23.04.2019 - 14:48 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Freilichtbühne am Buchberg: Probe mit Gänsehaut

Bei der ersten Probe Anfang April wäre ihnen fast der Kaffee eingefroren. Ein Gänsehaut-Moment. Den gibt es heute auch wieder, allerdings in schönster Frühlings-Sonne. Die Freilichtbühne am Buchberg probt "Anatevka".

"Wenn ich einmal reich wär'": Milchmann Tevje (Thomas Reiß) singt sein berühmtes Lied.
von Heike Unger Kontakt Profil

Bei strahlendem Sonnenschein, ohne Anorak, singt es sich jetzt schon viel leichter auf dem Buchberg. Wobei das mit dem Singen in diesem Stück gar nicht so einfach ist. "Anatevka" haben sich die Schnaittenbacher ausgesucht - wieder eine echte Herausforderung für die Laienschauspieler. Aber genau das reizt Spielleiter Stefan Reindl und seine Mitstreiter, die sich nicht scheuen, die großen, bekannten Klassiker zu inszenieren.

Diesmal also Anatevka. Die Vorbereitungen laufen schon seit etlichen Wochen, mit den Proben im Freien aber haben die Schnaittenbacher gerade erst begonnen. Premiere ist am Freitag, 24. Mai - die Wochenenden bis dahin und auch mehrere Abende unter der Woche arbeiten die Schauspieler nun intensiv an ihrem Stück.

Ein Lied, das jeder kennt

Und an der Musik. Die, sagt Stefan Reindl, sei bei dieser Inszenierung schon "eine gewisse Herausforderung". Nicht nur, weil der Gesang live begleitet wird. Der musikalisch Anspruch sei sehr hoch, meint Reindl. Ein Parforceritt durch die Tonarten. "Die wechseln da von fünf B auf fünf Kreuz. Und selbst der Schlagzeuger braucht Noten."

Und dann ist da noch die Tatsache, dass das berühmte Lied des Milchmanns Tevje, "Wenn ich einmal reich wär'", jeder kennt. Thomas Reiß, der Vorsitzende der Buchbergbühne, hat diese Rolle übernommen. Obwohl er zuerst zögerte: Weil er Probleme mit der Stimme hatte, war er sich nicht sicher, ob er der Hauptrolle, die mit sehr viel Text und viel Gesang verknüpft ist, gewachsen sein würde.

Doch die Zweifel sind verschwunden. Reiß ist Milchmann Tevje. Mit voller Hingabe stimmt er "sein" Lied an. 20 Logopädie-Stunden und eifriges Üben per CD im Auto machen's möglich. Dem berühmten Ohrwurm folgt gleich ein zweiter. "Zum Wohl, zum Wohl, L'Chaim!" schmettern alle gemeinsam bei einer Wirtshausszene. So mitreißend, dass man sofort mitsingen will. Aber die Schnaittenbacher beherrschen auch die leisen Töne. Ganz still ist es, als Tevje und seine Frau Golde auf der Bühne über die Liebe sinnieren. 25 gemeinsame Jahre. Ist das Liebe? Momentan ist es vor allen Dingen nur eine Probenszene. Und doch schon ein echter Gänsehaut-Moment. Was diesmal nichts mit den Temperaturen zu tun hat.

Dieser besondere Augenblick schwingt bei allen im Team noch ein wenig nach. Der Applaus der Schauspiel-Kollegen ist spontan, er steht nicht in dem Heft mit den Regie-Anweisungen. Der Spielleiter ist zufrieden. Genau das mache den Reiz von Anatevka aus, erklärt er: "Da ist einfach alles dabei. Da wirst du lachen - und auch weinen." Und viele Momente erleben, die jeder aus seinem Alltag kennt, fügt Kerstin Donhauser, die Tevjes Frau Golde spielt, hinzu. Die Frage nach der Liebe gehöre ebenso dazu wie der nicht einfache Moment, wenn die Kinder flügge werden und das Haus verlassen. Auch das wird heute noch geprobt. Reindl feilt in der Verlobungs-Szene zwischen Tevjes Tochter Hodel und dem Studenten Perchik an den richtigen Positionen der beiden.

Der Fiedler auf dem Dach

Dann ist es genug für heute. "Jetzt brauchen wir noch ein bisschen Masel tov", sagt der Spielleiter mit Blick auf die geplanten acht (ausverkauften) Aufführungen. Keine Frage: Die Theaterleute haben sich richtig tief eingearbeitet in die jüdische Kultur. Wortschatz inklusive. Die jüdische Tradition steht im Mittelpunkt von "Anatevka". Ohne sie, sinniert Tevje, der Milchmann, seien Juden wie ein "Fiedler auf dem Dach". Den, verspricht Reindl augenzwinkernd zum Abschied, werden die Buchbergler auch noch auftreiben.

Peter Kraus alias Aierl (vorne links) ist der Metzger im jüdischen Schtetl Anatevka. Hier handelt er mit Tevje (Thomas Reiß) die Hochzeit mit dessen Tochter aus.
"Anatevka" auf der Buchbergbühne: Die Proben haben begonnen, am 24. Mai ist Premiere.
Gesang und Live-Musik sind eine Besonderheit bei der Schnaittenbacher Theatergruppe.
Spielleiter Stefan Reindl (vorne) in seinem Element.
Milchmann Tevje sinniert.
Alle warten auf ihre Lieferung von Milchmann Tevje. Und zwar noch vor Beginn des Sabbats. Denn dann darf nicht mehr gearbeitet werden. So will es die Tradition. Und die zählt in dem jüdischen Schtetl Anatevka.

"Anatevka" auf dem Buchberg

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