Hier spielt die Musik

Beim „Rechersimer“ gibt es regelmäßig zünftige Musik. Ein festes Programm haben die Musikantentreffen nicht, erklärt die Josephshofer Organisatorin Edeltraud Frank, die dazu jeden letzten Donnerstag im Monat nach Röthenbach einlädt.

von Werner RoblProfil

Das Steinwald-Örtchen Röthenbach erreicht man entweder über Reuth oder Thumsenreuth oder aus der anderen Richtung über Eschldorf unweit von Tannenlohe. Von dort führen schmale Straßen hinein ins Dorf beziehungsweise die Anhöhe hinauf zum beliebten "Rechersimer", der von den Wirtsleuten Käß geführt wird. Der Zoigl-Treff ist längst kein Geheimtipp mehr.

"Musikantenfreundliches Wirtshaus" ist auf einem Schild zu lesen und das ist zweifellos richtig. Jeweils am letzten Donnerstag im Monat rückt dort die Volksmusik in den Mittelpunkt. "Das Musikantentreffen wurde vor gut 15 Jahren ins Leben gerufen", erzählt Organisatorin Edeltraud Frank beim musikalischen Stammtisch.

Wie es sich beim Zoigl gehört, bleibt man beim Du, man rückt zusammen, um sich besser verstehen beziehungsweise gemütlich plaudern zu können. In Stoapfälzer Mundart, versteht sich. Während die ersten Brotzeiten aufgetragen und die Zoiglkrüge nachgefüllt werden, informiert Edeltraud Frank im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, wie und warum der Musikantentreff vor eineinhalb Jahrzehnten entstand. "Eigentlich spontan", lacht die Oberpfälzerin aus Josephshof, das nur wenige Kilometer von Reuth entfernt liegt.

In Reuth lebt auch ihre Gesangskollegin Christa Böhm: "Ich wohne im Hauptort", erklärt Böhm und lacht. Eigentlich braucht sich das Frauen-Duo gar nicht groß vorstellen. Die musikbegeisterten Steinwälderinnen Frank und Böhm sind unter dem Namen "Josephshofer Hausgsang" längst zu einem Begriff geworden. "Weil wir mit der Musik aufgewachsen sind und das gerne machen, dachten wir uns, wir sollten uns regelmäßig mit Gleichgesinnten treffen." Das habe - wie man sieht - auch geklappt.

Handgeschrieben

Kommen darf, wer Lust dazu hat und gerne Musik macht. Die Veranstaltung hat sich längst herumgesprochen. Die Liste der Akteure steht in einem Notizbuch, sie ist handgeschrieben und querbeet zusammengestellt. Die Solisten und Gruppen sollen nach und nach an die Reihe kommen. Auch Edeltraud Frank und Christa Böhm werden einige Stücke zum Besten geben.

Ein festes Programm aber gibt es nicht. "Das braucht's auch nicht. So entwickelt der Abend stets eine Dynamik", meint Frank. "Man weiß eigentlich nie, wie viele Interpreten kommen." Man müsse sich auch nicht anmelden. "Wir laden niemanden ein, die Musikanten packen ihre Instrumente und Noten zusammen und kommen einfach."

Der "Rechersimer" ist seit 19 Uhr geöffnet, angefangen wird eine Stunde später. "Wenn gebimmelt wird, dann sind wir still", mahnt Frank und erklärt damit auch, warum sie die kleine Glocke braucht. Die Begrüßung übernimmt die Josephshofer Organisatorin: "Ich freue mich, dass ihr wieder gekommen seid." Frank bittet um viel Applaus, der nämlich sei das "tägliche Brot" der Künstler, die - nachdem die Wirtshausuhr acht geschlagen hat - einzeln vorgestellt werden. Mit dabei ist auch Alois Lippert aus Tirschenreuth, der sich nach einer Genesungszeit wieder einmal auf den Weg gemacht hat, um zu musizieren. Aus Bischofsgrün stammt Wolfgang Hagen, der Teufelsgeiger Bruno Prilmann kommt aus Eschenbach. Auch aus Mittelfranken ist jemand dabei: Sonja von Kreß lebt in Nürnberg. Sie sei naturverbunden und stellt sich als Jägerin vor. Weitere Orte tauchen auf der Mitwirkenden-Liste auf: Kemnath, Kondrau, der Krummennaaber Ortsteil Scheibe, zudem Reuth, Josephshof, Tirschenreuth, Mitterteich, Eschenbach, Neukirchen.

Humorvolles

Beim Musikantentreff darf auch erzählt werden, humorvolle Geschichten - wer welche kennt - darf jeder beitragen. Man darf sich auch ein Lied wünschen. Um mitsingen zu können, liegen Text- und Notenhefte auf. Den Anfang macht der Weiherhammerer Theo Helgert mit seiner Steirischen Harmonika. An der Zither sitzt bereits Rainer Winterstein. Der Mitterteicher ist danach an der Reihe. "Da muss man schon etwas still sein", bittet Edeltraud Frank, die Unterhaltungen zu dämpfen und verweist auf das etwas leisere Saiteninstrument, das der Rentner spielt. Ein Terzett tragen wenige Minuten später Hubert Storek aus Kemnath, die Nürnberger Gitarristin Sonja von Kreß und Bruno Prilmann vor.

92 Jahre alt

Der Eschenbacher Bruno Prilmann ist 85 Jahre alt. Er ist aber längst nicht der Älteste in der Runde. Vor 92 Jahren kam der Tirschenreuther Alois Lippert zur Welt. Das, was er auf der Harmonika vorträgt, ist schon beachtlich. Ohne Musikbegleitung wirkt Urban Reger aus Scheibe bei Krummennaab, der vom Blatt weg und a cappella singt. Gefallen findet auch das "Neukirchner Trio" - Traudl, Nicole und Manfred Reithmayer. "Während wir singen, könnt ihr im Liederheft die Nummer 19 raussuchen", kündigen sich die Josephshofer Sängerinnen an. Längst hat der Zuhör-, Erzähl- und Mitsingabend Fahrt aufgenommen und wird von Wolfgang Hagens "Aus Böhmen kommt die Musik" zudem noch gesteigert. Einer nach dem anderen betritt die "Bühne" und zeigt, was er kann. Einfache Instrumente, wie Bruno Prilmanns klappernde Holzkochlöffel oder ein selbst gebastelter, quakender Ratschbalg (ähnlich einer Ziehharmonika), den Edeltraud Frank aus der Tasche kramt, sorgen für den richtigen Takt. Manchmal ist auch ein Brummtopf dabei.

An Kirchweih, Weihnachten oder zum Fasching gibt es ein spezielles Programm. Die Worteinlagen, egal von wem, gehören zu den Treffen genauso wie das braune Zoiglbier, das aus dem Zapfhahn fließt, und die Brotzeiten, die von den Wirtsleuten aufgetragen werden.

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