02.07.2021 - 09:14 Uhr
RiedenOberpfalz

Das neue Freibad Rieden: Ein Besuch auf der Großbaustelle

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Corona und Probleme mit der Statik haben das Mammut-Projekt etwas verzögert. Und auch verteuert. Aber jetzt brummt es auf der Baustelle des Freibads in Rieden. Dort gab es einige Planänderungen.

Staubig ist es derzeit in den Schwimmbecken des Freibades Rieden. Bürgermeister Erwin Geitner und Baustellenleiter Franz Braun von der Firma Arbogast aus Amberg kommen täglich zum Erfahrungsaustausch zusammen.
von Paul BöhmProfil

"Wenn alles fertig ist, werde ich einer der Ersten sein, der über neue Wasserrutsche ein erfrischendes Bad nimmt": Bürgermeister Erwin Geitner kommt ins Schwärmen, wenn er durch die Freibadbaustelle geht und sich vorstellt, wie alles ausschauen wird, wenn der Umbau abgeschlossen ist. Derzeit ist die Sanierung des Freibads in Rieden eine der größten Baustellen im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Baukräne, Betonmischer, Rüttelplatten und Bagger sind auf dem Gelände zu sehen, auf dem sonst Badegäste und Sonnenhungrige um die besten Plätze auf der Liegewiese rund um die Wasserbecken buhlen. Eine dicke Staubschicht bedeckt den Boden des 50-Meter-Beckens. Und mittendrin Bürgermeister Erwin Geitner, der derzeit jeden Tag auf der Baustelle zu sehen ist. Er informiert sich über den Fortschritt der Arbeiten und spricht mit den Handwerkern. Zusammen mit Baustellenleiter Franz Braun von der Firma Arbogast aus Amberg begutachtet er die einzelnen Kleinbaustellen. Die Beteiligten rollen Bauzeichnungen auf einer Schaltafel aus und besprechen Detailplanungen.

Knackpunkt Finanzierung

Einige Jahre Vorarbeiten und Planungen seien erforderlich gewesen, bis die Generalsanierung des Freibades Rieden beginnen konnte, sagt Geitner. "Die Sorge ist auch immer die Finanzierung gewesen, weil sich eine Gemeinde diese Summen ohne Förderung nicht leisten kann." Aber Rieden habe "gute Fürsprecher gefunden und auch etwas Glück gehabt, dass wir als einzige Kommune in der Region in dieses Bundes-Förderprogramm für Freibadsanierungen gekommen sind." Der Bürgermeister nennt zwei Namen: "Bundestagsabgeordneter Alois Karl (CSU) und CSU-Generalsekretär Markus Blume haben sich entscheidend für unsere Belange eingesetzt. Ende 2019 bekamen wir das Okay für einen vorzeitigen Baubeginn durch das Ministerium."

Anfang 2020 haben die Riedener das Büro Maier Architekten aus Amberg mit den Planungen beauftragt. Nach mehreren Abstimmungen mit dem Gemeinderat entstand so die endgültige Planung im Frühsommer 2020. "Doch dann kamen Corona und andere Dinge dazwischen", erzählt der Bürgermeister. Im Zuge statischer Untersuchungen der Bodenplatten der zunächst vorgesehenen Gebäudeteile war festgestellt worden, dass die bereits abgesegnete Planung wegen zu geringer Standfestigkeit nochmals geändert werden musste. "Es hatte sich herausgestellt, dass der geplante Standort für die Wassertechnik aus statischen Gründen im Bereich der alten Umkleidekabinen nicht nutzbar ist", erklärt Geitner. Der Unterbau für die schweren Pumpen und Gerätschaften sei einfach zu schwach gewesen.

Neuer Standort für die Technik

Ein neuer Standort für die Technik wurde zwischen dem Schwimmerbecken und dem ehemaligen Sprungturmbecken gefunden. "Das neue Technikgebäude befindet sich jetzt schon im Bau und kann bei der Wiedereröffnung des Freibades sogar als Sonnenterrasse genutzt werden", sagt der Bürgermeister. Wegen der notwendigen Änderungen ging die neue Planung für die Badewassertechnik etwas zeitverzögert im Sommer 2020 in Auftrag. Dies war letztlich auch der Grund, dass der Gemeinderat entschieden hatte, aus den zwei geplanten Bauabschnitten eine zusammenhängende Baustelle zu machen.

Ursprünglich hätte der erste Bauabschnitt zum Saisonende 2020 starten und vor Beginn der Saison 2021 abgeschlossen sein sollen. Dann hätte das Bad genutzt werden können. Der zweite Abschnitt wäre dann heuer nach dem Saisonende begonnen worden und hätte bis zur Jahresmitte 2022 abgeschlossen sein sollen. "Diese ursprüngliche Planung wäre aber zum Umsetzen doch sehr sportlich gewesen", räumt Geitner ein. Der Marktgemeinderat stehe mehrheitlich hinter der Entscheidung, die Sanierung nun doch in einem Zug durchzuziehen.

50-Meter-Becken bleibt

Viele Gedanken hat man sich um die Badelandschaft selbst gemacht und sich am Ende dafür entschieden, das 50-Meter-Becken zu behalten. Der Sprungturm aber wird verschwinden. An anderer Stelle wird eine gigantische Wasserrutsche gebaut. "Selbstverständlich kommen auch die Kinder nicht zu kurz", betont Geitner: Für sie gibt es ein Kinderbecken mit verschiedenen Ebenen und Wasserspielen. Und gleich nebenan wird ein Spielplatz zum Austoben gebaut.

Auch die Finanzierung musste nachgelagert überplant werden. "Aus den zunächst 3,4 Millionen sind seit der Beantragung der Fördermittel im Jahr 2018 jetzt Gesamtkosten von etwa 4,5 Millionen Euro geworden, die im Dezember 2020 vom Marktgemeinderat genehmigt und an die Förderstelle des Bundes weitergeleitet wurden", informiert der Bürgermeister. Im Januar hat der Bau des Technik- und Filtergebäudes begonnen.

Fertig zur Saison 2022

Neben umfangreichen Erdarbeiten ist das Setzen von Mikropfählen bis in etwa sechs Meter Tiefe nötig – zur Verbesserung der Standfähigkeit. Bereits im März sind Gerüstarbeiten, Trockenbau, die Breitwasserrutsche als Filetstück des neuen Bades, einige Abbrucharbeiten, Außenputz, Maler-, Fliesenleger- und Zimmererarbeiten vergeben worden. Dazu kamen Estrich, Elektroplanung, Fassadenelemente, die Edelstahlbecken, die Badewasseraufbereitung und die Heizung. In einigen Wochen geht es an die Umgestaltung des Eingangsbereiches, der Umkleidekabinen, der Duschen sowie der Sozialräume. "Derzeit ist alles am Laufen und gut koordiniert", berichtet Geitner: "Wir liegen gut im Bauzeitenplan." Wenn das Wetter mitspiele und man bis in den späten Herbst hinein arbeiten könne, werde das Bad zur Saison 2022 fertig sein.

Auch das Waldbad in Sulzbach-Rosenberg wird komplett erneuert

Sulzbach-Rosenberg
Hintergrund:

Das Freibad in Rieden

  • Gesamtfläche: 7000 Quadratmeter, davon 5000 Quadratmeter Grünfläche
  • Fassungsvermögen der drei Becken: 1700 Kubikmeter Wasser
  • Die Heizung erfolgt künftig über zwei Luft-Wärmepumpen mit Lufttauscher mit je 370 KW Leistung
  • Das Überschwallwasser wird aufgefangen, gereinigt und in die Becken zurückgeleitet
  • So weit möglich, werden Photovoltaik-Flächen installiert
  • Automatische Kassensysteme sind vorgesehen

 

 

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