12.07.2020 - 11:13 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Altes Rathaus Schnaittenbach: Seit 350 Jahren im Mittelpunkt

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Das alte Rathaus im Herzen von Schnaittenbach, das zusammen mit der Stadtpfarrkirche St. Vitus und dem "Rasel-Anwesen" zu den schönsten und markantesten Gebäuden der Stadt zählt, feiert heuer seinen 350. Geburtstag.

350 Jahre alt und immer noch wunderschön: So präsentiert sich das alte Rathaus heute im Herzen von Schnaittenbach.
von Autor SHProfil

Das Schnaittenbacher Rathaus markiert seit Jahrhunderten den Mittelpunkt des am Fuße des Buchberges und im Ehenbachtal sowie an der ehemals "Verbotenen Goldenen Straße" gelegenen Ortes. Es ist ein wertvolles Zeugnis der Schnaittenbacher Vergangenheit. Inmitten des rotbraunen Dächerverbandes der Hauptstraße an der Bundesstraße 14 fällt dieser schöne Giebelbau mit seinen schwungvollen Zierlinien, seinen geschweiftem Giebel, dem Glockentürmchen und dem Schnaittenbacher Wappen jedem Betrachter gleich ins Auge. Der etwas eigenartige Stil mit Sandsteinrahmung der Fenster und vertikaler Gliederung der Fassade gibt Zeugnis von einer ereignisreichen Vergangenheit.

Historisches aus Schnaittenbach

Schnaittenbach

Über den Bau bzw. die Entstehungsgeschichte des alten Rathauses existieren laut Hobbychronist Hans Grieger fast keine Unterlagen. Es wird angenommen, dass diese, wie andere wertvolle Geschichtszeugnisse auch, dem großen Marktbrand im Jahre 1817 zum Opfer gefallen sind. Aus der 1908 von Heimatforscher Georg Landgraf verfassten und herausgegebenen "Geschichte des Marktes Schnaittenbach" geht hervor, dass das Gebäude die Signatur des späten 17. Jahrhunderts trägt und man mit dessen Erbauung im oder um das Jahr 1670 rechnet. Vor dieser Zeit , so Landgraf, führte an dieser Stelle aus Richtung Buchberg und in Verlängerung der Rosenbühlstraße ein Weg zum Bürgerwald hinüber.

Feuer verschont Rathausgiebel

Man kann dieser Annahme Glauben schenken, weil sich bei späteren Umbauten herausstellte, dass das Rathaus keine eigenen Außenmauern hatte, sondern von den Giebelmauern der beiden Nachbaranwesen Saller und Landgraf getragen wurde. Sicher ist, dass am Rathaus beim verheerenden Großbrand am 27. September 1817, bei dem fast der gesamte Markt und das anschließende Dorf Forst durch das wütende Feuer zerstört wurde, wenigstens der Rathausgiebel an der Hauptstraße stehenblieb, denn sonst wäre Schnaittenbach seines historischen Gebäudes beraubt worden und damit ein Stück älterer Baukunst ärmer. Nach dem Brand stand die Rathausruine verwaist da.

Verkaufen oder doch nicht?

Zwanzig Jahre lang überdeckte ein Dachstuhl, der auf der hinteren Seite nur auf Holzsäulen gestützt war, einen Holzlagerplatz. Im Jahre 1847, also erst 30 Jahre nach der Brandkatastrophe beschäftigte sich der Marktrat mit dem Gedanken, das Rathaus zu veräußern, was letztlich jedoch nicht in die Tat umgesetzt wurde. Das Gebäude diente in früherer Zeit der Marktverwaltung, die im oberen Stockwerk ein eigenes Ratszimmer besaß und nach späteren Umbauten weitere Verwaltungsräume beherbergte.

Im Erdgeschoss war darüber hinaus noch eine, wenn auch kleine Wohnung des damals angestellten Marktknechts untergebracht, während sich im Hof die dazugehörenden Ökonomiegebäude, Stall und Stadel, befanden. Außerdem diente das Rathaus auch noch als Feuerhaus, in dem alle benötigten und vorhandenen Löschgeräte aufbewahrt wurden, wie zum Beispiel 19 lederne Feuereimer, zwei Spritzen, fünf gute und drei ältere Feuerleitern, drei Feuerhacken und zwei "Wasser-Schläpfen". Im Jahre 1860, als nach dem Großbrand endlich der Wiederaufbau des Marktes vollzogen war, ging man auch an den Ausbau des Rathauses und es wurden für Gemeindezwecke im oberen Stockwerk zwei Zimmer errichtet.

Auch als Schule gedient

Als diese Räume 1871 jedoch für Schulzwecke benötigt wurden, zog die Marktverwaltung in die beiden Räume des Erdgeschosses um. Das jetzige alte Rathaus, das sich in seiner derzeitigen Form als ein einheitliches, zusammengehörendes Gebäude präsentiert, bestand bis zum Jahre 1955 aus zwei getrennten Anwesen. Das eigentliche Rathaus war nur der Türmchenbau und das angrenzende Anwesen war das sogenannte Landgrafhaus, was heute noch am Landgrafwappen über dem Torbogen zu erkennen ist. Aufgrund der personellen Ausweitung der Verwaltung anlässlich der Erhebung des Marktes zur Stadt im Jahre 1954 wurde auch die Raumfrage akut und so entschloss sich der Marktrat, das direkt östlich angrenzende Nebenhaus, nämlich das Geburtshaus des Schnaittenbacher Heimatforschers Georg Landgraf zu erwerben, damit im oberen Stockwerk weitere Amtsräume eingerichtet werden konnten, während im Erdgeschoss eine Markt-Drogerie untergebracht war, dessen Inhaber bei späteren Umbauten durch eine einstürzende Wand leider den Tod fand. Als im Jahre 1957 das ehemalige alte Knabenschulhaus in der Hauptstraße abgebrochen und von der Gemeinde neu errichtet wurde, waren Überlegungen im Gange, in dieses Haus auch die in äußerst beengten Verhältnissen untergebrachte Stadtverwaltung zu verlegen. Diese Idee stieß auf enormen Widerstand. Proteste der Bürger führten dazu, dass der Stadtrat von diesem Vorhaben wieder absah. Die nach wie vor funktionell ungünstig gelegenen Büros führten nach der Gebietsreform 1972 bzw. 1978 zu Überlegungen, das Nachbaranwesen von Peter Pfab oder das Rasel-Anwesen zu erwerben und als Rathaus zu nutzen, was sich jedoch aus verschiedenen Gründen nicht realisieren ließ. Stattdessen wurde zum Ende der Amtszeit von Bürgermeister Hans Hofmeister das gegenüberliegende Lindner-Anwesen, der ehemalige "Gasthof zum Hirschen", käuflich erworben, dann abgebrochen und dort ein Rathausneubau errichtet, der unter seinem Bürgermeisternachfolger Karl Färber im Jahre 1985 bezogen werden konnte. Seitdem erfüllt das 350 Jahre alte Rathaus die Funktion eines Hauses der Heimat- und Volkstumspflege. Der Rathaushinterhof beherbergt seit 25 Jahren Obst- und Gartenbauverein.

Bild zeigt altes Rathaus mit ehemaliger Markt-Drogerie im Erdgeschoß
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