdings nicht immer möglich. „Man kann nicht einfach so künstliche Weiher anlegen, sondern man muss bestehende Strukturen nutzen. Die Teiche bei der Bepo sind nur möglich, weil der Boden sehr nass ist und das Wasser durch ein Grabensystem zu diesen Weihern umgelenkt werden konnte“, erklärte Zahn. Inwieweit das bei dem Gewässer im Taubenbachtal möglich ist, ist noch nicht ersichtlich.

Generell liegen der Unteren Naturschutzbehörde keine Daten zu der Anzahl an Gewässern im Landkreis Amberg-Sulzbach vor, die Amphibien zum Ablaichen dienen. Dies liegt zum großen Teil daran, dass temporäre Kleinstgewässer, wie Pfützen oder Tümpel, nicht erfasst werden können. Auch gibt es keine Daten dazu, wie viele Gewässer in den vergangenen Jahren ausgetrocknet oder zugebaut worden sind.

Es ist laut der Behörde aber davon auszugehen, dass es die fehlenden Niederschläge der vergangenen Jahre zu mehr ausgetrockneten Gewässern geführt haben. Neben dem fehlenden Niederschlag und den hohen Temperaturen sind auch der Rückgang an Insekten, die Hauptnahrung von Amphibien, sowie der Abbau von Feuchtgebieten und Grünfläche zugunsten land- und forstwirtschaftlicher Nutzflächen Gründe für das Amphibiensterben. "Da wirken sehr viele Faktoren zusammen und es gibt keinen Hauptschuldigen. Es ist auch nicht zielführend, mit dem Finger auf Landwirte oder Autofahrer zu zeigen", sagte Zahn. Fest steht jedoch: Es muss mehr getan werden, um den Lebensraum der Tiere zu bewahren. 2015 wurden an den betreuten Amphibienzäunen im Landkreis von dem Bund Naturschutz und dem Landesbund für Vogelschutz 6593 Amphibien erfasst, 2020 waren es nur noch 2643.

Die Schutzzäune an Straßen haben sich Zahn zufolge als eine wirkungsvolle Methode erwiesen, um das Überfahren Werden hunderter Tiere im Frühjahr zu verhindern. Auch dieses Jahr har der Bund Naturschutz mit dem Straßenbauamt zwei Zäune im Stadtgebiet Amberg und neun im Landkreis ausgestellt. Es gäbe Zahn zufolge allerdings immer noch Tiere, die auf ihrer Wanderung nicht auf Schutzzäune stoßen oder einen Weg an diesen vorbei finden. Deshalb bittet der Bund Naturschutz Autofahrer in den kommenden Wochen, besonders vorsichtig zu fahren und auf Amphibien zu achten.

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Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Der Bund Naturschutz bittet Autofahrer

  • Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Amphibienzäunen zu befolgen
  • auf die Helfer, die am Straßenrand Tiere einsammeln, zu achten
  • auf Straßen ohne Warnhinweise, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, langsam zu fahren
  • an einer bestimmten Stelle wäre ein Schutzzaun nötig? Meldung an amphibien[at]bund-naturschutz[dot]de

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