30.10.2018 - 16:10 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Wer ist hier der Boss?

Junge Hunde sind unvoreingenommen und wissbegierig. Das lässt sich nutzen, um den Tieren spielerisch und konsequent beizubringen, was von ihnen erwartet wird.

Junge Hunde lernen schnell.

(ads) Kommt ein Hundebaby als Familienzuwachs, kann es die gewohnte Ordnung durcheinanderwirbeln. Damit dies nicht passiert, das Zusammenleben zwischen Hund und Mensch harmonisch und bereichernd wird, ist Welpenerziehung unerlässlich. Die Hundeschule gehört zu den Spezialgebieten des Gebrauchshundevereins Schnaittenbach. Vorsitzende Alexandra Weidisch erläutert, was für die Hundeerziehung nötig ist. "Je früher, desto besser", lautet dabei die Devise.

"Hunde brauchen Regeln." Eine liebevolle und konsequente Welpenerziehung sei die Grundlage für ein friedliches und stressfreies Zusammenleben von Hund und Mensch. Lernen die Tiere von Anfang an ihre Position in der Familie und ihre Grenzen kennen, wirke sich das nicht nur positiv auf die harmonische Stimmung im Haus aus, sondern auch auf die gesunde Entwicklung des Hundes. Sie seien Rudeltiere und bräuchten für ihr seelisches Wohlbefinden klare Strukturen und Regeln. Ein nachlässiger oder unsicherer Besitzer, der seinem Vierbeiner zu viel Freiraum lasse oder inkonsequent in seinem Verhalten sei, verwirre die Welpen und führe zu unerwünschten, sogar gefährlichen Verhaltensweisen, die sich einem erwachsenen Hund nur schwer wieder abgewöhnen ließen.

Konsequent bleiben

"Keine Frage, ein ungestümer Welpe kann das Familienleben zunächst einmal kräftig auf den Kopf stellen und für jede Menge Tohuwabohu im Haus sorgen. Umso wichtiger ist es, dem kleinen Wirbelwind von Anfang an klarzumachen, was er darf und was nicht", stellt Alexandra Weidisch klar. Sie rät zur klaren Linie von Anfang an. "Der tapsige Mitbewohner mit dem treuen Blick wird es seinem neuen Besitzer natürlich sehr schwer machen, immer konsequent zu bleiben." Wer kann einem niedlichen Welpen schon widerstehen, wenn er um ein Stück Wurst bettelt? "Doch wie soll ein Hund verstehen, dass er diese Privilegien als erwachsener Hund plötzlich nicht mehr genießen darf?"

Klare Linie

Der Besitzer sollte sich von Anfang an deutlich machen, wie er sich das Zusammenleben konkret vorstellt, welche Verhaltensweisen er auf keinen Fall tolerieren will. "Wenn man diese klare Linie von Anfang an konsequent einhält, wird der Welpe bald lernen, wo sein Platz ist und auch als erwachsener Hund dann kaum Probleme in dieser Hinsicht bereiten", versichert die Fachfrau für Welpenerziehung.

"Wer ist hier der Chef? Mensch oder Hund? Eine relevante Frage, die dringend geklärt werden muss", betont Alexandra Weidisch. Hunde, die bereits als Welpen gelernt haben, wer in ihrem Zuhause der Chef ist, akzeptieren diese Rangordnung in der Regel ihr Leben lang - vorausgesetzt auch die Besitzer behalten die Position des "Rudelführers" immer bei. Ein autoritärer Führungsstil sei bei der Hundeerziehung immer noch alternativlos. Hunde möchten sich auf ihren Besitzer verlassen. Um dessen Entscheidungen und Befehle zu befolgen, müssen Hunde dem Herrchen und seinem Urteilsvermögen vertrauen können. "Klare Kommandos, ein ruhiger, aber entschlossener Tonfall und eine eindeutige Körpersprache geben dem Hund ein Gefühl von Sicherheit."

Passende Gesten

Hunde seien Meister im Mienenspiel-Lesen und reagierten oftmals schneller auf einfache Handbewegungen als auf komplizierte Sätze, deren Sinn sie nur am Tonfall heraushören können. Der Besitzer sollte sich genau überlegen, wie er dem Hund Kommandos wie "Sitz", "Komm" und "Bei Fuß" mit passenden Gesten zeigen möchte. Diese einfach strukturierten Kommandos sollten beibehalten werden, indem immer dieselben Schlüsselwörter und Handbewegungen verwendet würden.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sollte man auf lange Sätze wie: "Bello, Du musst jetzt vor dem Supermarkt brav warten, weil Herrchen ein paar Einkäufe erledigen muss" verzichten. "Für das Erlernen des notwendigen Grundgehorsams sind kurze eindeutige Anweisungen, die immer mit derselben gewünschten Verhaltensweise verknüpft sind, unerlässlich." Wer im "Rudel" das Sagen habe, lerne der Hund vor allem durch die Verlässlichkeit und klaren Kommandos des Besitzers. Übertriebene Strenge sei nicht nötig - sie würden den sensiblen Vierbeiner eher verschrecken.

Lob und Belohnungen würden bei der Motivation der jungen Hunde eine große Rolle spielen. "Tadel und Bestrafungen demotivieren und bringen die jungen Hunde eher von dem gewünschten Weg ab." Damit Hunde lernen, welches Verhalten das richtige sei und welches das ersehnte Lob einbringe, sollte die Belohnung direkt erfolgen. Hunde setzen die Reaktion des Herrchens immer in unmittelbaren Bezug zur aktuellen Situation. Auch Tadel begreifen Hunde nur, wenn er sofort erfolgt. Wenn der noch nicht stubenreine Welpe sein "Geschäft" nachmittags vor die Couch verrichte und Frauchen dies erst abends bemerke, bringe es nichts mehr, den Hund dafür zu maßregeln.

Streicheleinheiten

Belohnen könne man die Welpen mit Leckerlis. Aber nicht zu vielen, damit das Tier nicht übergewichtig werde. Fröhliche Worte, sanfte Streicheleinheiten, lobende Gesten oder ein ersehntes Spielzeug hätten ebenso einen Belohnungseffekt. Auch das Gewähren kleiner Freiheiten, wie das kurze Loslassen von der Leine, das Herumtollen mit anderen Hunden oder ein Ballspiel würden Hunde als erstrebenswertes Ziel begreifen.

Generell sei das richtige Timing für den Erziehungserfolg von entscheidender Bedeutung. Der Welpe sollte "bereit sein" für die Übungen. Wenn er gerade im Garten herumtobe, ein neues Spielzeug erkunde oder müde sei, sei dies kein geeigneter Zeitpunkt. Welpen seien zwar sehr lernfreudig, aber meist nicht allzu lange bei der Sache. Übungen, die lange Konzentration erfordern, seien für den Anfang ungeeignet. Man solle versuchen, den Hund "eher nebenbei" zu erziehen: darauf achten, dass er brav wartet, wenn sein Futter zubereitet wird, niemals Betteln nachgeben, ein Lob, wenn er ruhig bleibt, wenn es an der Haustür klingelt.

Trainingstagebuch

Erziehungstipps aus dem Freundeskreis, aus Ratgebern und Internet seien zahlreich und könnten neue Hundebesitzer schnell überfordern, weiß Alexandra Weidisch. Wichtig sei deshalb, dass die wichtigsten Regeln verinnerlicht und zur alltäglichen Routine werden. Sie rät, zunächst aufzuschreiben, welche Grundlagen man trainieren möchte. Im nächsten Schritt könne man ein Trainingstagebuch anlegen und notieren, welche Methoden positiv und welche eher negativ verlaufen sind.

Der Gebrauchshundeverein Schnaittenbach bietet Trainingsstunden für Welpen jeden Samstag um 13 Uhr auf dem Vereinsgelände (Jahnstraße 20, hinter dem Naturerlebnisbad) an. Interessierte können jederzeit vorbeischauen. Informationen gibt es bei der Vereinsvorsitzenden und Hundetrainerin für Welpenerziehung, Alexandra Weidisch, unter Telefon 0160/99229310 oder auf www.ghv-schnaittenbach.de.

Auch der Bayerische Landesverband für Hundesport (BLV) erteilt Auskünfte über Hundeschulen und Welpenerziehung in der Region (Geschäftsstelle BLV Oberpfalz, Telefon 0160/96233136).

Grundlagen:

Zu den wichtigsten Übungen der Welpenerziehung gehört nicht nur das Einüben von Kommandos. Junge Welpen, die ungefähr ab der achten Lebenswoche von ihrer Mutter getrennt werden und zu einem neuen Herrchen ziehen, müssen sich zunächst an die ungewohnte Umgebung gewöhnen. Sie müssen Vertrauen zu neuen Menschen aufbauen, die Haushaltsregeln verstehen und den Umgang mit fremden Menschen und Tieren lernen.

Empfehlenswert ist, sich die ersten Tage mit dem Welpen frei zu nehmen und dem jungen Vierbeiner viel Liebe, Geborgenheit und Zeit zu schenken. Den Hund oft bei seinem Namen rufen, kuscheln, spielen sowie ihm Leckerlis aus der Hand fressen lassen – so baut man Vertrauen auf und sorgt dafür, dass sich der Welpe wohlfühlt. Zu den weiteren Zielen der grundlegenden Welpenerziehung gehören Stubenreinheit, Grenzen aufzeigen beim Bellen, Beißen und Zerkratzen, Leinenführigkeit, Kommen, Warten, alleine bleiben, Pflege-Rituale und Schlafen.

„Ein absolutes No-Go bei der Welpenerziehung ist, dass man die Hundebabys am Genick packt und schüttelt. Das ist eine Todesdrohung und zerstört das Vertrauensverhältnis zum Besitzer“, warnt Alexandra Weidisch. Lohnt sich der Besuch einer Welpenschule? „Einen Welpen an seine Umwelt zu gewöhnen und ihm die Regeln des Zusammenlebens beizubringen, bedeutet neben viel Arbeit vor allem Geduld, Konsequenz und nicht zuletzt ein gewisses Know-how“, so Alexandra Weidisch, erfahrene Hundetrainerin mit Spezialgebiet Welpen. „Um Fehler in den prägenden ersten Lebensmonaten zu vermeiden, sollten sich besonders Hunde-Anfänger ausreichend über Haltung, Pflege und Welpenerziehung informieren.“

Der Besuch einer Welpenschule und geführte Übungen eines erfahrenen Hundetrainers können dabei sehr hilfreich sein. Man lernt den Welpen einzuschätzen und schafft spielerisch eine Vertrauensbasis zwischen Hund und Mensch. „Die Welpenstunde ist bei uns am Platz eine der schönsten und lustigsten Stunden. Welpen sind einfach toll.“ (ads)

In der Schule:

Die Hundeschule beim Gebrauchshundeverein Schnaittenbach besucht auch Melanie Zerhau. Vor rund vier Wochen kam der vierbeinige Familienzuwachs: „Max“, ein aufgeweckter Mischling, und schon der beste Freund von Tochter Leonie. Melanie Zerhau und die weiteren Teilnehmerinnen sind sich über die Ziele, die sie mit der Hundeschule erreichen möchten, einig. Der Hund soll Gehorsam gegenüber seinem Besitzer und ein gutes Sozialverhalten gegenüber anderen Hunden lernen. Für sich selbst als Hundebesitzer wünschen sie sich Anweisungen, Tipps und Expertenrat zur Erziehung und zum guten Umgang mit dem Hund.

„Wir hatten Max gerade mal drei Tage, als wir zum ersten Mal die Hundeschule besuchten, wo ich auf Gleichgesinnte mit ihren Vierbeinern stieß“, erinnert sich Melanie Zerhau. Durch das gezielte Training befolgt der Hund bereits die Anweisungen „Sitz“, „Platz“, Grundstellung, „Bleib“ und „Komm“. Melanie Zerhau freut sich über die schnellen Erfolgserlebnisse. Sie beschäftigt sich täglich mit ihrem Hund und absolviert mit ihm die Trainingseinheiten, die sie von der Hundetrainerin Alexandra Weidisch als „Hausaufgabe“ erhalten. „Ich will meinem Hund die Welt zeigen, sprich: Ich will meinen Hund nicht einsperren, weil er nicht folgt oder sich nicht mit anderen Hunden verträgt, sondern ich will stressfrei meinen Hund überall mit hinnehmen, um ihn so in den Familienalltag bestens integrieren zu können, damit er ein bereichernder Teil der Familie ist.“ (ads)

Melanie Zerhau und Tochter Leonie gehen mit dem Mischling „Max“ in die Hundeschule, damit sie professionelle Tipps erhalten.
Hundebabys sind verschmust und unwiderstehlich. Das hilft auch beim Lernen in der Hundeschule.
Junge Hunde brauchen eine klare Anweisung ihres Platzes und da ist ein Hundekorb ideal dafür.
Hunde sind Rudeltiere und so lieben es die Welpen gemeinsam ein kleines Nickerchen zu machen, bevor es wieder zum Herumtoben geht.
Hundeerziehung läuft über positive Verstärkung. Hat der Hund Gehorsam geleistet oder seine Aufgabe gut erledigt, erwartet er eine Belohnung.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.