04.02.2021 - 15:02 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

Schnaittenbacher Stadtgeschichte: Was heute Corona ist, war früher die Pest

Zum Jubiläum 750 Jahre Schnaittenbach hat Reinhold Strobl die Stadtchroniken von Dr. Heribert Batzl, Walter Volland und Georg Landgraf durchgesehen. Aufzeichnungen über die Pest sind ihm dabei besonders aufgefallen.

An die schwere Heimsuchung Hirschaus durch die Pest erinnert heute noch die kleine Pestkapelle an der Ehenfelder Straße auf Höhe des Friedhofs.
von Adele SchützProfil

Anlässlich des 750-jährigen Bestehens der Stadt in diesem Jahr hat es sich der frühere Bundes- und Landtagsabgeordnete zur Aufgabe gemacht, sich mit der Geschichte seiner Heimatstadt auseinanderzusetzten. Reinhold Strobl stellt aus den Chroniken die für ihn spannendsten Geschichten zusammen und nennt seine Aufzeichnungen „Schmankerln“.

Angesichts der Corona-Pandemie fand Strobl die Aufzeichnungen über Pest und Krankheiten in Schnaittenbach sowie den Umgang der Bevölkerung damit besonders interessant. Bemerkenswert fand er: In der Zeit der Pest versuchte die Bevölkerung auch schon, sich mit Masken vor einer Ansteckung zu schützen.

Drei Chroniken bewahren die Schnaittenbacher Geschichte

Schnaittenbach

Folgende Auszüge aus den Stadtchroniken von Schnaittenbach haben in die „Schmankerln“ von Reinhold Strobl Eingang gefunden:

  • „In Kohlberg herrschte 1621 eine Seuche, die in 14 Wochen 40 Menschen hinweg raffte. Auch später forderte sie noch ihre Opfer. 1625 erlag ihr auch Pfarrer Lautensack aus Kohlberg.
  • Die wirtschaftliche Lage war 1624 und 1625 nach wie vor trostlos in Schnaittenbach und Umgebung. Viele Ortschaften waren verwüstet; besonders litten Wernberg, Freihung, Schnaittenbach und Hirschau. Eine Missernte brachte zusätzliche Schwierigkeiten.
    Zu dem wirtschaftlichen Tiefstand kam die Pest – eingeschleppt durch böhmische Truppen. Im September traten die ersten Fälle von Erkrankungen in Kohlberg und kurze Zeit später auch in Wernberg, Köblitz, Kaltenbrunn und Hirschau auf. Schnaittenbach war zu dieser Zeit noch verschont. Zusätzlich zur Seuche plünderten Soldaten in den Garnisonen das flache Land und brachten für die bäuerliche Bevölkerung neue Sorgen.
  • In Schnaittenbach wütete 1633 und 1634 die Pest schrecklich. 1634 wird sie in den Kreisarchivalien von Schnaittenbach ausdrücklich erwähnt. Aus dieser Zeit stammen die Wallfahrten zahlreicher Bürger auf den Mariahilfberg nach Amberg.
  • Im Markt Schnaittenbach und in der Umgebung grassierte 1788 erneut eine epidemische Seuche "in der Art eines hitzigen Gall- und Faulfiebers", das die Regierung veranlasste, den Regierungsarzt Dr. Krabler sowie den Professor Dr. Fleischmann nach Schnaittenbach und Umgebung zu entsenden. Sie hatten den Auftrag, die Beschaffenheit der bösartigen Krankheit zu untersuchen, die erforderlichen Mittel dagegen zu verschreiben und allen Fleiß anzuwenden, um ein weiteres Umsichgreifen der Krankheit zu verhindern. Trotz aller Maßnahmen starben in Schnaittenbach 39 Personen an Typhus.
Die Inschrift an der Pestkapelle.
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