21.01.2020 - 17:00 Uhr
Oberpfalz

Schlachttag auf dem Bauernhof

Hausschlachtungen gibt es nicht mehr. OWZ-Autor und Heimatpfleger Josef Schmaußer erinnert sich an seine Kindheit, wenn der Brühtrog bereit stand und der Metzger auf den Bauernhof kam.

Ein Frosthäusl, wahrscheinlich das von Ursensollen, um 1960. Die genossenschaftlich organisierten Mitglieder konnten in ihren Fächern der Gemeinschaftsgefrieranlage Fleisch und andere Lebensmittel aufbewahren, bevor auch auf den Dörfern private Gefriertruhen üblich wurden. Der Fotograf ist unbekannt.
von Josef SchmaußerProfil

Das Schlachtfest war bis Ende der 1970er Jahre eines der großen und wichtigen Ereignisse im bäuerlichen Jahreslauf. Rechtliche Bestimmungen und der Wandel auf den Dörfern haben diesem großen "Fest" auf den damals noch reichlichen Bauernhöfen ein Ende gesetzt.

In den Wintermonaten, oft vor Weihnachten, wurde eine Hausschlachtung gemacht. Manche armen Häusler konnten es sich gar nicht leisten, ein Schwein zu mästen. Auf großen Höfen wurden dagegen während des Jahres vier Schweine geschlachtet, um die Familie und das Gesinde mit Fleisch zu versorgen. Auch vor großen Familienereignissen, wie einer Hochzeit, musste eine Sau ihr Leben lassen. Der Strukturwandel auf den Dörfern, die leichte Erreichbarkeit von Metzgereien, der Wandel von Ernährungsgewohnheiten (wer isst heute noch gerne Fettes?) und auch strengere rechtliche Bestimmungen haben diese alte Tradition auf den Dörfern zum Erliegen gebracht.

Viele Vorbereitungen

Besonders die Schlachttage im Dezember sind mir unvergesslich geblieben. Schon einen Tag vor dem Schlachten gab es im Haus und in der Scheune viele Vorbereitungen zu erledigen. Vom Metzger war der Brühtrog zu holen. Ein Schragen, auch "Galgen" oder "Stechrehm" genannt, zum Ausweiden und Teilen des Schweines, wurde bereitgestellt. Ketten zum Wenden des Schweines im Brühtrog wurden hergerichtet und eine etwa drei Meter lange Holzleiter, auf die das Schwein nach dem Brühen gelegt wurde, hergesucht.

Das dicke Fleischhackbrett aus hartem Buchen- oder Birnbaumholz, mehrere Nudelbretter, um das Fett darauf auszulegen und auskühlen zu lassen, sowie Schüsseln und Eimer wurden in die Waschküche gebracht. Der emaillierte Waschkessel musste saubergemacht werden, denn das Kesselfleisch und die Wurstsuppe sollten ja nicht nach Seife schmecken. Eine größere Menge Zwiebeln und Gewürze war bald vorbereitet. Beim Krämer wurden Bindfäden ("Wurstfäden") und Brühpech gekauft.

"Brandmetzger" kommt

Etwa um sieben Uhr, nach dem Füttern, kam der Metzger. Nicht selten waren es Landwirte, die sich die nötigen Handgriffe selbst beigebracht hatten. Oder es kam der "Brandmetzger" (das Wort kommt vom Lungenbrand, einer Viehkrankheit). "Is as Wasser schou hoaß?", wurde zunächst die Mutter gefragt. Dann lockte man das Schwein aus dem Stall. Das Tier, das schon einen ganzen Tag nichts mehr zum Fressen bekommen hatte, musste oft gezogen und geschoben werden, als ahnte es, was ihm nun bevorstand. Ein Strick am Fuß sollte ein Ausreißen verhindern, was oft genug passierte.

Erst relativ spät kamen die Schussapparate auf. Vorher wurden die Schweine durch einen dumpfen Schlag mit der Hackenplatte getötet. Wehe, wenn der Metzger nicht zielsicher war. Dann suchte die Sau mit ihm, dem sie zwischen die Beine gerannt war, das Weite. Was in heutiger Zeit fast undenkbar erscheint: Selbst kleinere Kinder wollten und durften dem schrecklichen Zeremoniell zusehen. Manche hielten nach dem Ableben des Schweines gar das Schwanzerl und hatten damit das Gefühl, beim Schlachten "eine wichtige Aufgabe" zu übernehmen.

Ein Messer blitzte auf, und nach einem Stich ins Herz des Schlachttieres wurde das Blut für die späteren Blutwürste und den roten Presssack in einer Schüssel aufgefangen. Die Hausfrau begann es sofort zu schlagen, damit das Blut nicht stockte.

Nicht selten erlaubte sich der Metzger mit den zuschauenden Kindern einen derben und recht zweifelhaften Scherz: "Gejh laaf und hul schnöll an Teller! Nou krejgst die erschte Wurscht!" Na ja, um manche derartige, grobe "Bräuche" ist es nicht schade, wenn sie verschwinden!

Nun wurde die Sau in den Brühtrog gerollt und schnell mit dem gelben Fichtenpechpulver eingerieben. "Woa bleibt'n des hoaße Wasser?" Fleißige Helfer eilten mit Eimern mit heißem Wasser herbei. Fast jeder Metzger kann Geschichten erzählen, wie in einem Schwein, als es den ersten Eimer mit siedendheißem Wasser über den Buckel bekam, die letzten Lebensgeister erwachten, und das Tier aus dem Trog sprang. Zwei Mann rubbelten nun mit einer Kette die groben Borsten ab. Mit Messern und den "Glocken", das sind zylinderförmige Werkzeuge des Metzgers, wurden gröbere und feine Borsten sowie Härchen abgerieben und "abgezeigelt". Nach dieser Arbeit hängten der Metzger und seine Helfer das Schlachttier am Schragen auf. Das Schwein wurde nun ausgeweidet und anschließend mit der Fleischhacke in zwei Hälften geteilt.

Blase als Fußballersatz

Die Blase, "Blunse" genannt, diente später manchmal als Ballersatz zum Fußballspielen. Auch die Haustiere wurden beim Hausschlachten nicht vergessen. So wartete zum Beispiel der Hund bereits sehnlichst auf den ersten Fleischbrocken, der beim Schlachtfest für ihn abfiel.

Wer von der jüngeren Generation kennt noch dieses Werkzeug des Metzgers? Die „Glocke“ wurde benutzt, um gröbere und feine Borsten sowie Härchen „abzuzeigeln“.

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Ursensollen
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