25.05.2020 - 12:39 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Kräutergarten entwickelt sich vom Schau- zum Lehrgarten

Wenn alles grünt und blüht im Frühjahr und die Natur regelrecht zu explodieren scheint, zeigt sich auch der Schnaittenbacher Kräutergarten in seiner schönsten Pracht.

Herzstück des oberen Kräutergartens ist der Klostergarten der Heiligen Hildegard mit Gewächsen, die in ihrer Heilkunde Verwendung fanden.
von Adele SchützProfil

Auch wenn die offizielle Eröffnung heuer der Corona-Pandemie zum Opfer fällt, hat der Kräutergarten täglich seine Pforten geöffnet und lädt zur faszinierenden Entdeckungstour der Natur ein.

Dass sich hinter dem großen hölzernen Tor neben dem alten Rathaus direkt im Stadtkern von Schnaittenbach ein botanisches Kleinod und ein Aushängschild der Stadt befindet, kann man auf den ersten Blick nicht erahnen. Vor über einem Vierteljahrhundert hat der hiesigen Obst- und Gartenbauverein auf 2000 Quadratmetern den Kräutergarten angelegt, der mit seiner Vielfalt an über 350 verschiedenen Kräutern, Gewürz- und Heilpflanzen seinem Namen alle Ehre macht.

Anfang 2019 wurde Gärtnermeisterin Tanja Götz von der Stadt mit der Pflege und Gestaltung des Gartens beauftragt. Die Förderung des Lehrcharakters des Gartens ist ihr Hauptanliegen und so arbeitet sie an einer Entwicklung vom Schau- zum Lehrgarten, nutzt aber dabei die ausgeklügelte angelegte Struktur des Gartens. Die Entwicklung trägt schöne Früchte, denn ab dieser Kräutergartensaison sind alle im Garten befindlichen Kräuter genau beschildert. Die Gewächse sind je nach Wirkung, ihrem jeweiligen optimalen Lebensraum wie Herkunft in den jeweiligen Bereichen des Gartens angeordnet, dadurch ist ein Lehrnutzen für den Besucher garantiert.

Für Überraschungen ist allemal der Schachbrettgarten gut, der eine Vielzahl von unbekannten Kräutern beherbergt.

Gleich am Eingang im Schatten des alten Rathauses ist rund um einen Quellstein ein begehbarer Bereich angelegt, der Sumpfpflanzen und vielen schattenverträglichen Kräutern, wie beispielsweise Giersch, Bärlauch, Waldmeister und Scharbockskraut optimale Bedingungen zum Gedeihen bietet.

Es schließt sich ein Themenbereich an, indem die Heilkräuter nach ihrer Wirkung angeordnet sind. Dieser Bereich des Gartens erinnert an den Spruch: „Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen“. Heilkräuter, die Blase, Niere, Magen, Darm, Herz, Atemwegen bei Erkältung gut tun, sind im oberen Bereich des Kräutergartens zu finden. Mittelpunkt ist ein kleines Klostergärtlein mit der Statue der Heiligen Hildegard von Bingen, in den auch jene Pflanzen Eingang gefunden haben, die die Heilige für Heilzwecke und zur Gesunderhaltung des Menschen eingesetzt hat: Quendel, Wermut und Johanniskraut beispielsweise. Es schließt sich ein Bereich mit bekannten und unbekannten Gewürzkräutern für die Küche an, insbesondere verschiedene Alliumarten wie Duftblütenknoblauch oder Schnittknoblauch.

Der Kräutergarten in Schnaittenbach steht unter neuer Regie

Schnaittenbach

Im Schachbrettgarten haben dann einige wenige Heilkräuterarten ihren Platz gefunden, die schon in Vergessenheit geraten sind. Die Zichorie oder auch Gemeine Wegwarte genannt, die früher als coffeinfreier Kaffee-Ersatz diente, Süßholz, das bei Erkältung, Husten und als Herztonikum Anwendung findet und eingelegt zu Lakritz wird und die Mariendistel, die getrocknet als Schmeckablattl ins Gebetsbuch eingelegt wurde und mit ihrem Duft die Schläfrigkeit beim Gebet verhindern sollte. Den oberen Teil des Gartens bereichert ein behindertengerechtes Gärtlein mit Hochbeeten, bepflanzt mit Duftblüten und Tastpflanzen, die allen Besuchern eine leichten Zugang in die faszinierende Welt der Kräuter erlaubt. Im unteren Teil des Kräutergartens dominieren die Kräuter des Mittelmeeres und wecken beim Besucher Urlaubserinnerungen. Die breiten Wegränder nutzt Tanja Götz zur Ansiedlung von exotischen Pflanzen aus aller Welt, die sie in Bereiche nach den Herkunftserdteilen der Pflanzen anordnet. Zum krönenden Abschluss lockt der hintere Kräutergarten, der über ein Holzbrückerl erreichbar ist. Ein Sitzbankerl an einem Teich eingebettet in eine Wiese laden hier zum Entspannen ein.

Die Hochbeete mit Duft- und Tastpflanzen erleichtern allen Menschen von Jung bis Alt und mit eingeschränkter Beweglichkeit einen leichten Zugang zu Kräutern. Den Kindern hat es der der Wollziest mit seiner kuschelweichen, flauschigen Behaarung angetan.

Im Zuge seiner Entwicklung zum Lehrgarten, gibt es ab dieser Gartensaison jeweils wechselnd ein Kräutergartengemüse, das vom Samen über die Pflanze bis zur Frucht, mit alle Arten und seiner Verwendung vorgestellt wird. Heuer widmet sich Tanja Götz der Bohne und wird mit viel Wissenswertem über das bekannte Gemüse und ebenso viel Anschauungsmaterial darüber für überraschende Neuigkeiten der "alten Bekannten" sorgen. Sie lässt wissen, dass es mehr als die drei gängigen Sorten Stangen-, Busch- und Dicke Bohnen gibt. Die Gärtnermeisterin wird im Rahmen des Projekts zehn attraktive Bohnenvarianten vorstellen, wobei es ihr die Blaue Hilde besonders angetan hat. Die ertragreiche, geschmackvolle Sorte fasziniert durch ihre violette Farbe. Nicht nur die Pflanze auch die Frucht ist violett, aber nur bis sie gekocht wird. Durch den Kochvorgang wird sie bestechend schön smaragdgrün. Zu den Vorzügen der Bohnen verrät sie, dass diese verdauungsfördern und in der Küche vielseitig einsetzbar sind. Für Vegetarier sind gerade Hülsenfrüchte wertvolle Eiweißlieferanten. Tanja Götz lädt alle Interessierten ein, sich heuer mit ihr auf die Entdeckungstour eines bekannten Gemüses zu machen, das mit ungeahnten Reizen aufwarten wird.

Neu im Kräutergarten als Lehrgarten ist das" Gemüse der Kräutergartensaison", das nun jährlich wechselt. Gärtnermeisterin Tanja Götz hat sich für die bekannte Bohne mit unbekannten Reizen für 2020 entschieden und den Platz um Amor im Zentrum des Kräutergatens zur Präsentation der Bohnenpflanzen ausgewählt. Sie lädt zum Entdecken der Bohne und zum Staunen ein.

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