01.07.2020 - 10:42 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Rotlicht, Rauch und Wellenrauschen - Ein Trip nach Amsterdam und Zandvoort

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Coffeeshops, boomende Rotlichtviertel, unendlich scheinende weiße Sandstrände. Holland ist das Land der Gegensätze. Ein atemberaubender Trip nach Amsterdam und Zandvoort.

Der Geruch von Marihuana liegt über Amsterdam. Der Konsum ist in den Niederlanden in "Coffeeshops" legal.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Holland war bei meiner Urlaubsplanung nie ein Thema. Italien. Spanien. Griechenland. Auch Kroatien. Aber Holland – dieses Land habe ich nie mit einem richtigen Badeurlaub verbunden. Bis eine Freundin vorschlug, ob wir nicht mal etwas anderes ausprobieren wollen. „Ich habe da einen Ort entdeckt. Zandvoort. Wunderschön. Und er ist nur eine halbe Stunde von Amsterdam entfernt.“ Wir mieteten uns eine Ferienwohnung direkt am Strand von Zandvoort. 14. Stock. Eine unglaubliche Aussicht vom weitläufigen Balkon auf das funkelnde Meer.

Bei der Abfahrt aus der Oberpfalz stehen wir vor einem Problem. Drei Mädels. Zu viel Gepäck. Klar, wir mussten schließlich für einen Stadt- und einen Badeurlaub packen. Nach einer halben Stunde Kofferraum-Tetris schaffen wir es schließlich, alles zu verstauen. Die 8-Stunden-Fahrt über Köln in den niederländischen Küstenort westlich von Amsterdam ist unkomplizierter als erwartet. Kurz vor Zandvoort verändert sich die Landschaft. Weißer Sand, leichte Dünen, immer mehr Hotels, die in den Himmel ragen. Dann taucht sie vor uns auf. Die Nordsee. Nach dem Einchecken und einer kurzen Verschnaufpause erkunden wir den kleinen Ort – und verlieben uns sofort in die Boutiquen, die Straßencafés und die typisch niederländische Architektur. Das 17.000-Seelen-Örtchen lässt sich problemlos zu Fuß entdecken. Am Strand reiht sich ein Restaurant an das andere. Wunderschöne Strandpavillons, die ihre Gäste mit lodernden Feuerkörben und duftenden Gerichten auf ihre Terassen mit Blick aufs Meer locken.

Zandvoort ist der perfekte Ort, um ein paar wundervolle Tage am Meer zu verbringen.

Am nächsten Morgen ist es windig. Doch die starken Böen sind nicht das einzige, das wir von unserem Balkon aus hören. Motoren. Rasende Fahrzeuge. Inmitten der Dünen gelegen ist die „Circuit Zandvoort“, eine Rennstrecke, auf der Formel-1-Fahrer bis 1985 um den Titel „Grand Prix von Zandvoort“ kämpften. Den letzten Grand Prix auf dieser Strecke gewann Niki Lauda. Heute werden keine Weltrennen mehr ausgetragen. Doch noch immer wird die Strecke von Hobbyrennfahrern genutzt. Am späten Vormittag füllt sich der kilometerlange, weiße Sandstrand mit Touristen und Amsterdamern, die regelmäßig nach Zandvoort kommen, um dem Trubel der Großstadt zu entgehen. Wir mieten uns drei Strandliegen und lassen das Leben an uns vorbeiziehen. Das Meer rauscht und die Sonne setzt sich gegen den Wind durch. Es ist herrlich. Badeurlaub pur. Auch für Naturbegeisterte und RadFans hat der Küstenort viel zu bieten. Nördlich von Zandvoort befindet sich der Nationalpark Zuid-Kennemerland. Das 3800 Hektar große Dünengebiet ist einer von 20 niederländischen Nationalparks. Zeit einplanen lohnt sich, denn der Park begeistert mit einer außergewöhnlichen Fauna und Flora, kalkreichen Dünen, Seen – und mit ein wenig Glück entdeckt man Füchse, Rehe, Kaninchen oder auch das eine oder andere freilebende Rind. Südlich von Zandvoort liegt der „Amsterdamer Waterleidingduinen“, ein traumhaftes Wandergebiet. Mehr als 100 Vogelarten brüten in diesem Gebiet, einzigartige Pflanzenarten wachsen dort seit Jahrzehnten. Und manchmal dringt das Röhren eines Hirsches durch das Gebiet, der gerade versucht, ein Weibchen auf sich aufmerksam zu machen.

Zwischen Grachten und Großstadttrubel

Nach so viel Natur und entspannten Stunden am Meer wird es Zeit für ein bisschen Großstadtleben. Ab nach Amsterdam. Wir lassen unser Auto stehen und machen uns auf zum 5 Minuten entfernten, historischen Bahnhof von Zandvoort. Alle 30 Minuten fährt hier ein Zug in Richtung Hauptstadt. Umgekehrt ist es genauso. Sieben Euro kostet uns die Hin- und Rückfahrt. Ein echtes Schnäppchen. Gleich bei der Ankunft am prächtigen Bahnhof von Amsterdam sticht uns die besondere Architektur der Stadt ins Auge. Imposante Backsteinbauten, verzierte Fassaden, zahlreiche Brücken. Amsterdam ist nicht nur die Stadt der Fahrräder. Sie ist auch das Zentrum der Grachten, der Kultur und der gesellschaftlichen Vielfalt. Um die Metropole in all ihren Facetten entdecken zu können, kaufen wir uns ein Tagesticket für ein „Hop-on, Hop-off“Schiff. Aussteigen, wo es uns gefällt. Das ist der Plan. Beim Einsteigen erhalten wir Kopfhörer. Ein Guide erzählt von der Geschichte Amsterdams und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die wir auf dem Wasser passieren. Die Stadt zieht uns sofort in ihren Bann. Schnell wird uns klar: ein Tag Amsterdam reicht nicht, um alles erkunden zu können.

Grachten, Hausboote, schön angelegte Grünflächen - Amsterdam ist eine vielfältige Stadt voll Natur und Großstadttrubel.

Der Duft von Cannabis mischt sich mit dem von süßem Gebäck und herzhaften Pommes, als wir durch das „Oude Centrum“, wie die Holländer den Innenstadtkern nennen, spazieren. Gewöhnungsbedürftig. Auch der Anblick der zahlreichen Coffeeshops, aus denen dicke Rauchschwaden dringen. Der Stadtkern ist sehr touristisch. Souvenirgeschäfte, Tourist-Büros, Fastfood-Ketten. Das wahre Amsterdam finden wir in den Stadtvierteln um den Kern. Um das Oude Centrum liegt der Grachtengürtel mit seinen drei Hauptgrachten: der Herengracht, der Keizergracht und der Prinsengracht. Direkt am Wasser sollte man sich unbedingt in eines der unzähligen Cafés setzen und das Treiben einige Momente auf sich wirklich lassen. Die Kombination aus Natur, der Lebendigkeit und der Geschichte der Stadt ist unbeschreiblich schön. Es geht weiter zum Bloemenmarkt. Er ist nicht schwer zu finden. Überall in der Stadt weisen uns Hinweisschilder den Weg. Klar – der Markt ist auch eines der bekanntesten Attraktionen Amsterdams. Er ist der einzige auf dem Wasser treibende Blumenmarkt der Welt. Neben riesigen Tulpenbündeln bieten Händler allerlei kleine Souvenirs wie Holzschuhe und Windmühlen und Leckereien an.

Da sich die Warteschlange vor dem Anne-Frank-Haus einige Hundert Meter entfernt einmal um das komplette Gebäude zieht, machen wir uns auf zum Rijksmuseum. Da die Zeit sowieso schon verfliegt, wollen wir nicht stundenlang anstehen. Schon die Parkanlage des Museums macht sprachlos. Im Frühling blühen hier hunderte von Tulpen. Dazwischen stehen Liegestühle, ein Springbrunnen plätschert. Auch das Museum lohnt sich. Mit über 8000 Bildern und Skulpturen wird die Geschichte der Niederlande vom Mittelalter bis zur Gegenwart erzählt. Besonders beeindruckend sind die Werke, die Weltgeschichte schrieben – wie das Selbstportrait von Van Gogh und „Die Nachtwache“ von Rembrandt. Amsterdam ist bunt – und stylisch. Auch, wenn es um das Thema Shoppen geht. Wunderschöne Boutiquen findet man in der De 9 Straatjes und im gesamten Grachtengürtel. Egal, ob man auf der Suche nach einem besonderen Outfit oder einem ausgefallen Accessoire ist – hier findet man garantiert das richtige. Vor allem aber begeistert uns der Waterloopein. Der historische Antiquitätenmarkt ist schon lange kein Geheimtipp mehr für alle Nostalgie-Fans. Bis 1941 war der Markt als „jüdischer Markt“ bekannt und gilt bis heute als der größte der Stadt.

Rotlicht zwischen Kindergarten und Cafés

Das Amsterdamer Rotlichtviertel boomt. Schon ab nachmittags bieten Frauen in den engen Gassen ihre Dienste an.

Unsere letzte Station ist das bekannte Rotlichtviertel zwischen Hauptbahnhof und dem Nieuwenmarkt. Von Bordellen über Sex-Shops bis zu Prostitutions-Museen überlässt dieses Viertel nichts der Fantasie. De Wallen, wie der Red Light District auch genannt wird, erwacht schon nachmittags zum Leben. In über 500 schmalen, rot beleuchteten Schaufenstern stehen hier die Prostituierten und warten auf ihre Kunden. Anders als in Hamburg dürfen auch Frauen durch die Gassen gehen. Kontrollen gibt es nicht. Auch keine Absperrungen. Es ist eine schillernde Welt. Faszinierend. Das Besondere an De Wallen ist, dass es inmitten eines normalen Wohnviertels liegt. Seite an Seite mit den Bordellen gibt es kleine Cafés, Restaurants, Modeboutiquen und sogar einen Kindergarten. Es ist ein Blick in eine andere Welt, in der das Leben pulsiert. Es geht zurück nach Zandvoort. Im Zug melden sich die ersten Auswirkungen der langen Stadttour. Schmerzende Füße. Müdigkeit. Wir lassen den Abend auf unserem Balkon im 14. Stock bei einem Glas Wein ausklingen, beobachten das rauschende Meer, Spaziergänger, die sich vom immer stärker werdenden Wind nicht abhalten lassen, noch einmal über den Sand zu schlendern, bevor die Sonne untergeht. Noch lange reden wir über das, was wir in Hollands Metropole erlebt haben. Amsterdam pulsiert. So facettenreich, so lebendig, so unheimlich schön. An diesem Abend beschließen wir, dass wir noch einmal in den Zug steigen werden und zurück nach Amsterdam fahren. Eine Stadt, die einen nicht mehr loslässt.

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Oberpfalz
KULINARISCH- KÖSTLICHES HOLLAND:

Deftig, lecker, traditionell

Holland ist nicht nur ein atemberaubendes Land, um in die Natur und das bunte Großstadtleben einzutauchen. Auch kulinarisch bietet es so manches Highlight, dass man während seines Urlaubs auf keinen Fall verpassen sollte.

KIBBELING: Frischer Fisch sollte beim kulinarischen Trip durch Holland nicht fehlen. Besonders lecker ist Kibbeling, ein gewürfeltes Fischfilet, das mit einem Backteig überzogen und dann frittiert wird. Kombiniert mit einer herzhaften Soße und typisch niederländischen Pommes ist es der perfekte Snack für zwischendurch. Doch Vorsicht: Kauft ihr die Leckerei am Strand, achtet auf die Möwen. Denn auch die können nicht genug von Kibbeling bekommen – und klauen liebend gerne vom Teller.

KROKET: Die Kroket ist ein beliebter Imbiss, der unserer deutschen Krokette äußerlich sehr ähnelt. Das Besondere steckt im Inneren. Die Kroket ist gefüllt mit einer Füllung aus Fleisch, Gewürzen, Butter, Mehl und Bouillon. Es gibt auch vegetarische Varianten, beispielsweise mit Tomate-Mozzarella.

BITTERBALLEN: Sie sind das beliebteste Fingerfood der Holländer – und definitiv zu empfehlen: Die Bitterballen. Die kleinen Hackfleischbällchen bestehen traditionell aus Rind und unterschiedlichsten Gewürzen. Für Vegetarier gibt es eine Alternative aus Pilzen. Als Dip für diese panierten und frittierten Bällchen gibt es oft körnigen Senf.

VLA: Flüssig, intensiv, lecker: Vla ist ein Pudding, der aus gekochter Milch und einer Creme aus Eigelb, Zucker, Vanille und Maisstärke hergestellt wird. Neben den traditionellen Sorten Vanille und Schokolade finden sich in so manchem Imbiss exotischere Varianten wie Traube oder Apfel-Zimt, garniert mit Keksstreuseln. Die perfekte Nachspeise. Probieren lohnt sich.

Einen schwimmenden Blumenmarkt gibt es nicht? Gibt es doch - mitten in Amsterdam. Definitiv einen Besuch wert.
Sag es auf Niederländisch:

Die wichtigsten Vokabel für den Urlaub

Guten Tag Goeden Dag

Guten Abend Goedenavond

Wie geht es Ihnen? Hoe gaat het met u?

Ich heiße Mijn naam is

Bitte Alstublieft

Danke Dank u

Auf Wiedersehen Tot ziens

Sprechen Sie deutsch? Spreekt u Duits?

Wo ist die Toilette? Waar is het toilet?

Wie viel kostet das? Hoeveel kost dit?

Einen Tisch für eine Person/ zwei Personen bitte. Een tafel voor een/twee alstublieft.

Die Rechnung bitte. De rekening, alstublieft.

Ich spreche kein Niederländisch. Ik spreek geen Nederlands.

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