05.09.2021 - 10:32 Uhr
RiedenOberpfalz

Spuren vorgeschichtlicher Besiedelung im Vilstal bei Rieden

Ein ausgedehntes Grabhügelfeld am Ortsrand von Rieden zeugt von einer Siedlung in der Bronzezeit. Die Fundstücke, darunter Dolche, Messer, Amreifen oder Pfeilspitzen, sind voraussichtlich ab 13. September im Riedener Rathaus zu sehen.

Auf einer Fläche von 8000 Quadratmeter waren in Rieden Schmuckstücke und Waffen verteilt im Boden. Das Bild zeigt einen viernietigen Griffplattendolch und ein Absatzbeil mit spitzer Rast.
von Redaktion ONETZProfil

Im Sommer 2019 wurden durch den Riedener Ortsheimatpfleger Hubert Haas auf drei angrenzenden Ackerflächen am Ortsrand von Rieden eine Vielzahl von Bronzeobjekten aufgesammelt. Die Funde und deren Fundstellen wurden vom Finder ordnungsgemäß erfasst und an das Landesamt für Denkmalpflege in Regensburg gemeldet, sowie zur Begutachtung und Registrierung dorthin gebracht und vorgelegt. Bei den Funden, die sich auf einer Fläche von etwa 8000 Quadratmeter verteilten, handelt es sich um verschiedene Schmuckstücke und Waffen. Hinzu kommen etwa 20 Fragmente von sogenannten Gusskuchen, eine Form von Rohmaterial zur Weiterverarbeitung von Kupfer oder bereits legierter Bronze, mit einem Gesamtgewicht von rund 2,5 Kilo.

Kreisrunde, helle Flecken auf US-Luftaufnahme

Datieren lassen sich die Funde in die mittlere und späte Bronzezeit von etwa 1600 bis 1200 vor Christus. Auf einer US-Luftaufnahme vom April 1945 kann man auf der heutigen Fundfläche sehr gut eine große Anzahl kreisrunder heller Flecken erkennen, welche der Form und Größe nach eindeutig auf ein eingeebnetes bronzezeitliches Hügelgräberfeld hindeuten. Bei den oben genannten Fundstücken in Form von Gewandnadeln, Armringen, Dolchen, Messern und einem Beil, sowie einem Rasiermesser, handelt es sich nach Meinung von Experten um ausgeackerte typische Grabbeigaben. Eine Ausnahme bilden die Bronzegusskuchen und Sichelfragmente, die eher als Depotfunde zu bezeichnen sind. Dies deutet darauf hin, dass im Bereich dieses „Friedhofes“, vermutlich noch zur Nutzungszeit, an zwei verschiedenen Stellen Metalldepots angelegt wurden.

Zusammenhang mit Ringwallanlage?

Da dies ungewöhnlich ist, wäre es möglich, dass diese Depots vor dem Grabhügelfeld angelegt wurden, da die Form der Gusskuchen, welche zu jener Zeit einen beachtlichen Wert darstellten, eher in die ausgehende Frühbronzezeit gehören. Ein Zusammenhang des Hügelgräberfeldes mit der vorgeschichtlichen Ringwallanlage am Schlossberg in Rieden ist durchaus im Bereich des Möglichen. Wurden doch auch dort Scherben, sowie eine Pfeilspitze aus Bronze gefunden, die ebenfalls in die Bronzezeit zu datieren sind.

"Abschließend betrachtet, zeigen die Lesefunde aus Rieden die fortschreitende Zerstörung eines bis dahin unbekannten Gräberfeldes der mittleren bis späten Bronzezeit. Aufgrund dessen, dass bis zum Sommer 2019 vom Fundplatz keinerlei Erkenntnisse vorlagen, obwohl der Altlandkreis Amberg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ja von Anton Dollacker in dieser Beziehung gründlich erfasst wurde, stimmt nachdenklich" heißt es von Hubert Haas. Im Bereich der Fundstelle seien Sonderbefunde mit überregionaler kulturhistorischer Bedeutung verloren gegangen. "Hier zeigt sich wieder, wie lückenhaft die Kenntnisse über die Besiedelung Ostbayerns sind."

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Hintergrund:

Funde werden im Rathaus ausgestellt

  • Die Funde sind für Rieden wichtige kulturhistorische Gegenstände.
  • In Absprache mit dem Riedener Bürgermeister Erwin Geitner und der Gemeindeverwaltung sollen sie im Rathaus erstmal zeitlich begrenzt ausgestellt und somit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
  • Der Aufbau der Ausstellung soll nach Auskunft des Ortsheimatpflegers Hubert Haas diese Woche erfolgen.
  • Ab 13. September können die Fundstücke im Rathaus besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind: Montag bis Freitag von 7.30 bis 12 Uhr und am Donnerstag von 14 bis 17 Uhr.

 

 

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