Schmidmühlen
14.02.2024 - 15:59 Uhr
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Schmidmühlen hat den ältesten Fischzug in Amberg-Sulzbach

Eine bierernste Angelegenheit sind die Fischzüge im Landkreis Amberg-Sulzbach am Aschermittwoch. Der älteste und auch der größte ist der in Schmidmühlen.

„Ein einmaliger Brauch, der den Markt zusammenhält“, das sagt Zeremonienmeister Thomas Wagner über den Fischzug in Schmidmühlen. Treffpunkt ist am Aschermittwoch, immer um „Oans“, beim Ochsenwirt. „So ist es schon immer gewesen und so soll es auch bleiben“, sagt Wagner, bei dem die organisatorischen Fäden zusammenlaufen.

Es geht auf „Oans“ zu. Immer mehr Männer im schwarzen Anzug, mit Gehrock, Krawatte oder Fliege drängen sich ins Wirtshaus. Das wichtigste Accessoire aber ist für jeden der Zylinder – ohne diese Kopfbedeckung geht überhaupt nichts. Für die Fischzugteilnehmer sind die Formalien Routine. Der Zeremonienmeister hat es leicht, jedem Teilnehmer einen Fisch gegen einen Obolus von fünf Euro auf den Rücken zu malen: Die Konturen vom Vorjahr sind noch zu sehen.

Regeln gelten seit 100 Jahren

In der Wirtsstube haben sich mittlerweile auch die Laternenträger, der Brot- und der Fischmeister und als wichtigste Person der Faschingsprinz eingefunden. Für Letzteren ist in der Hierarchie des Zuges ein Ehrenplatz reserviert, genauso wie für den Bürgermeister. Thomas Wagner erklärt kurz die Verhaltensregeln, sie schon seit über 100 Jahren gleich sind. „Gegangen wird immer auf der linken Straßenseite, und für jedes verschwundene Wirtshaus machen wir einen Schlenkerer zur Erinnerung“, so ist es der Brauch. Diese Ansage beantworten die Männer mit einem Grummeln als Zeichen dafür, dass alle die Regel verstanden haben. Die Fischzugteilnehmer sind in keinem Verein zusammengefasst. Diese lose Gemeinschaft funktioniert besser als manche Organisation mit Satzung.

Auf der Suche nach den Wurzeln des Fischzuges ist selbst der aus Schmidmühlen stammende Bezirksheimatpfleger Adolf Eichenseer nicht fündig geworden. Im Volksmund heißt es, dieser Brauch gehe bis ins 17. Jahrhundert zurück, was aber nicht belegt werden kann. Nach mündlichen Überlieferungen lässt sich die Tradition bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, bis in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Man weiß, dass sich damals der Burschenverein der Pflege des Fischzugs angenommen hatte. Mit diesem alten Faschingsbrauch hat sich Schmidmühlen 2014 um die Aufnahme in die Liste des geistigen Kulturerbes der Unesco beworben – ohne Erfolg.

Höhepunkt des Schmidmühlener Fischzugs ist das fast mitternächtliche Geldbeutel-Eingraben. Dabei wird der desolate Zustand des Portemonnaies im Schein einer kleinen Wachskerze, wie sie früher an jedem Christbaum zu finden war, betrauert. Zuvor, unterwegs, hat es dann nur kleine, essigsaure Fische auf einem Stückerl Brot zum Essen gegeben. Da freut man sich schon darauf, dass schon wenige Minuten nach Mitternacht ein saures Lüngerl oder eine Portion ofenfrischer Leberkäse zur Stärkung für den Heimweg bereitstehen. Heuer wurden 55 Teilnehmer zu Beginn des Schmidmühlener Fischzugs gezählt.

Josef Vogl geht voran

Einer, der genau weiß, was man beim Fischzug beachten muss, ist Josef Vogl. Das Amt als verantwortlicher Laternenträger hat er von Hans Rubenbauer geerbt, der Jahrzehnte Chef-Laternenträger war. Seit 2011 steht nun Josef Vogl mit der großen Laterne an der Spitze des Fischzuges. Er zählt seit 1988 zum Kreis der Fischzugteilnehmer. Besonderes Augenmerk legt er darauf, dass die Kerze immer brennt, wenn sie vom Wirtshaus hinaus auf die Straße gehen. „Denn da gibt es 100 Augen, die darauf achten, und mir als verantwortlicher Laternenträger wäre dieser Fauxpas doch sehr peinlich. Vorsichtshalber habe ich für den Fall der Fälle immer eine Ersatzkerze dabei.“

Der Gehrock ist ein Erbstück, einstmals für eine Hochzeit angefertigt. Vogls Stolz ist aber die Kopfbedeckung, ein echter Klappzylinder, ein Chapeau Claque, den er einmal auf einem Flohmarkt aufgegabelt hat. Diese Sachen, sowie die Fischzuglaterne, die vor über 50 Jahren von Schreinermeister Michael Metzger und seinem damaligen Lehrling Josef Luschmann angefertigt worden ist, haben zusammen mit der alten Fahnenstange zum Tragen der Laterne aus dem Fundus des längst aufgelösten Burschenvereins einen Ehrenplatz in seinem Keller.

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