25.11.2020 - 16:40 Uhr
SchmidmühlenOberpfalz

Schmidmühlen erinnert mit Mahnmal an Todesmarsch der KZ-Häftlinge

Mit dem allmählich auslaufenden 2020 endet auch das Jahr, an dem Deutschland auf 75 Jahre Kriegsende zurückblickt. Die drei Lauterachtalgemeinden Schmidmühlen, Hohenburg und Kastl tun dies mit einem gemeinsamen Projekt.

Im Zuge der Aktion „Fußspuren gegen das Vergessen“ wird am Lauterachweg bei Schmidmühlen ein Gedenkstein für die KZ-Häftlinge aufgestellt (von links): Marktrat Thomas Wagner, Marktrat und praktischer Projektleiter Markus Mehringer, Bürgermeister Peter Braun, Marktrat Hans Edenharter, Zweiter Bürgermeister Martin Bauer, Ortsheimatpfleger Josef Popp und Dritter Bürgermeister Mathias Huger.
von Autor POPProfil

Den Schwerpunkt des Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs sollten im Lauterachtal die Erinnerungen an den Todesmarsch der Häftlinge aus dem Konzentrationslager Flossenbürg, Außenlager Hersbruck, bilden. Die Vorbereitungen hierzu waren bereits 2018 angelaufen. Auch Landrat Richard Reisinger war mit eingebunden und stand nach eigenem Bekunden „voll und ganz“ hinter dem Vorhaben. Allerdings wurde die gemeinsam geplante Aktion „Fußspuren gegen das Vergessen“ heuer immer wieder durch die Corona-Pandemie verzögert oder gar unterbrochen. Dennoch halten die drei Gemeinden Wort, die Vorbereitungen zu verschiedenen Veranstaltungen laufen weiter.

So auch in Schmidmühlen. Die Gemeinde ist in ihren Bemühungen nun einen großen Schritt vorangekommen. Ziemlich genau an der Stelle, an der es im April 1945 zu einer Katastrophe mit vielen Todesopfern gekommen war, wurde eine kleine Erinnerungsstätte errichtet, wurden direkt neben dem Lauterachweg erste „Fußspuren“ gesetzt. Radfahrer und Fußgänger, die den Ort passierten, vorbeigekommen sind, äußerten sich schon überaus positiv über die Art des Gedenkens. Noch ist diese Erinnerungsstätte aber nicht fertig.

Die Rahmenbedingungen für dieses kleine Mahnmal hatten der Kulturausschuss und die drei Lauterachtal-Bürgermeister festgelegt. Bei einem ersten Ortstermin im Juni hatte der Kulturausschuss das Vorgehen einvernehmlich festgelegt. Einer der federführend bei der Umsetzung beteiligt war, ist der Trachtenvereinsvorsitzende, Marktrat Markus Mehringer. Er fasste die vielen Ideen des Kulturausschusses zusammen und konzipierte gemeinsam mit dem Bauhof, insbesondere mit Gemeindearbeiter Christian Lautenschlager, eine kleine Erinnerungsstätte, die nicht nur bei Bürgermeister Peter Braun, sondern auch bei den beiden Fraktionssprechern Hans Edenharter (CSU/FW Emhof) und Thomas Wagner (Freie Wähler/SPD) auf uneingeschränkte Zustimmung stieß. Mehringer übernahm auch die praktische Umsetzung. Eines fehlt an dem Mahnmal aber noch: eine kleine Info-Tafel beim Gedenkstein. An dieser arbeiten noch Dritter Bürgermeister Mathias Huger und Ortsheimatpfleger Josef Popp. Diese Tafel soll den Blick lenken zurück auf die letzten Tage des Zweiten Weltkriegs, als die Bürger von Schmidmühlen mit großem Leid konfrontiert wurden.

Am 15. April 1945 zogen rund 2000 KZ-Häftlinge in drei Marschkolonnen von Hohenburg her durch den Markt Schmidmühlen. Sie waren über Hersbruck in das Lauterachtal gekommen. Auf einer Wiese in der Nähe des Friedhofs machte der Zug einen Halt. Diesen Platz erachteten die Führer als geeignet, da hier auch die Lauterach vorbeifloss. Umgehend bezogen Wachmannschaften Stellung, um die Gefangenen zu bewachen. Der Bevölkerung war die Kontaktaufnahme mit den Häftlingen verboten. Die ersten beiden Marschgruppen mit etwa 1000 Männern zogen im Vilstal weiter in Richtung Kallmünz, der letzte Zug mit 227 abgemagerten und ausgemergelten Menschen blieb in der Lauterachtalgemeinde zurück.

Als die Nacht hereingebrochen war, begann für die zurückgebliebenen Häftlinge eine Katastrophe: Starker Regen setzte ein. Ein Teil der Gruppe suchte vor Nässe und Kälte Schutz in einem Schuppen. Doch das Gebäude war der Menge nicht gewachsen. Das Gebälk brach zusammen und stürzte auf die am Boden liegenden Häftlinge – was für viele den sicheren Tod bedeutete. Viele der ums Leben gekommenen Häftlinge wurden, so kann man es in der Chronik des Marktes Schmidmühlen nachlesen, auf dem Friedhof, einige weitere auf der Wiese in der Nähe der Feldscheune beerdigt und später exhumiert.

Für die übrigen Häftlinge bedeuteten die wenige Tage später einrückenden Amerikaner die Befreiung. Die US-Soldaten betreuten die Menschen besonders fürsorglich. Die befreiten Häftlinge wurden im ehemaligen Gasthaus Goldener Anker, aber auch im alten Schulhaus untergebracht. Für sieben von ihnen kam jedoch die Befreiung zu spät. Sie starben völlig entkräftet, weil sie die reichlich gelieferte Nahrung nicht vertrugen. Insgesamt wurden schließlich 17 Häftlinge im Friedhof beerdigt. Wie viele Menschen bei diesem Marsch ums Leben gekommen sind, kann nicht mehr exakt bestimmt werden. Ihr Schicksal soll aber im Landkreis nicht vergessen werden.

Aber auch das soll nicht in Vergessenheit geraten: Obwohl es der Zivilbevölkerung strengstens verboten war, Kontakt mit den Häftlingen aufzunehmen, ließen ihnen die Bewohner immer wieder Nahrungsmittel zukommen, die wenigsten einigen Häftlingen das Überleben sicherten. Und auch das ist überliefert: Einige Häftlinge besuchten immer wieder Schmidmühlen, den Ort, in dem sie nicht nur viel Leid, sondern auch viel Hilfe erfahren durften.

Info: Eine umfassende Dokumentation zum Kriegsende bietet der aktuelle Eisengau, Jahresband 54 /2020

Titel: 75 Jahre Kriegsende im Amber-Sulzbacher Land; Todesmärsche durch das Lauterachtal

Herausgeber: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg, Regionalgruppe Amberg

Verantwortlich: Kreisheimatpfleger Dieter Dörner.

Jugendliche gießen Fußspuren in den Beton

Hohenburg
Marktrat Markus Mehringer und Gemeindearbeiter Daniel Wolfsteiner errichten die Gedenkstätte.
Die Erinnerungsstätte am Lauterachtalweg.
Der Gedenkstein wird gesetzt, hier mit Gemeindearbeiter Christian Lautenschlager.
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