26.11.2021 - 14:17 Uhr
SchlammersdorfOberpfalz

Nach Großbrand in Schlammersdorf: Peta stellt Strafanzeige

Bei einem Großbrand Anfang November auf einem Hof in Schlammersdorf entstand Millionenschaden, mehrere Tiere verstarben. Nun meldet sich die Tierschutzorganisation Peta zu Wort und erstattet Anzeige. Die Vorgehensweise ist fragwürdig.

Beim Großbrand in Schlammersdorf stehen zwei Ställe in Flammen.
von Vanessa Lutz Kontakt Profil

Fast einen Monat ist der verheerende Brand auf einem Hof in Schlammersdorf her. Ein Feuer, laut Angaben der Polizei nachweislich ausgelöst durch einen technischen Defekt, hat zwei Ställe zerstört. Auch das Gebäude eines Nachbarn und ein darin untergestelltes Gerät sind in Mitleidenschaft gezogen worden. Am Ende starben zwei Kühe und fünf Kälber an einer Rauchvergiftung.

Das sind die Kernpunkte, an denen sich die Tierschutzorganisation Peta stört. Diese hat, so teilt sie groß auf ihrer Homepage mit, aufgrund von Medienberichten Strafanzeige gegen Unbekannt im Schlammersdorf-Fall gestellt. Nun ermitteln die Staatsanwaltschaft Weiden und die Polizei Eschenbach, wie beide Stellen auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigen.

Vorwurf aus der Ferne

Der Vorwurf der Organisation liest sich wie folgt: Der Brandschutz sei "mutmaßlich unzureichend" gewesen. Es wurde "möglicherweise billigend in Kauf genommen, dass die Rinder und Kälber qualvoll ersticken oder bei vollem Bewusstsein verbrennen". Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt Edmund Haferbeck von Peta, dass kein Mitarbeiter der Tierschutzorganisation in Schlammersdorf vor Ort gewesen ist, um sich über die Umstände des Brandes kundig zu machen.

Wie kommt dann die Strafanzeige zustande? "Wir stellen aufgrund unserer langjährigen Erfahrung (hier arbeiten an diesen Vorgängen 2 Agrarwissenschaftler) und vor allem der Fachexpertise der Feuerwehren die Vermutung auf, dass hier gegen die ohnehin extrem laxen Bestimmungen verstoßen worden sein könnte", schreibt Haferbeck. Und weiter: "Es bedarf keiner Eigenrecherchen vor Ort. Diese immer mal wieder auftauchenden Vorwürfe gegen Peta, wir wären ja nicht vor Ort gewesen und könnten deshalb gar nicht wissen, was dort konkret Sache ist, sind unbegründet."

Strafanzeigen von Peta in Weiden kein Novum

Gerd Schäfer, Leitender Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Weiden, sagt, es komme "gelegentlich" auch bei der Weidener Staatsanwaltschaft vor, dass Anzeigen der Tierschutzorganisation erstattet werden. Die Vorwürfe der Organisation seien aber bislang stets unbegründet gewesen, die Ermittlungen am Ende eingestellt worden. Denn: "Die Anzeigen von Peta erfolgen meist auf Verdacht, die Organisation unterstellt auch immer einen Vorsatz", so Schäfer. Die Anzeige im konkreten Fall in Schlammersdorf sei vor wenigen Tagen eingegangen.

Schäfer betont, dass die Weidener Staatsanwaltschaft Tierschutzvergehen generell sehr ernst nimmt - er verweist auf einen kürzlich verhandelten Prozess eines Ratten-Tierquälers vor dem Weidener Amtsgericht. "Wir schauen da nicht weg." Dennoch seien solche Verdachtsanzeigen von Peta "schwierig", gibt Schäfer zu. Eben, weil die Organisation keinerlei Kenntnisse über die Geschehnisse vor Ort habe.

Das Amtsgericht hat einen Rattenquäler verurteilt

Weiden in der Oberpfalz

Ermittlungen dauern noch an

Werner Stopfer ist Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Eschenbach. Er sagt, die Brandermittlungen würden noch andauern. Der technische Defekt, der zum Großbrand geführt hat, hänge mit einem "Gerät im Stall" zusammen. Weitere Details könne er noch nicht nennen. Aufgrund der Anzeige von Peta werden nun ein zusätzliches Aktenzeichen angelegt und nochmals Ermittlungen geführt. Diese würden aktuell anlaufen.

Eine Sache ist Stopfer wichtig hervorzuheben: "Schon bevor die Polizei eingetroffen ist, hat der verzweifelte Landwirt mit seiner ganzen Familie und der Feuerwehr alles versucht, um seine Tiere zu retten." Circa 140 Tiere mussten damals schnellstmöglich aus dem Stall geschafft werden - für zwei Kühe und drei Kälber konnte nichts mehr getan werden.

Peta-Sprecher Haferbeck schreibt in seiner Antwort an Oberpfalz-Medien pauschal: "Da die Tiere und die Ställe versichert sind, bekommen die Landwirte den Schaden ersetzt – und die Tiere werden nur als Ware gesehen." Der Weidener Staatsanwaltschaftssprecher Schäfer hält dagegen. Laut seiner Erfahrung sei es den meisten Landwirten, die Tiere halten, eben nicht egal, ob diese verenden.

Der Brand sorgte für einen massiven Schaden

Schlammersdorf

Die Brandursache steht nach ersten Ermittlungen fest

Schlammersdorf
Hintergrund:

Das ist zum Großbrand in Schlammersdorf bislang bekannt

  • Zeitpunkt: Freitag, 5. November, gegen 1.30 Uhr Ausbruch des Großbrandes auf einem Bauernhof
  • Vorfall: Feuer breitete sich rausch auf zwei Ställe aus; Familie des Brandleiders und Feuerwehreinsatzkräfte trieben etwa 140 Stück Großvieh aus den Stallungen auf angrenzende und eingezäunte Weide; 7 Tiere starben;
  • Ursache: genaue Brandursache noch unklar; vermutlich technischer Defekt an einem Gerät im Stall als Auslöser; Brandermittlungen dauern noch an;
  • Schadenshöhe: noch nicht abschließend geklärt; liegt nach ersten Schätzungen bei etwa einer Million Euro;

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.